Der Ungläubige
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Feierabend-Mitglied
Donnerstag 27.11.2025, 10:00
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Der Ungläubige sitzt und zählt die Wunder,
die täglich ausbleiben, pünktlich wie die Zeit.
Er sieht die Welt, sie dreht sich stoisch weiter,
ganz ohne Fingerzeig der Ewigkeit.
Man predigt ihm von Schlangen, Meeresspalten,
von Brot, das sich in Massen selbst vermehrt.
Er fragt sich still, warum in Krankenhäusern
kein einziger dieser Tricks verkehrt.
Man droht ihm Höllenfeuer, Qualen, Strafen,
falls er den Zweifel jemals ernst nimmt, laut.
Er lächelt nur und denkt: Wenn Wahrheit feststeht,
wird sie nicht schwächer, wenn man sie beschaut.
Er sieht, wie Menschen eifrig Altäre bauen,
aus Angst, aus Hoffnung, aus Gewohnheit bloß.
Er hält den Kopf hin in den Regen draußen
und merkt: Die Wolken kommen gottlos, leichenlos.
Und manchmal, wenn die Nacht die Lichter löscht,
fragt er sich kurz, ob er sich doch irren mag.
Dann sieht er, wie der Stern ins Nichts verglühet,
und denkt: Ein leeres Nichts braucht keinen Gott als Trag.