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Ein ganz normaler Ehemann ..12. Teil 5

Von comanchemoon Samstag 09.11.2024, 10:38

Heinrich Wetter erzählt aus seinem Leben:

Eigentlich wollte ich keinen Hund - 5

Fortsetzung


Die Bestie Cleo wedelte mittlerweile friedfertig mit dem Schwanz, was mich aber auch nicht beruhigen konnte. Während wir eine Runde ums Haus bis zum Schlafzimmerfenster drehten, umkreiste sie uns mehrmals, wie, um ihre Herde zusammenzuhalten. Bei diesem Gang registrierte ich, dass der Rasen auch mal wieder gemäht werden müsste. Am liebsten würde ich den Garten betonieren und grün streichen. Aber Mona Marie hatte für derartig militante Äußerungen keinen Sinn und da ich wusste, was sich als braver Ehemann gehört, schob ich weiterhin den Motormäher durch unsere Wildnis. Dem ging übrigens dabei mit konstanter Bosheit das Benzin aus. In Zukunft sollte sich diese Arbeit sogar als noch schwieriger gestalten. Der Rasen wurde nämlich immer häufiger als Hundeklo benutzt und manchmal lagen eindeutig zuzuordnende Haufen herum. Das bedeutete, dass man nach dem Mähen plötzlich mit Sommersprossen gesegnet war.

Kater Osiris, als personifizierte Eleganz und Intelligenz, ignorierte in der Regel den hauseigenen Rasen und sein Katzenklo. Er benutzte gern unsere Toilette, wenn wir Männer mal wieder von unserem angeborenem Recht Gebrauch gemacht hatten und den Deckel aufgeklappt ließen. Öfter ging er auch zum Nachbarn, wühlte in einem Beet und erledigte dort sein Geschäft.

Der Garten forderte aber nicht nur Rasenmähen. Zu meiner unendlichen Begeisterung fiel auch das Beschneiden von Sträuchern an. Vor allen Dingen hatten es mir Mona Maries Bluthaseln angetan. Ihr auch mal, nämlich in einem Gartenkatalog. Dort stand, dass die Haseln nicht höher als zwei Meter werden. Mittlerweile waren es mindestens vier und die Sträucher lachten mich höhnisch aus, hingen weit bis auf die Straße und versprachen, noch mehr zu wachsen. Nach jedem Schnitt reckten sie sich wohlig weiter nach oben und hatten schnellstens ihre Höhe wieder erreicht.

Aber wie immer im Leben gibt es noch eine Steigerung. Und das war der Kampf mit dem Knöterich. Als Sichtschutz hatten wir unsere Terrasse mit einer Pergola umbaut. In der nächstgelegenen Gärtnerei fragten wir nach einer schnell wachsenden Bepflanzung. Der Verkäufer kratzte sich zunächst am Kopf und fragte dann lauernd: „Wie schnell?“

„Sehr schnell!“ Mona Marie und ich waren uns einig.

„Nun“, antwortete der Gärtner gedehnt und polkte etwas Gartenerde unter seinen Fingernägeln hervor. Er formte sie zu Kügelchen und schnippte sie weg. Wir waren fasziniert. Ein Mann, der noch echt im Dreck wühlte, musste ja Ahnung haben.
„Ich habe noch ein paar Pflanzen namens Fallopia!“ Er grinste sardonisch.

„Nehmen wir!“, erklärte Mona Marie kategorisch.

„Wenn ich mir das recht überlege“, er machte jetzt ein bedenkliches Gesicht, „reicht für ihren Bedarf wahrscheinlich eine Pflanze!“ Er rieb sich dabei die Hände, wahrscheinlich ohne Hintergedanken, aber mich machte das misstrauisch. Auf gar keinen Fall ließ ich mich mit einer einzigen Pflanze abspeisen. Das kam gar nicht in Frage.

„Wir nehmen drei!“, erkläre ich entschieden und ohne Widerspruch zu dulden.

Der Fachmann zuckte die Achseln: „Wie Sie wollen! Ich habe Sie gewarnt!“ Dabei kicherte er nervös.

Wir schlugen also seine feige Warnung in alle Winde und pflanzten unsere drei Fallopia. Wie sich herausstellte, entpuppten sich diese Gewächse als ganz gemeiner Knöterich. Der umschlingt jetzt erbarmungslos unsere Terrasse wie eine Boa Constrictor mit zwölf Köpfen und Schwänzen und unzähligen kuriosen Auswüchsen. Wir hätten wohl doch auf den seltsamen Gärtner hören sollen.

