Gedanken über gestern und heute
Von ehemaliges Mitglied Samstag 17.01.2026, 07:52
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Vor einigen Tagen habe ich eine Erinnerungsreise durch meine gespeicherte Schlagermusik gemacht. Dabei ist mir wieder einmal schmerzlich zum Bewusstsein gekommen, in welcher Weise sich unsere Gesellschaft verändert hat
Zwei Beispiele suchte ich heraus die, meiner Meinung nach, verdeutlichen, worauf es mir ankommt.
Die alte Dame, der Sänger und die Spatzen
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Griechischer Wein
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Mir vorzustellen, die heute lebende junge Generation würde die Geduld aufbringen, solche Texte anzuhören, fällt mir wirklich schwer.
Was aber, im Umkehrschluss leider bedeutet, dass ihnen der Inhalt dieser Lieder auch nicht bewusst werden kann.
Wenn wir bedauern, in einer konsumorientierten Ellenbogengesellschaft leben zu müssen, wäre es doch eigentlich angebracht, sich mal Gedanken darüber zu machen, wie es zu einer solchen Situation kommen konnte?
Sicher wird jetzt die eine/oder der andere daran denken, dass sich die Welt nun mal verändert.
Solche Gedanken bringen aber niemanden weiter. Und wenn es noch so schwer zu ertragen ist: Die Gesellschaft als Ganzes hat es zu verantworten, dass ihr heute die unmöglichsten Dinge zugemutet werden.
Es gibt einen Satz, den man sich wirklich merken sollte.
»Wer andere für sich entscheiden lässt, ist am Wertschöpfungsprozess nicht beteiligt und muss akzeptieren, dass er manipuliert wird.«
Das aber nur zur Einleitung.
Denn eigentlich habe ich vor, über Marlene Dietrich zu schreiben. Ich zweifle nicht daran, dass die Mehrheit von euch noch weiß, wer das war. Aber sicher wissen die wenigsten von euch wesentlich mehr über diese Frau, als dass sie eine Schauspielerin war.
Sie und ich sind in Berlin geboren. Sie 1904 in Schöneberg, das damals noch außerhalb Berlins lag, und ich 1940 im Arbeiterbezirk Wedding. Als sie zehn Jahre vor meiner Geburt den Film „Der blaue Engel“ drehte, mit dem sie letztendlich zu Weltruhm gelangte, sang sie in ihm über ein Problem, das uns beide gemeinsam war.
Wir litten nämlich beide unter dem Phänomen der Promiskuität.
Nun weiß ich natürlich, dass besonders die Frauen den Männern unterstellen, dies aus übertriebenem Geltungsbewusstsein zu tun. Sie würden das nicht behaupten, wenn ihnen der wahre Grund dafür bekannt wäre.
Marlene und mir, und mit uns vielen, vielen anderen Menschen, ist in unserer Entwicklungsphase niemals wirklich ehrliche Mutterliebe zuteilgeworden. Es ist also keineswegs die Sucht nach ständigem Sex, sondern lediglich die Suche nach jemandem, der wirklich bereit ist uns zu lieben.
Marlene Dietrich zählte zu den bekanntesten Frauen ihres Jahrhunderts. Als sie am 6. Mai 1992 starb, lebte sie die letzten zwölf Jahre ihres Lebens in ihrer Wohnung in Paris, ohne einmal den Fuß vor die Tür gesetzt zu haben. Die wenigsten Menschen aber haben nach ihren Motiven gefragt. Sie kannten sie als Sexsymbol, als Schauspielerin und Sängerin, und das war ihnen genug, um sie als extrovertiert einzuordnen. Sie wissen bis heute nicht, dass sie damals schwer alkoholkrank und drogenabhängig war. Sie war tatsächlich ein zutiefst unglücklicher Mensch. Selbst langjährige Freundinnen und Freunde empfing sie nicht mehr und wedelte ihnen lediglich hinter der geschlossenen Gardine stehend zu, wenn sie vor ihrem Haus standen. Wie ihre langjährige Freundin Hildegard Knef einmal berichtete.
Man muss es sich nur einmal vorstellen. Eine Frau, die die höchsten Stufen des Olymp der Schauspielerei erreicht hatte, war eine völlig zerrissene Persönlichkeit.
Übrigens kann ich von mir behaupten, ihren damaligen Rekord überboten zu haben. Ich lebe heute schon mehr als 13 Jahre allein und verließ meine Wohnung in dieser Zeit nur einmal im Monat, um mir Lebensmittel zu besorgen.
Im Gegensatz zu Marlene Dietrich gelingt mir das aber ohne Alkohol und Drogen. Ich hatte in diesen vergangenen 13 Jahren nicht ein einziges Mal das Gefühl, einsam oder unglücklich zu sein.
Ich habe viele virtuelle und telefonische Kontakte. Weil mich das Leben lehrte die Menschen mit Vorsicht zu genießen, ziehe ich es aber vor Abstand zu ihnen zu halten.
Bei meinen Einkäufen habe ich immer wieder erlebt, dass meine Einstellungen zu ihnen nicht wirklich in jedem Einzelfall der Realität entsprechen. Aber inzwischen wurde das Alleinsein für mich eine lieb gewordene Verhaltensweise, die ich nicht mehr ändern möchte ...
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