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Ein ganz normaler Ehemann ..11. Teil 2 von 2

Von comanchemoon Samstag 02.11.2024, 14:38

Heinrich Wetter erzählt aus seinem Leben
2. Teil der Butterfahrt:



Im Hafen angekommen, beeilten sich Myriaden von Menschen das Schiff zu entern. Es gab kein Halten mehr, die Leute gerieten außer Rand und Band. Es war ein Hasten und Hetzen, ein Stoßen und Schlimmeres. Wohl dem, der spitze Ellbogen hatte. Sämtliche Öffnungen des Kahns wurden erstürmt und jeder Quadratzentimeter besetzt.

Zum Essen saß man dicht gedrängt zusammen mit fremden Leuten und deren gefüllten Taschen und Tüten auf dem Schoß. Selten traf die Gabel den eigenen Mund, und ein anderer verschlang den Bissen. Schaudernd erinnere ich mich daran, dass ich in eine Bockwurst beißen wollte und hatte plötzlich eine Krabbe und dann ein Stück Ananas zwischen den Zähnen.

Dann kam etwas Seegang auf. Die Maschinen stampften, der Kahn schlingerte und taumelte, die Passagiere auch. Tim quengelte, Mona Marie meckerte, und mir wurde schlecht. Die Mannschaft hatte in langen Jahren gewissen Erfahrungen gesammelt und verteilte in lobenswerter Hilfsbereitschaft Spucktüten.

Plötzlich schien Carla eine Idee zu haben. Ein rätselhaftes Lächeln huschte über ihr verhärmtes Antlitz und sie raunte mir zu: „Gleich haben wir Platz!“

„Wie denn?“, brachte ich mühsam hervor. Ich war verzweifelt, es gab keine Fluchtmöglichkeit auf dem verflixten Schiff.

„Abwarten. Schieb’ mir mal deine Erbsensuppe rüber!“

Als Antwort neigte sich der Kahn gerade nach rechts, und die Terrine rutschte von allein zu Carla hinüber.

„Danke!“, sagte sie höflich, wartete auf das nächste Schlingern und schüttete, als alle abgelenkt waren, die Suppe in ihre Spucktüte. Dann räusperte sie sich laut … und das hatte sie drauf. Verschiedene Passagiere sahen sie an und sie wurde noch lauter. .Als sich die Erwartungen bis ins Maßlose gesteigert hatten, fing sie an zu würgen und hielt sich die Tüte dabei vor das Gesicht. „Tschuldigung! Würg…kann nichts dafür….boah….es kommt einfach….blubb….bin gleich fertig!“

Die Menschen ringsherum sahen sie an. Still, sprachlos, angeekelt. Sie konnten nicht anders, denn wollte sich einer abwenden, stieß er unweigerlich mit der Nase oder Brille seines Nachbarn zusammen.

„Ah“, keuchte Carla, als sie fertig war „Was herausgekommen ist, muss auch wieder hinein!“ Sie nahm seelenruhig ihren Löffel und verspeiste den deliziösen Inhalt ihrer Tüte mit großem Appetit.

Eine derartige Demonstration der europäischen Esskultur war nun doch zuviel für die Passagiere an unserem Tisch. Was nun folgte, glich einer Posse aus Stummfilmzeiten. Wie auf Kommando erhoben sich die Leute, hielten sich teilweise ihrerseits die Tüten vor den Mund und verließen protestierend und empört unsere Nähe. Da sie sich ein anderes Domizil suchen mussten, wurden überfüllte Ecken noch überfüllter und eine allgemeine Massenpanik brach aus. Nur an unserem Tisch wollte seltsamerweise niemand mehr sitzen und wir hatten Platz.


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