Von der Prüderie weg zu einer anderen Lebensform
Von
Bekassine
Mittwoch 04.02.2026, 13:39
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Bekassine
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Foto: eigenes
Vorweg ein paar Worte in eigener Sache:
Es gibt hier einen älteren Märchenerzähler, der aber jeden Beitrag anderer User nach Urheberrechten untersucht und gerne zu Löschungen beiträgt.
Meine Geschichte gab ich letztes Jahr als Interview dem Zeit Magazin, wozu von FA aufgerufen wurde.
Es wurde unter meinem 2. Vornamen veröffentlicht.
Ich schreibe es hier etwas verkürzt.
Nach der Scheidung – ich war 38 – war ich noch mal 21 Jahre lang in einer Beziehung. Es fühlte sich wie eine Ehe an. Vieles hat mir daran nicht gefallen. Ich kam wieder in diese Mühle, musste mich ständig mit ihm abstimmen. Ich war gar nicht ich selbst. Als ich eine kurze Affäre hatte, merkte ich: Ich will nicht mehr eingeengt sein. Ich trennte mich. Mit 61 Jahren war ich endlich frei.
Eine Bekannte sagte damals: Ach, du hast es gut, du bist ja jetzt in dem Alter, in dem du das mit dem Sex lassen kannst. Da fragte ich: Wie kommst du denn darauf? Ich hatte immer noch den Wunsch nach Sex, nur wollte ich keine Liebesbeziehung.
Seither führe ich Freundschaft-Plus-Beziehungen. Meine erste ging acht Jahre lang. Wir lernten uns zufällig kennen, waren erst befreundet und schliefen dann hin und wieder miteinander. Als er verstarb, war das hart für mich.
Vor vier Jahren meldete ich mich dann bei der Plattform Feierabend an. Darüber lernte ich einen zehn Jahre jüngeren Mann kennen. Wir besuchten uns, alberten herum. Wie Kumpel. Anderthalb Jahre war nichts mit Sex.
Als es passierte, war es, als hätte es einfach sein sollen. Ich weiß noch, er hatte gegrillt; er kochte immer für mich. Zum Nachtisch machte er flambierte Bananen. Wir saßen da, und auf einmal schlugen zwei Flammen hoch und verbanden sich, da sagte ich: Guck mal, die Flammen haben Sex. Wir sahen uns an, dann ist es passiert.
Ich sagte danach zu ihm: Aber wir sind immer noch nur Kumpel! Er antwortete: Ja, dann ist das halt jetzt eine Freundschaft Plus. Wir wussten damals nicht, dass es diesen Begriff schon lange gibt. Das merkten wir erst danach.
Viele verstehen Freundschaft Plus falsch. Sie denken, dass man ohne Verpflichtung wahllos Sex hat. Aber das wäre ja wohl eher eine Affäre. Ich sage immer, wir ersparen uns Verpflichtungen. Die wollen wir nicht. Sicher, als es mal wegen eines Umbaus staubig bei ihm war, habe ich geputzt. Aber er erwartet das nicht von mir. Wenn man eine klassische Beziehung eingeht, gerade als Frau in meinem Alter, verfällt man leicht in alte Muster.
Heutzutage teilen sich junge Paare den Haushalt – das finde ich super! Ich bin anders aufgewachsen und so erzogen worden, dass ich als Frau den Haushalt übernehmen soll. Darauf habe ich keine Lust mehr.
Wir sehen uns zum Beispiel auch nicht an Weihnachten oder Silvester. Damit fängt es ja sonst schon an. Dass es eine Verpflichtung oder zumindest Erwartungen gibt, wenn man eine Beziehung eingeht.
Bei uns gehören diese Tage unseren Familien. Dafür sehen wir uns an anderen Tagen – und dann etwa vier bis fünf Tage lang.
Das Schöne ist, dass wir uns nicht verstecken müssen. Wir sind beide Single. Selbst im Bekanntenkreis und in der Familie wissen einige von unserer Freundschaft-Plus-Beziehung. Meine Freunde haben sie erst nicht verstanden. Wortwörtlich haben die mich gefragt:
„Willst du frei durch die Gegend poppen?“
Ich habe ganz direkt geantwortet: Ihr müsst euch das so vorstellen, wir leben weit auseinander, und wenn jemand Lust auf Sex mit jemand anderem hat, haben wir nichts dagegen. Da gibt es keine Geheimnisse und auch keine Eifersucht. Wenn ich das will, bin ich nicht gezwungen, ihn zu fragen. Aber ich sage es ihm und er mir auch. Ich sehe es so: Wir haben keine klassische, romantische Beziehung, aber Nähe und Intimität in einem sicheren Rahmen. Für mich braucht es diese Vertrautheit, damit der Sex auch für beide gut wird.