Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

7 4

Darf's ein wenig Zombie sein? 2. von 4 Folgen

Von comanchemoon Mittwoch 16.10.2024, 13:21

Darf's ein wenig Zombie sein? 2. Folge


Cindy raffte fröstelnd ihre Jacke enger um den schlanken Körper. „Vielleicht sollten wir heute lieber einen anderen Treffpunkt wählen!“ sagte sie zähneklappernd.

„Ach, hab dich nicht so!“ Stefan war testosterongeladen und somit unempfindlicher gegen die Kälte.

„Dir wird gleich wärmer werden, ich verspreche es dir!“

Cindy wehrte ihn ab: „Hörst du das? Ich habe Blätter rascheln hören!“

Stefan wurde langsam ärgerlich. Cindy konnte manchmal so zickig sein!

„Das ist der Wind!“

„Und Schritte, ich höre Schritte!“

Tatsächlich hörte nun auch Stefan schlurfende Schritte näher kommen.

„Ein Spanner!“, raunte Cindy. „Komm, lass uns endlich verschwinden!“

In diesem Augenblick wurde in den Stahlwerken, die nur den sprichwörtlichen Katzensprung entfernt lagen, ein Hochofen aufgerissen, und der Himmel war augenblicklich in hellrotes Licht getaucht.
Da sah Cindy ihn. Er war groß und hatte einen kräftigen Körper. Trotz des kühlen Wetters war er nur mit einem hellen Hemd und einer wahrscheinlich ehemals weißen, kurzen Hose bekleidet, die über den Knien ausgefranst war. Noch seltsamer schien, dass der Mann keine Schuhe anhatte. Er war tatsächlich barfuß, bekam seine Füße kaum hoch und stapfte schwerfällig durch den Hafendreck auf sie zu. Dabei hielt er seine Arme ausgestreckt und stieß grunzende Laute aus. Die Augen schienen nur aus dem Weißen zu bestehen und leuchteten in der Dunkelheit.

Cindy schrie wie am Spieß, und dann erblickte ihn Stefan auch.

„Was zum …!“, konnte er gerade noch ausstoßen, dann hatte die Gestalt ihn erreicht.

Das war das Letzte, was Cindy von Stefan sah. Sie sprintete immer noch laut kreischend los und lief in den Ort. Hier wurde sie von einigen Mitgliedern des örtlichen Schützenvereins aufgegriffen, die gerade im gemeinschaftlichen Zickzackgang nach Hause wollten. Kurz zuvor hatten sie drei Kisten Bier sowie zwei Flaschen Canadian Club ernsthaften Schaden zugefügt und es dauerte eine Weile, bis Cindys Gestammel in ihren alkoholseligen Hirnen einen Sinn bekam.

Als die Polizei endlich eintraf, hatte sie es mit einer Gruppe gestandener Männer zu tun, die wild gestikulierte. Jeder einzelne sprach gleichzeitig auf die Beamten ein. Unterbrochen wurde der Redefluss von mehreren Rülpsern, denen ein Schluckauf folgte und am Straßenrand übergab sich der Tischlermeister Adolf Lampe. Zwischendurch schrie Cindy immer wieder mit überschnappender Stimme nach Stefan und riss an ihren Haaren. Einer der Polizisten nahm zunächst an, dass sie eine Alkoholvergiftung von den Ausdünstungen der Anwesenden bekommen hatte. Als sie endlich in der Lage war eine notdürftige Erklärung abzugeben, wollte man ihr hysterisches Verhalten nicht ernst nehmen, suchte dann aber doch das Hafengelände ab. Von Stefan und dem Barfüßigen fanden sie jedoch nicht die geringste Spur. Dafür pflückte die herbeigerufene Feuerwehr einen Hafenarbeiter von der äußersten Spitze eines Kranes.

Der Ärmste hockte dort dem Wahnsinn nahe und umklammerte das Stahlgerüst mit eisernen Armen. Die Helfer hatten ihre liebe Mühe, ihn auf den Boden herunterzuholen. Dort sah er sich zunächst vorsichtig um, dann kicherte er irre und faselte etwas von einem Rothaarigen, der laut schmatzend, mit ausgebreiteten Armen auf ihn zugekommen sei. Zudem hätte sich dieser Mann sehr unbeholfen bewegt, da er immer wieder über seine lang aus dem Bauch heraushängenden Eingeweide gestolpert sei. Allein diese Tatsache hatte dem Arbeiter genügend Zeit gegeben, sich auf dem Kran in Sicherheit zu bringen.

Kommissar Kunze, den man mittlerweile aus seinem verdienten Feierabend gerissen hatte, war nunmehr völlig überzeugt, dass die Bevölkerung des gesamten Hafengebietes total übergeschnappt sei. Er wies seine Leute an, nicht mehr auf derartige Geschichten zu reagieren. In drei Tagen war Halloween und wer wusste schon, welche Spaßvögel derlei Unsinn als humorigen Zeitvertreib ansahen und sich in einer dunklen Ecke schlapp lachten. Nach diesen Anweisungen genehmigte er sich erst einmal einen wohlverdienten Becher Kaffee.

