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Ein ganz normaler Ehemann ..12. Teil 4

Von comanchemoon Donnerstag 07.11.2024, 11:54

Heinrich Wetter erzählt aus seinem Leben

Eigentlich wollte ich keinen Hund: 12 - 4

Fortsetzung

„Wer zum Teufel ist Cleo?“, fragte ich und Dr. Buschs Worte dröhnten von der anderen Seite in mein Ohr:

„An der Tischkante gestoßen? So, so! Nun ja, meine Liebe, die Tischkante war auch gerade hier!“

Dann dämmerte es mir und ich wusste wieder, wer Cleo war.


Cleo zieht ein


Ich erinnere mich, dass ich mich immer und vehement gegen Hunde in unserem Haus gewehrt habe. Ich war ein begeisterter Katzenliebhaber. Von Kindheit an hatten sie mich begleitet. Unzählige graue, schwarze, weiße, rote bunte, getigerte Katzen. Diese eleganten, eigenwilligen Geschöpfe auf vier Samtpfoten kannte ich. Hunden gegenüber empfand ich jedoch einen gehörigen Respekt und suchte eine spürbare Distanz zu ihnen.

Dann kam jener verhängnisvolle Tag, an dem Mona Marie Cleo anschaffte. Cleo war eine hübsche Schäferhündin mit großen Ohren, die wie Antennen aufgestellt waren, damit ihnen nur kein Geräusch entging. Und es entging ihnen tatsächlich keines! An unserem Haus konnte sich niemand vorbei schleichen, ohne dass Cleo bellend zur Tür schlitterte. Schlitterte, wegen der glatten Fliesen. Als ich sie vor vielen Jahren legte, rechnete ich nicht damit, dass wir jemals bellende und rennende Hausgenossen haben würden.

Als die Schäferhündin etwa vier Monate alt war, fand man sie in der Stadt. Sie irrte, offensichtlich ausgesetzt, umher. Das Tierheim kümmerte sich kurze Zeit um sie, dann fand sich ein neuer Besitzer. Leider stellte sich heraus, dass dieser sich mehrere Schäferhunde auf einem abgewrackten Bauernhof hielt. Wenn der Schuft betrunken war, und das war sein Dauerlieblingszustand, trieb er seine Hunde mit der Peitsche über den Hof. Irgendwann meldeten Nachbarn dieses abartige Treiben dem Tierschutz. Also landete Cleo wieder im Tierheim und dann bei uns.

An diesem schwülen Spätsommertag war es also so weit. Mona Marie hatte mich auf der Arbeit angerufen und berichtet, dass Tim sich für Cleo entschieden hatte und sie am Mittag den Hund holen würden. Mir war ein wenig bang, als ich am Nachmittag in meinen alten, pinkfarbenen VW Bus stieg. Ich strich über das Lenkrad: „Nun, mein Alter, jetzt bekommen wir Zuwachs. Dann wollen wir mal. Wer weiß, was uns jetzt zu Hause erwartet!“ Ich startete und fuhr los.

Es war nicht weit und nach ein paar Minuten bog ich in unseren kleinen Ort ein. Hier kennt jeder jeden, was manchmal recht anstrengend ist. Das zeigte sich auch heute. Kurz nach der Einfahrt kam mir schon der grüne Mercedes von Arno Schwalm entgegen. Ich hob die Hand zum Gruß und wollte schwungvoll weiterfahren, er aber blieb stehen und kurbelte sein Seitenfenster herunter. Also musste ich auch stehen bleiben. Ich bin ein höflicher Mensch.

„Hallo Heinrich!“, rief er fröhlich. „Netten Hund habt ihr jetzt!“ Er lachte und fuhr weiter. Ha, ha! Na schön, alle wissen Bescheid! Nach ein paar Metern traf ich auf Annegret Schröder. Sie fegte gerade den Bürgersteig vor ihrem Haus und winkte mir heftig mit dem Besen zu, als sie mich sah. Dabei lachte sie meckernd. Mit ihren zerzausten, rotblonden Locken, die wirr vom Kopf abstanden, machte sie dabei den Eindruck, als wolle sie sich jeden Moment auf das Kehrgerät schwingen und ihn als Zweitwagen missbrauchen. Ich hielt an und sie kam um den Bus herum an die Fahrerseite.

„Guten Tag Heinrich!“, grüßte sie. „Hübschen Hund habt ihr jetzt. Wurde aber auch Zeit, jeder hat hier einen. Mach’s gut!“ Sie gab dem Bully einen Klaps, als handelte es sich dabei um eines ihrer Rinder und ich fuhr brav an, kam aber nur ein paar Meter weiter. Alma Schmidtbauer schoss nämlich zufällig gerade aus ihrem Laden und stoppte mich eifrig.

