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Besichtigung Kloster und Kirche Oberried

Von Feierabend-Mitglied Freitag 09.03.2018, 07:16

Die Besichtigung des Klosters geschah unter großer Beteiligung der FAler.
Sie kamen per Bus oder in Fahrgemeinschaften. Trudel hatte alles gut vorbereitet, wie wir es von ihr kennen. Die Führung mit Herrn Mueller begann in der Kirche in Oberried. Dort wurden wir von ihm mit der Geschichte von Kirche und Kloster bekannt gemacht.

Es ist eine lange Geschichte.
Gegründet wurde das erste Kloster Anfang 1200 von den Zisterzienserinnen, die von Günterstal aus in das abgelegene Tal St. Wilhelm gingen, dort aber nach wenigen Jahren das Kloster aufgaben. In St. Wilhelm, kalt und abgelegen, von der Hände Arbeit zu leben, war den Frauen auf Dauer nicht möglich und sie verließen das Kloster und gingen zurück.

Nach einigen Jahren übernahmen die Wilhelmiten den Klosterbereich. Der Stiftungsbrief an die Wilhelmiten ist datiert im Jahre 1252. Den Mönchen erging es allerdings nicht anders als den Zisterzienserinnen und sie gingen in die Vorstadt nach Freiburg in das dort neu gegründete Kloster Oberried. Dadurch existierten in dieser Zeit zwei Klöster gleichen Namens.

Es kam zu vielen Schenkungen an das Kloster in St. Wilhelm, so dass nach zwei Bränden, der erste Ende des 14. Jhdt. und erneut 1412, die Summe von 5000 Gulden zum Aufbau eingesetzt werden konnte, was zeigt, wie vermögend das Kloster inzwischen geworden war.

Es war der Abtei St. Blasien inzwischen zugeschlagen worden, kam damit also in den Besitz des Ordens der Benediktiner.

1688 war die jetzige Kirche in Oberried erbaut, das Kloster konnte ein Jahr vorher bezogen werden.

Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster zerschlagen, die Gebäude konnten aber durch Verhandlungen erhalten bleiben.
Das Vermögen fiel an den Staat und das Klostergebäude wurde hälftig der Gemeinde und hälftig der Kirche zugeschlagen. Im Rahmen dieser Vermögensteilung wurde im Klosterhof eine Mauer errichtet, die „beide Welten“ voneinander trennte.

Nach dem Mauerfall in Berlin setzten sich dann Kirche und Gemeinde an einen Tisch und entschieden, dass nun auch diese Mauer fallen müsse. Gesagt, getan und es entstand ein schöner Innenhof, der für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird.

Die Kirche zeigt sich prächtig.
Der Legende nach soll das Kruzifix (Jesu mit Echthaaren, die nach einigen Jahren immer wieder erneuert werden müssen) den Rhein hinauf geschwommen sein.
Tatsache ist jedoch, dass sich das Kreuz vor 1480 in der Freiburger Wilhelmitenkirche befand und nach Aufgabe des Stadtkloster nach Oberried gebracht wurde.

Auf die Besonderheit der Marienstatue, die auf der Mondsichel steht (sich also bereits außerhalb des Irdischen befindet) unter der das Gesicht des sündigen Adam hälftig im Längsschnitt abgebildet ist, wurden wir hingewiesen.

Über eine Treppe ist hinter dem Hochaltar ein weiterer Altarraum vorhanden, der den Mönchen vorbehalten war. Hier ist auf der Rückseite des großen Altarbildes, das in der Kirche für die Besucher zu sehen ist, das alte ursprüngliche Altarbild angebracht.

Die Figuren am Hauptaltar wurden von Johann Christian Wentzinger geschaffen, erste Aufträge für ihn. Zu einem späteren Zeitpunkt hätte sich die Propstei Oberried ihn nicht mehr leisten können.

Wir sahen im Kloster das Refektorium mit seinen schönen Stuckarbeiten, der Durchreiche zur ehemaligen Küche, den Kreuzgang.
Räume des Klosters dienen dem heutigen Pfarrer als Dienstwohnung.

Zum Abschluss gingen wir noch in die Bibliothek und erfuhren ihren Werdegang, erhielten Informationen über die Auflistung und Aufbewahrung der vorhandenen bibliothekarischen Schätze.
Die Pfarrei besitzt ca. 350 Bücher, älter als 200 Jahre. Dieses Wissen hüteten die Pfarrer streng geheim.

Pfarrer Vetter ließ diese unter strengster Geheimhaltung katalogisieren. Heute weiß man, dass im Kloster Oberried sicher verwahrt wohl die größte Sammlung der Niederschriften des Fürstabtes Martin II. Gerbert von St. Blasien liegt. Es ist geklärt, dass diese Bücher Eigentum der Pfarrei Oberried sind und nicht zu St. Blasien gehören.

Weiter befinden sich 50 Werke des protestantischen Theologen Johann Kaspar Lavater und 40 Werke des Konstanzer Generalvikars Ignaz Heinrich von Wessenberg in Oberried.

Wir ließen den Nachmittag im der Kirche gegenüber liegenden Cafe in angeregter Unterhaltung über die hervorragende Führung ausklingen, wozu auch Herr und Frau Müller eingeladen waren.

Dir liebe Trudel, sei noch einmal gedankt für diese Veranstaltung und die damit erlebten schönen Stunden.

Hannelore


Bildergalerie: Führung Kirche und Bibliothek in
Bildergalerie: Führung Kirche und Bibliothek in Oberried mit H.Müller von Feierabend.de Mitglied trudelwww.feierabend.de

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