Matze hörte am nächsten Tag von den Vorkommnissen, während er gerade frisch hergestelltes Mettgut würzte. Er wusste genau, der Rothaarige mit dem offenen Bauch musste Dieter Rosenbusch gewesen sein. Kurzerhand befahl er seinem Auszubildenden für ihn weiterzumachen, warf sich seine Lederjacke über das blauweiß gestreifte Fleischerhemd und die mit Blut besprenkelte Gummischürze, stieg in seinen BMW und fuhr zum Städtischen Krankenhaus. Dort musterte man ihn kritisch, als er nach Karibik-Paule fragte, gab ihm dann aber doch die Zimmernummer.

Paul Gregor lag matt, mit einem Verband um die Stirn, in seinem Krankenbett. Sein Gesicht war immer noch geschwollen, und das Kinn zierte ein riesiges, blauschwarzes Hämatom.

„Hallo Paule, wie geht’s?“, fragte Matze und griff sich einen Stuhl, auf dem er unaufgefordert Platz nahm.

„Humme Fage!“ Paule quälte sich die Worte heraus, weil er die Lippen nicht richtig bewegen konnte.
„Na schön!“, brummte Matze und berichtete über die Vorkommnisse im Ort. Und dann wurde Karibik Paule auf einmal sehr gesprächig und erzählte eine haarsträubende Geschichte.

Den Rest des Tages verbrachte Matze unruhig zwischen Bratwurst, Leberkäse und Kasselernacken. Hartnäckig versuchte er, Paules unheimliche Erzählung zu verarbeiten. Einerseits weigerte er sich, das Gehörte zu glauben, andererseits war da das Erlebnis mit dem noch immer verschwundenen Dieter Rosenbusch. Sollte das Ganze wirklich nur ein Halloweenscherz sein, wie der Kommissar glaubte? Matze tastete nach dem Beutel mit dem Medaillon und dem hellblauen Pulver, den Paule ihm gegeben hatte. Es gab nur eine Möglichkeit der Sache auf den Grund zu gehen. Er musste auf die ‚Queen of Haiti’ und die Truhe in Augenschein nehmen.
Und so schlenderte er mit – zugegeben – gemäßigter Euphorie am späten Nachmittag den Kanalweg entlang, bis er endlich das Schiff erreichte. Es lag dort friedlich vertäut an der Anlegestelle. Vom Hafen her trug der Wind typische Verladegeräusche herüber, und eine blassgoldene Spätoktobersonne zog sich gerade hinter Wolkenfetzen zurück.

Vielleicht hätte er ja doch jemanden bitten sollen, mitzukommen. Zum Beispiel seinen Freund Adrian, der in seiner Freizeit an mittelalterlichen Kampfspielen teilnahm und zudem außer den dafür üblichen Schaukampfwaffen ein scharf geschliffenes Schwert besaß. Und wer weiß, wozu es noch benötigt wurde!

Schließlich überwand er sich und betrat über den Steg das Schiff. Kein Laut war hier zu hören. Ein Totenschiff, fuhr es ihm durch den Kopf. Dann öffnete er die Tür zur Kajüte und erstarrte! Ihm war klar, dass er nun ganz schnell handeln musste!


Adrian Wetterkamp hörte eine CD von ACDC und versuchte zu den Klängen von ‚Highway to Hell’ sein Kettenhemd zu entrosten. Er legte es gerade in eine Schüssel mit Dieselöl, als es drei Mal heftig läutete. Seine Frau war nicht da, und so reinigte er sich notdürftig die Hände von der Schmiere und öffnete die Tür. Vor ihm stand sein völlig aufgelöster Freund Matze mit irre funkenden Augen und ließ jegliche Höflichkeit beiseite. Er grüßte gar nicht erst, stürmte ins Wohnzimmer, ließ sich in einen Sessel plumpsen und keuchte aufgeregt: „Du musst sofort dein Schwert holen! Das scharfe!“

„Ich wünsche dir auch einen recht schönen guten Abend!“, erwiderte Adrian.

Nun erzählte Matze Paules Geschichte. Das war gar nicht so einfach, denn er wurde immer wieder von Zwischenfragen unterbrochen.

„Moment mal“, sagte Adrian, „du behauptest also, Karibik Paule hat in seinen jungen Seefahrerjahren mit einem Freund zusammen eines Tages nur so zum Spaß, weil ihnen langweilig war, bei einem Voodoo Priester einen Zombie bestellt? Und dann ist dieser Scherz unerwartet Wirklichkeit geworden?“

„Paule erzählte das! Es fand eine Zeremonie statt und der Untote wurde tatsächlich von einem Houngan in einer Truhe geliefert.

Fortsetzung folgt

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Geschichten schreiben > Forum > Darf's ein wenig Zombie sein? 2. von 4 Folgen