Darf's ein wenig Zombie sein? letzte von 4 Folgen
Von
comanchemoon
Donnerstag 17.10.2024, 11:40
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comanchemoon
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Adrian fragte sich zunächst, ob er sich erbrechen sollte. Dann aber startete er los, wie er es seit Jahren bei den Ritterturnieren geübt hatte. Er schaltete dabei jeden Gedanken, dass der Untote mal ein Mensch gewesen war, aus. Sein Gegner war einfach nur eine Übungspuppe. Mit einem gewaltigen Streich zischte das Schwert durch die Luft, und der Kopf des Zombies polterte auf die Planken des Schiffes. Der Körper erzitterte und fiel dann ebenfalls mit einem dumpfen Geräusch zu Boden.
Gleichzeitig wurde die Kajütentür so gewaltsam aufgestoßen, dass sie fast aus den Angeln gehoben wurde. Mit einem Sprung waren beide Freunde dort und versuchten, sie wieder zuzudrücken. Das gelang jedoch nur unbefriedigend, weil der Arm eines Zombies dazwischen geklemmt war. Die Hand packte Adrian am Jackenärmel, und Matze reagierte sofort. Er hob sein Beil und trennte den Arm des Monsters sauber ab. Eine graugrüne Flüssigkeit ergoss sich aus dem Stumpf.
Wieder drückten beide mit aller Kraft gegen die Tür. Aber sie konnten ihre Position nicht länger halten, die Zombies waren einfach zu stark. Die Freunde wichen zurück, während einer der Gegner aus der Kajüte wankte. Er versuchte Matze zu packen, aber dieser hob das Bolzenschussgerät, hielt er es dem Untoten an den Kopf und drückte ab. Der Zombie fiel ohne einen Laut um.
Die anderen versuchten nun auch, durch die Türöffnung zu drängen, immerhin trieb sich da draußen leckeres Frischfleisch herum. Der Erste stolperte allerdings über seinen endgültig vernichteten Kameraden, und Adrian konnte ihm ohne große Mühe den Kopf abschlagen. Da die anderen nicht besonders lernfähig waren, zelebrierten die Freunde ohne großartige Gegenwehr der Feinde ein makabres Schlachtfest. Abwechselnd sausten Schwert und Rinderspalter durch die Luft und trafen ihr Ziel.
Als kein Zombie mehr darauf bestand, sein untotes Leben weiterzuführen, stützte sich Adrian auf sein Schwert und sah sich um. Die beiden Lebenden standen zwischen herumliegenden Körpern, abgeschlagenen Köpfen und Gliedmaßen. Das faulige Fleisch verströmte einen Geruch, der einem Ledernacken das Fürchten beigebracht hätte. Außerdem waren die Planken des Schiffes glitschig von dem Blut der Zombies und sie mussten darauf achten, nicht auszugleiten.
„Ich kündige jetzt!“ Adrians Atem ging schwer und stoßweise. „Das wird mir zu anstrengend. Aber vorher sollten wir mal nach der Truhe sehen!“
Matze nickte, stieg vorsichtig über einige der Körper hinweg und betrat die Kajüte. Da sah er, dass Adrians Eingebung richtig gewesen war. Gerade wollte wieder ein Zombie aus der Truhe heraus. Der Fleischermeister hob sein Beil, und Sekunden später prallte der Kopf des Monsters auf den Boden und rollte ein Stück weiter.
„Hasta la vista, Baby!“, grummelte Matze und schlug den Truhendeckel mit einem Knall zu. „Das wollte ich doch schon immer mal sagen!“
Im Untergeschoss eines Gebäudes, das hauptsächlich aus Glas und Stahl zu bestehen schien, befand sich die Autopsie, in die der Tote, den man als Stefan Schmidt identifiziert hatte, eingeliefert worden war. Er sah schrecklich aus. Der linke Arm bestand nur noch aus den Knochen, an denen lose Muskelstränge und Sehnen hingen. Kopf und Hals neigten sich eigentümlich abgewinkelt zur rechten Seite. Kein Zweifel, das Genick war gebrochen. Außerdem war der Brustkorb geöffnet und das Herz fehlte.
Der mit einem grünen Kittel bekleidete Pathologe Dr. Mertens beugte sich über die Leiche. „Der Körper weist extrem viele Verletzungen auf, ein äußerst interessanter Fall!“, sagte er laut und wollte sich ans Werk machen. Da schoss plötzlich die Hand des Toten nach oben und umklammerte die Faust des Pathologen, die das Skalpell hielt. Man hörte nur noch einen Schrei und dann schmatzende Geräusche.
Eine Stunde später schlurfte Dr. Mertens mit stockenden Schritten über den Flur des Polizeipräsidiums. Das Fleisch an der linken Gesichtshälfte fehlte vollkommen, und sein rechtes Auge hing aus der Höhle. Er stieß grunzende Laute aus, als Kommissar Kunze ihm entgegenkam, der sich gerade einen dampfenden Kaffee vom Automaten geholt hatte.
Und dann hatte der Kommissar plötzlich keinen Appetit mehr auf Kaffee. Niemals wieder!