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Darf's ein wenig Zombie sein? 1. von 4 Folgen

Von comanchemoon Dienstag 15.10.2024, 14:15

Darf's ein wenig Zombie sein? 1. Folge

Trommeln dröhnten eine harte Melodie und greller, orangeroter Feuerschein zauberte eine höllische Beleuchtung auf den Platz zwischen zwei Zuckerrohrfeldern. Ein weiß gekleideter Houngan durchschritt die Reihen von stampfenden Tänzern, die sich in wilden Verrenkungen bewegten. Dann ergriff er einen kleinen Leinenbeutel und schüttete den Inhalt, ein feines, blaues Pulver, am Rand des Feuers aus. Es zischte, und gelbe und rote Feuerschlangen wanden ihre Leiber bis hoch in den Himmel aus dunkelblauem Tuch. Hier verharrten sie und beobachteten die Zeremonie aus Dämonenaugen.

Außerhalb des Kreises der schwitzenden und zuckenden Körper standen zwei junge Männer. Sie waren wie Seeleute gekleidet und betrachteten das Geschehen mit kritischen Gefühlen.

„Ich frage mich gerade“, sagte der kleinere von beiden, „ob es unserer Gesundheit zuträglicher wäre, schnellstens eine größere Distanz zwischen uns und diese Voodoo-Leute zu bringen!“

„Verdammt!“, grollte der andere. „Wie konnte es nur so weit kommen? Es sollte doch nur ein Scherz sein!“

In diesem Augenblick kam der alte Zauberer grinsend auf sie zu. Dabei bleckte er Zähne, die bedrohlicher als die eines Jaguars wirkten. Befriedigt nickend wies er auf das unheimliche Spektakel.

„Die Bestellung ist bereit zur Auslieferung!“ Eine der Feuerschlangen zischte laut und spie gelbe Funken in ihre Richtung.

„Aber seid auch ihr bereit?“

Der Gesang der Trommeln wurde lauter, durchbrochen von schrillen Flötentönen. Die Tänzer schrien und stöhnten, einige wälzten sich auf dem Boden. Und dann brachten zwei Männer das, was die Matrosen in Auftrag gegeben hatten.

Der Houngan verzog das runzelige Gesicht: „Ein guter Rat! Behandelt das Produkt immer mit der nötigen Vorsicht, und es wird euch stets zu Diensten sein.“

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Als Matze Stockmann die Leiche am Ufer des Kanals fand, schwor er sich, nie wieder hier schwimmen zu gehen.

An diesem kühlen Oktobermorgen war es noch nicht richtig hell, und vom Wasser her zogen Nebelschwaden in Schlieren über das Land. Matze drehte gerade seine Runde mit Hotdog, seinem Jack Russel. Dieser pflegte sich mit Begeisterung auf alles zu stürzen, was schlecht roch. Das konnte mitunter unangenehme Auswirkungen auf seine Umgebung haben. Deshalb wurde sein Herr stutzig, als der kleine Hund plötzlich fröhlich kläffend die Uferböschung herunterkegelte und vor etwas anhielt, was sein Interesse erregt hatte. Matze stieg ebenfalls zum Wasser hinunter und wünschte sich später, er hätte es nicht getan.

Ein Toter lag dort, mit dem Oberkörper an Land und den Beinen im Wasser. Matze kannte ihn. Es war eindeutig Dieter Rosenbusch, ein ortsbekannter Säufer, der zudem auch noch gern randalierte, wenn der Alkohol im Blut einen bestimmten Pegel erreicht hatte.

Matze sah sofort, dass der Mann tot sein musste. Hemd und Hose waren vorne zerfetzt und aus dem Leib quollen Innereien und Gedärm hervor. Auf dem Gekröse hockte eine Krähe und zerrte mit ihrem kräftigen Schnabel an einem blutigen Stück Fleisch, das ihrer Meinung nach besonders lecker war. Sie flog laut schimpfend davon, als Hotdog sie anbellte. Wahrscheinlich nahm sie die kleine Wurst auf Beinen nicht sonderlich ernst, aber kurz darauf stampfte Matze mit seinen beeindruckenden zwei Meter und fünf ebenfalls auf sie zu.

Er kratzte sich zunächst am kahlgeschorenen Schädel, um dann urplötzlich den sich windenden Hotdog zu schnappen und die Uferböschung wieder hinaufzuhechten. Nicht, dass ihm der Anblick des aufgerissenen Körpers wirklich Übelkeit verursacht hätte – schließlich war er Fleischermeister – aber er war sicher, dass der Tote die zuvor geschlossenen Augen geöffnet hatte, und das machte einen eher befremdlichen Eindruck auf ihn! Er nahm sein Handy und wählte die Notrufnummer, während er mit weit ausholenden Schritten in Richtung Ort zurückging. Hotdog unter den Arm geklemmt, blickte er sich einige Male um. Niemand war zu sehen, nur ein einsames Kanalschiff war in der Nähe des Fundortes vertäut. An der nächsten Brücke wartete er nervös auf die Polizei, die zwanzig Minuten später eintraf.

