Kindheit nach 1945
Von ehemaliges Mitglied Samstag 29.11.2025, 15:11
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Es tut gut, mal einen Blick auf die eigene Kindheit zurückzuwerfen. Ich mache das ab und zu, um mich wieder neu einzusortieren.
Die Versorgungslage in Deutschland war zu dieser Zeit katastrophal. 1947 war dazu ein so strenger Winter, dass die Bevölkerung zum Kohlenklau gezwungen war. Die Menschen hungerten und froren. Eis und Schnee legten den Verkehr lahm.
Zur Linderung der Nachkriegsnot in Deutschland war in Amerika die private Hilfsorganisation CARE gegründet worden, die Pakete an Privatpersonen in Deutschland und andere im Krieg zerstörte Nationen schickte. Die Pakete enthielten Lebensmittel wie Trockenmilch, Eipulver und Konserven, aber auch Kleidung.
Wir Schulkinder bekamen kostenlose Schulspeisungen. Auch dafür kamen die Zutaten aus den USA. Oft gab es Milchsuppe, Kakaosuppe und Erbsensuppe, manchmal ein Brötchen und ganz selten ein Stück Schokolade.
Das brachte mich zu der kindlichen Überzeugung, dass alle Amerikaner "die gütigsten Menschen der Welt" seien.
Diese Pakete wurden von CARE auch Ostdeutschland angeboten, aber Stalin, der am 10. März 1952 den Westalliierten die Wiedervereinigung Deutschlands vorschlug, lehnte es ab.
Mein Leben in dieser Zeit war sehr ereignisreich. Meine Freunde und ich waren frei wie junge Hunde. Entweder waren wir in der Schule oder irgendwo, um die Welt zu erkunden.
Sicher können sich die Turbomütter von heute nicht einmal vorstellen, wie es wäre, ihre Kinder den ganzen Tag unbeaufsichtigt zu lassen.
Wir aber haben damals von der Sorglosigkeit unserer Eltern profitiert. Wir lernten, unsere Fähigkeiten und Defizite und uns selbst genau einzuschätzen.
Damals unternahm ich persönlich nie irgendetwas, das ich vorher nicht durchdacht und die vor und Nachteile genau berücksichtigt hatte.
Anfänglich war es mir nicht bewusst, aber bald wurde mir klar, dass ich zwar durch eine harte aber lehrreiche Schulung gegangen war.
Dass ich etwas durchlebte, das nicht mit Geld gekauft werden kann.