Hamas-Geiseln
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Freitag 02.01.2026, 10:55 – geändert Freitag 02.01.2026, 10:56
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Titelbild: Die freigelassene Geisel Alon Ohel kommt am 24. Oktober 2025 in seinem Haus in Moshav Lavon im Norden Israels an.
Foto: David Cohen/Flash90
Alon Ohel hat mehr als zwei Jahre die Hölle in Gaza erlebt. In einem erschütternden Interview berichtet der junge Mann offen und unzensiert, wie er tagtäglich um seine geistige Gesundheit kämpfte und sich immer wieder für das Leben entschied – trotz Schmerzen, Folter und sexueller Misshandlung. Von dem Moment an, als er in die Gewalt der Terrororganisation geriet, beschloss der sensible Pianist zu überleben und nach Hause zurückzukehren.
Es gibt keine unbeteiligten Zivilisten in Gaza
Alon Ohel wurde am 7. Oktober 2023 schwer verletzt aus einem der sogenannten Todesbunker in der Nähe von Re’im nach Gaza entführt. Der junge Mann feierte auf dem Nova-Festival und hatte sich in dem Bunker vor den Raketen versteckt. Doch auf den Raketenbeschuss folgten Kalaschnikows. Alon erzählt, dass sie vergeblich auf die Rettung durch das israelische Militär warteten: „Wo ist die Armee? Du wartest nur auf deinen Tod.“ Verletzt wurde er wie „ein Sack Kartoffeln” in einen weißen Hamas-Van geworfen und nach Gaza verschleppt. „Meine Haare waren mit Betonstücken des Schutzraums verschmutzt und ich tropfte unaufhörlich Blut. Ich hatte unglaubliche Schmerzen im Kopf, in der Schulter und im Auge. Ich konnte nichts sehen.“ Binnen weniger Minuten befanden sich die Geiseln in einem Krankenhaus in Gaza, umgeben von einem tobenden, hasserfüllten Mob. „Du nennst sie ‚unbeteiligt‘?“, fragt Alon seinen Interviewpartner, der die palästinensische Zivilbevölkerung als „unbeteiligt“ definiert hat. „Dort sind alle beteiligt!“ Im Krankenhaus wurde der Musiker am linken Auge, am Kopf und an der Schulter „auf erniedrigende Weise” ohne Betäubung genäht. Den verletzten Israelis war es verboten, während dieser Tortur zu weinen oder zu schreien.
„Du bist kein Mensch, sondern ein Tier“
„Sie (die Hamas) reißen dich in einem einzigen Augenblick aus deinem Leben. Ich bin ein 22-jähriger Junge. Was weiß ich schon über das Leben? Sie rissen mich aus der Realität und steckten mich in die Hölle.“ Nach einigen Wochen in verschiedenen Verstecken wurde Alon in die berüchtigten Terrortunnel gebracht. Die Zeit dort sei für Außenstehende nicht zu erfassen: „Du hast nie Hunger erlebt, du warst nicht anderthalb Jahre angekettet. Du hast Hand- und Fußschellen wie ein Affe und wirst wie ein Hund ernährt. Dort bist du kein Mensch, du bist ein Tier“, berichtet der inzwischen 24-Jährige und bricht mehrfach in Tränen aus. Alon hatte die Hoffnung, sich „am Ende an den Hunger zu gewöhnen”, aber „das tut man nicht”. Zur schlimmsten Zeit habe es nur trockene Datteln gegeben. „Es sind Schmerzen im ganzen Körper – die ganze Zeit. Du siehst aus wie ein Skelett. Du liegst Tage lang kraftlos am Boden. Du kannst dich nicht bewegen.“
Nach verschiedenen Freilassungen anderer Geiseln blieb Alon allein bei seinen Peinigern zurück. Die sexuellen Belästigungen begannen. „Ich durfte duschen und dann kam er (der Terrorist), um mich unter der Dusche einzuseifen. Er berührte mich überall. Aber zum Glück ging der sexuelle Missbrauch nicht weiter.“
Das Rote Kreuz und die UN – ein beschämender Verein
Am 13. Oktober 2025 wurde Alon Ohel im Rahmen des dritten Waffenstillstands- und Geiselabkommens freigelassen. „Die Frau vom Roten Kreuz holte mich ab und bat mich um Entschuldigung“, berichtet Alon. „Sie war sehr verlegen, weil die Organisation überhaupt nichts unternommen hatte. Ein beschämender Verein. Auch nicht anders als die Vereinten Nationen, oder?“
Mit Tränen in den Augen und einem Lächeln auf den Lippen erklärt Alon: „In Gaza wurde mir mein Recht auf Bewegung, Freiheit und Unabhängigkeit genommen, aber nicht das Recht, den Sieger zu wählen. Du brichst ständig zusammen. Und das ist okay. Aber du darfst niemals die Hoffnung verlieren.“
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