Die Balfour-Deklaration von 1917
Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 28.08.2025, 11:28
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Jetzt bin ich schon mehr als 20 Jahre Mitglied im Seniorenforum Feierabend und habe erst vor kurzem erfahren, dass ich mir eine eigene Gruppe erstellen kann. Aber was soll‘s, lieber spät als nie.
Auf jeden Fall habe ich jetzt die Möglichkeit in meiner eigenen Gruppe –Gegen das Vergessen – alles das einzustellen, dass ich für notwendig erachte und an dass ich Erinnern möchte.
Das werden wohl zu aller erstgeschichtliche Begebenheiten sein aber auch die Stimmen von Interpreten, großer Autorinnen und Autoren, damit ihre Worte, Lieder und Gedanken nicht in Vergessenheit geraten. Meine Beiträge sollen aufmerksam machen, bewahren und zum Wiederentdecken einladen.
Aus hoffentlich verständlichen Gründen steht das Thema Judentum und der Nahostkonflikt für mich an erster Stelle.
Und so möchte ich am Anfang in chronologischer Reihenfolge einige Gründe nennen die dazu führten.
Die 3000-jährige Geschichte der Juden ist eine Anhäufung von Pogromen, Erniedrigungen, Lügen und gebrochener Versprechungen.
Das Bild was die Menschheit heutzutage von der jüdischen Gemeinschaft hat wurde nicht zuletzt von der katholischen Kirche in die Welt gesetzt, die die Juden für den Tod von Jesus von Nazareth verantwortlich macht. Das ist eine bewusst eingesetzte Lüge. Die Verantwortlichen für diese Unterstellung wussten genau das Pontius Pilatus, der zu dieser Zeit Präfekt des römischen Kaisers Tiberius in der Provinz Judäa war nur unter Druck der jüdischen Führungsschicht gehandelt hat.
Als Jesus von Nazaret von den jüdischen Führern wegen Blasphemie und Aufruhr angeklagt wurde, hielt Pilatus Jesus für unschuldig. Gab aber schließlich dem Drängen der jüdischen Ankläger nach und verurteilte ihn zum Tod am Kreuz um Kaiser Tiberius glauben zu lassen, das in seiner Provinz Judäa alles in Ordnung sei.
Wer heute die Probleme im Nahen Osten verstehen will, kommt nicht umhin, sich um die Geschichte dieses Teils der Welt zu kümmern.
Der Israel-Palästina-Konflikt scheint heute mehr denn je unlösbar zu sein. Ein besonders wichtiges Vorkommen, das zu dieser Situation geführt hat, war folgendes Ereignis.
Vor 108 Jahren, wurde jenes Dokument veröffentlicht, das ihn provoziert hat: die Balfour-Erklärung. Sie versprach den Juden eine nationale Heimstätte und den Arabern, dass ihre Rechte nicht beschnitten würden.
Der Text lautete:
„Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei, wohlverstanden, nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern infrage stellen könnte. Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie diese Erklärung der Zionistischen Vereinigung zur Kenntnis bringen würden.
Ihr Arthur Balfour“
Diese Erklärung adressierte der britische Außenminister Lord Arthur Balfour am 2. November 1917 an den zweiten Lord Rothschild, Lionel Walter Rothschild, den Großonkel von Jacob Rothschild.
James Renton erläutert, warum die Erklärung an Lord Rothschild adressiert wurde. Er ist spezialisiert auf die britisch-zionistischen Beziehungen während des Ersten Weltkriegs und lehrt Geschichte an der Edge Hill University im Nordwesten Englands:
„Erstens war Rothschild der Mittelpunkt des britisch-jüdischen Establishments. Zweitens hatte der Name Rothschild zu dieser Zeit nicht nur in der jüdischen, sondern in der ganzen Welt einen magischen Klang. Rothschild war die Verkörperung der viel beschworenen jüdischen Macht. Lord Rothschild zum Adressaten zu machen, bediente das Bild vom britisch-jüdischen Establishment und demonstrierte zugleich die engen Beziehungen zwischen britischer Regierung und zionistischer Bewegung.“
Lionel Walter Rothschild war das Aushängeschild des Zionismus in Großbritannien und der Welt. Die wahren Unterhändler auf dem Weg zur Balfour-Erklärung waren aber der Generalsekretär des Zionistischen Welt-Kongresses, Nachum Sokolov, und der in Weißrussland geborene, in Darmstadt und Berlin ausgebildete Chemiker Chaim Weizmann. Weizmann lehrte seit 1904 an der Universität Manchester.
1906 kreuzten Weizmanns Wege in Manchester erstmals die von Lord Arthur Balfour. In einer persönlichen Unterredung konnte er Balfour von seinen zionistischen Vorstellungen erzählen und begründen, warum es seiner Ansicht nach nicht sinnvoll sei, Juden etwa in Uganda oder an irgendeinem anderen Ort als in Palästina anzusiedeln. In seinen Erinnerungen schreibt Weizmann:
„Plötzlich fragte ich ihn: Mr. Balfour, angenommen, man würde Ihnen Paris statt London anbieten, würden Sie es annehmen?“ Er richtete sich auf, sah mich an und antwortete: ‚Aber, Dr. Weizmann, London haben wir.“ „Gewiss“, sagte ich, „aber wir hatten Jerusalem schon, als London noch ein Sumpfgebiet war.“ Er lehnte sich zurück, sah mich groß an und sagte dann zwei Sätze, die mir unvergesslich geblieben sind. Zuerst: „Gibt es viele Juden, die so denken wie Sie?“ Darauf antwortete ich ihm: „Ja, Millionen, von denen Sie nichts wissen und die nicht selbst für sich sprechen können, (...) Sie könnten die Straßen des Landes, aus dem ich komme, damit pflastern.“ Da erwiderte er: „Wenn das so ist, dann werden Sie eines Tages Ihr Ziel erreichen.“
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