Mit diesen Gedanken kamen wir schließlich beim Schlafzimmerfenster an und mit uns das erste entfernte Donnergrollen. Jetzt mussten wir zunächst die Zweige der Birke beiseite schieben, die sich silbrig glänzend und graziös im Steingarten vor eben diesem Fenster angesiedelt hatte. Zuerst war sie winzig gewesen, kaum zu sehen. Sie wuchs aber schnell, weil wir sie in Ruhe ließen. Mona Marie hatte die Idee, sie irgendwann einmal umzupflanzen. Aber bei dem Gedanken blieb es. Der Baum wurde zu groß zum Umpflanzen und lebt jetzt an diesem Ort in Gesellschaft einer Krüppelkiefer. Beide freuen sich im Frühjahr über Schneeglöckchen und Traubenhyazinthen, die dann blühen. In den restlichen Jahreszeiten blüht dort nichts mehr, da alles von Gras überwuchert ist. Wir halten uns da an den französischen Philosophen Rousseau, der alles was natürlich war, als schön bezeichnete. Oder so ähnlich.

In diese Idylle drangen wir nun ein wie die Hunnen in Germanien. Ich als verbissener Attila, immer noch fluchend, vorweg. Das Schlafzimmer lag im Erdgeschoss, also verstand Mona Marie gar nicht, warum ich mich so aufregte.

„Ich wusste, dass du protagonistische Ambitionen hast!“, sagte sie ärgerlich. „Ich bekomme Migräne davon. Nun plustere dich doch nicht so auf. Es ist ganz leicht für einen großen Mann, da hinein zu steigen.“

Ich überlegte mir ein paar Sekunden lang, wie viele Jahre Haft man wohl für Ehegattenmord bekommt und Cleo knurrte mich an.

So einfach, wie Mona Marie sagte, bot sich die Angelegenheit nicht dar. Der Rollladen war nämlich heruntergelassen, damit die Sonne das Zimmer nicht zu sehr aufheizte.

Ich versuchte, ihn vorsichtig nach oben zu schieben. Das war gar nicht so hindernislos, da das Fenster sehr breit war. Der Rollladen war eine derartige Behandlung nicht gewöhnt und sperrte sich. Kam ich zu weit nach links, rutschte er rechts ein wenig ab und sperrte. Kam ich zu weit nach rechts, rutschte er links ein wenig ab und sperrte. Als ich den verflixten Rollladen endlich hoch hatte und Tim durch den Fensterspalt greifen wollte, ratterte er wieder runter.

Ich wünschte mir drei Hände und schimpfte unter Anrufung von Maria, Joseph, Jesus und diversen Heiligen, die mir einfielen auf alle Schäferhunde der Welt. Und auch auf alle Ehefrauen und Söhne, die ohne Schlüssel das Haus verlassen. Und auf alle Menschen, die keine Nachmittagssonne in ihr Schlafzimmer lassen wollen. Und auf alle Birken, deren Zweige einem peitschend ins Gesicht federn Und auf alle Krüppelkiefern, auf die man nicht treten darf. Und überhaupt auf die ganze Welt!
Als Antwort von oben fielen die ersten Regentropfen. Zunächst sacht, kaum merklich, um sich urplötzlich in einen Platzregen zu verwandeln. Mit Wind, Zickzackblitzen und Donnerschlägen gepaart entstand eine Symphonie, deren Melodie uns ganz und gar nicht behagte.

Aber endlich, nach einer halben Stunde, dank meiner Verbissenheit und unter Mona Maries wachsamen Blicken, konnte Tim durch den Spalt des abgekippten Fensters greifen, um an die Verriegelung zu kommen. Er öffnete das Fenster und kletterte ins Haus. Gebete werden also manchmal doch erhört!

Mittlerweile lief uns allen das Regenwasser kaskadenartig aus den Haaren, über den Rücken, bis in die Schuhe. Als ich den ersten Schritt in Richtung Terrasse machen wollte, rutschte ich in dem Matsch, der sich aus Birkenblättern, Gras und Erde gebildet hatte, aus und setzte mich unsanft auf meine Kehrseite. Sofort war Cleo begeistert da, weil ich mich auf ihre Ebene begeben hatte und leckte mir das Gesicht. Vor lauter Schreck legte ich mich lang auf den Rücken. Nun hatte ich den Dreck auch noch in den Haaren und er rutschte mir zum Hemdkragen hinein. Als Mona Marie mich kritisch musterte, murmelte ich etwas vom Ausruhen. Aber sie überhörte die kindische Provokation und half mir auf.

Fortsetzung folgt


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