Kommissar Leonhard Kunze stand kurz vor seiner Pensionierung. Eigentlich hatte er nicht die geringste Lust, an einem kalten und feuchten Oktobermorgen nach einer Leiche zu sehen. Er sehnte sich nach einem Becher voll dampfenden Kaffees. Mit entsprechend finsterem Gesicht stapfte er neben Matze her bis an die Fundstelle. Aber da war kein Dieter Rosenbusch mehr zu sehen, weder tot noch lebendig.

Matze fürchtete um seinen Verstand, und seine Gedanken bewegten sich wie in einem großen Beutel Watte. Irgendwie registrierte er, dass Kommissar Kunzes Gesicht die Farbe reifer Himbeeren angenommen hatte und sein weit aufgerissener Mund etwas von Irreführung der Polizei brüllte.

„Aber genau hier hat die Leiche gelegen!“, stammelte Matze. „Vielleicht ist sie ins Wasser gerutscht und abgetrieben. Da“, er wies auf ein schleimiges, grauweißes Gebilde, „das scheint ein Stückchen von dem Gekröse zu sein, an dem die Krähe herumgehackt hat.“

Die Polizisten entwickelten daraufhin eine hektische Betriebsamkeit und suchten die nähere Umgebung ab. Dann zeigte Kommissar Kunze auf das Schiff. „Wir werden mal auf dem Kahn nachfragen, ob jemand etwas gehört oder gesehen hat.“

„Ich kenne den Kapitän.“, sagte Matze. „Er wird Karibik-Paule genannt! In seiner Jugend ist er zur See gefahren. Er erzählt jedem, der es hören will oder auch nicht, von seiner Zeit in der Karibik. Deshalb der Spitzname. Ich glaube, sein richtiger Name ist Paul Gregor.“

Mittlerweile waren sie bei dem Schiff angekommen. ‚Queen of Haiti’ stand in überdimensionalen Lettern am Bug.

„Seltsamer Name für einen Kanalkahn.“, nuschelte der Kommissar und zog die grüne Goretex Jacke fröstelnd fester um sich. „Na ja, wahrscheinlich zur Erinnerung an seine Zeit bei der christlichen Seefahrt!“

Sie versuchten, sich durch Rufen bemerkbar zu machen. Als niemand reagierte, betraten sie kurz entschlossen das Schiff und öffneten die Tür zum Wohntrakt. Hier fanden sie Karibik Paule. Er lag stöhnend auf dem Boden neben einer geöffneten Truhe aus dunklem Holz, und sein Kopf wies eine große Platzwunde auf. Sein Gesicht sah aus als hätte man einen Güterzug darauf rangiert, und er versuchte vergeblich, sich aufzurichten.

Da der Verletzte nicht fähig war, in zusammenhängenden Sätzen zu antworten, wurde zunächst nach einem Krankentransport gerufen. Als Paule dann auf die Trage gehoben wurde, fiel sein Blick auf die geöffnete Truhe. „Allmächtiger!“, stöhnte er offensichtlich entsetzt und verlor das Bewusstsein.
Kommissar Kunze blickte neugierig in die Truhe. Sie war leer, aber ihm war, als würden Laute wie Meeresrauschen und dumpfer Trommelschlag aus ihr ertönen. Er runzelte nachdenklich die Stirn und beschloss, sofort ins Präsidium zu fahren, um erst einmal einen Becher Kaffee zu trinken.

Den ganzen Tag über suchte die Polizei vergeblich nach Dieter Rosenbusch und Matze war das Ortsgespräch des Tages. Die Leute standen Schlange in der Fleischerei, um die Geschichte aus erster Hand zu hören. Er zog es dann am Abend vor zum Kendo zu gehen, anstatt mit der Familie vor dem Fernseher zu hocken. Hoffentlich würde das anstrengende Trainingsprogramm ihm helfen, die Blamage zu überwinden.

Während Matze zunächst meditierte und dann konzentriert auf einen unschuldigen Gegner eindrosch, traf sich ein junges Paar in einer ruhigen Ecke des Hafens. Genauer gesagt, hinter einer Ladung Koks, die auf ihre Verschiffung wartete. Das war zwar nicht der romantischste Ort, schon gar nicht Ende Oktober, aber immerhin waren sie hier ungestört. Jedenfalls dachten das Stefan Schmidt und Cindy Leupelt.

Es war schon ziemlich dunkel, man konnte die nähere Umgebung nur noch verschwommen wahrnehmen. Kalt war es auch, und die Feuchtigkeit vom Kanal her kroch durch die Kleidung bis auf die Haut.

Fortsetzung folgt

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