„Hallo Heinrich!“

Ich überlegte mir, ob ich die Seitenscheibe nicht gleich unten lassen sollte. Die Kurbel war nämlich schon ein wenig schwergängig in dem alten Bulli. Und wer weiß, wen ich noch alles auf dem kurzen Nachhauseweg traf. Scheinbar war heute hier so viel los, wie auf einem alten Stück Parmesan, das jemand vergessen hatte, in den Kühlschrank zu legen.

„Hallo Alma!“, sagte ich und versuchte, ein erfreutes Gesicht aufzusetzen.

„Schon Feierabend, mein Lieber?“, entgegnete sie scheinheilig. Sie war schon an die siebzig und trug ihre Haare streng zurückgekämmt und hinten gnadenlos zu einem eisenharten Knoten geschlungen.

„Nun ja, zu Hause erwartet dich ja eine schöne Überraschung. Einen netten Hund habt ihr da! Ich wünsche euch alles Gute damit!“

„Danke Alma! Vielen Dank! Ich weiß deinen guten Wünsche zu schätzen!“ Ich winkte ihr noch zu und fuhr dann kurz darauf auf unseren Hof. Als ich aus dem Auto steigen wollte, begrüßte mich sofort unser neuer Hausgenosse, indem er mir bellend am Hosenbein hing. Nun war das zwar nicht meine letzte Hose, aber ich regte mich trotzdem auf und brüllte und schimpfte. Cleo ignorierte das, und mein ohnehin erhöhter Blutdruck brachte es auf Rekordzahlen. Außerdem versagten mir angesichts der säbelscharfen Zähne in der schwarzen Schnauze ganze Muskelgruppen den Dienst.

Die nächsten Minuten verliefen in dramatischer Spannung. Mona Marie, endlich angelockt vom gebündelten Lärm, kam dazu und schrie hysterisch, was keine Hilfe war. Als sie endlich vom Schreien erschöpft war, versuchte sie die Hündin am Halsband wegzuzerren und sie zu beruhigen. Unser Sohn Tim tauchte auch plötzlich von irgendwoher auf und redete auf unser neuestes Familienmitglied ein, dessen Nackenhaare senkrecht eine Bürste bildeten. Auf dem Hausstein stand unser Kater Osiris mit gesträubtem schwarzem Samtfell, edelsteinfunkelnden, gelbgrünen Augen und fauchte und miaute kreischend.

Ich kam mir vor, wie der Hauptdarsteller in einer Provinzposse und der Lärm verharrte kurz vor der Schmerzgrenze, als plötzlich ein noch lauteres Krachen ertönte. Die Haustür war zugefallen!

Wie auf Kommando waren alle still. Sogar der Hund. Er entließ den Saum meiner blauen Jeans aus den Fangzähnen, leckte sich versonnen die Lefzen und setzte sich erst einmal auf sein Hinterteil.

Mechanisch, einträchtig und ohne jeden weiteren Laut setzten sich dann drei Menschen und zwei Tiere in Bewegung, bis sie vor der verschlossenen Tür ankamen. Chronisch erschöpft stellten wir fest, dass natürlich niemand den passenden Schlüssel dabei hatte. Cleo und Osiris sowieso nicht. Sie waren Tiere und hatten infolgedessen andere Sorgen, als unsereiner.

„Ist die Terrassentür offen?“ Die Frage wurde von mir mit einem zischenden Unterton hervorgebracht.

Zugegeben, ich war missmutig und hätte der vermaledeiten Tür am liebsten einen kräftigen Hieb versetzt.

„Das wäre zu einfach!“, antwortete Mona Marie sarkastisch und fuhr sich mit der linken Hand durch die damals gerade blond gesträhnten Haare. „Natürlich nicht!“

„Also Schlüsseldienst!“ Tims Einwurf kam trocken wie der Sand der Sahara rüber.

„Kommt nicht in Frage, viel zu teuer!“ Mona Marie und ich waren uns ausnahmsweise einig.

Tim hatte noch eine Idee: „Das Schlafzimmerfenster!“

„Wie … Schlafzimmerfenster?“, fragte ich begriffsstutzig.

„Es ist angeklappt!“ Tim gab sich gönnerhaft. „Irgendwie kommen war da rein!“

„Wunderbar!“, strahlte Mona Marie. „Somit wäre das Problem gelöst und wir benötigen keinen Schlüsseldienst!“

„Schlüsseldienst, Fenster!“ Ich stand kurz vor einem Tobsuchtsanfall. „Da kommt man nach einem langen Arbeitstag gestresst nach Hause, um nebenbei zu erfahren, dass Extremklettern angesagt ist!“

Bei diesen Worten warf ich einen kritischen Blick nach oben und was ich sah, hob meine Stimmung nicht gerade. Der Himmel hatte sich verdunkelt und funkelndes
Wetterleuchten kündigte ein nahendes Gewitter an.

Fortsetzung folgt



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