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Ein ganz normaler Ehemann ..14. Teil 1

Von comanchemoon Montag 11.11.2024, 21:14

Heinrich Wetter erzählt aus seinem Familienleben:
Am Vorabend der Konfirmation

Lange hörten wir nichts mehr von Carla und unser Leben mit Hund und Katze pendelte sich ein. Dann rückte Tims Konfirmation näher und die Vorbereitungen nahmen uns ganz in Anspruch.

Wie erwähnt, Rudolf war Tims Patenonkel. Seine Frau Annetraud, ähnlich energisch wie seine bereits erwähnte Großmutter, half bei den Vorbereitungen zur Konfirmationsfeier. Sie sorgte für Girlanden über der Eingangstür und für die Tischdekoration.

An diesem Vortag war bereits so viel los, dass ich mich ernsthaft fragte, ob noch eine Steigerung möglich sei. Es ging zu wie in einem mittelalterlichen Taubenschlag bei Kriegszeiten. Unentwegt klingelte es an der Haustür und Glückwunschkarten wurden abgegeben. Viel wichtiger als die sicherlich gut gemeinten Glückwünsche war der Inhalt dieser Karten. Sie waren gefüllt mit Geld. Zumeist wurden die Karten von Kindern abgegeben, die dafür einige Süßigkeiten bekamen. Sie konnten sich in der Küche aus einem großen Topf bedienen.

Einige Familien schickten ihre Männer zum Überreichen der Glückwünsche. Nun konnten wir diese aber schlecht in den Topf mit Süßigkeiten greifen lassen, meine Ehefrau meinte, das wäre nicht das Richtige. Also wurden sie in den Partykeller geschickt, wo einige Flaschen mit Korn, Wodka, Whiskey, Obstler und Wetterleuchten warteten. Irgendwie hatte sich das herumgesprochen, denn plötzlich hatten wir den harten Kern der Freiwilligen Feuerwehr und des örtlichen Schützenvereins im Haus. Hinzu kamen nach und nach ein paar Leute vom Radfahrverein, vom Tanzclub und von einer Fußballmannschaft, von der ich nicht einmal wusste, dass sie überhaupt existierte. Außerdem fanden sich einige Schiffsbesatzungen ein, die im nahen Binnenhafen vor Anker gegangen waren. Abenteuerliche Gestalten, die zum Teil aussahen als würden sie ihre eigenen Verwandten verschlingen.

Letztendlich fand in unserer Küche abends um 22 Uhr eine Disco statt und im Keller wurde das Niedersachsenlied gegrölt. Dass ab und zu einer nach dem Genuss von Wetterleuchten vom Stuhl kippte, wurde mit brüllendem Lachen quittiert, wobei man sich wiehernd auf die Schenkel klatschte.

Der Ortskurator machte sich still und heimlich Notizen, was der Schweinezüchter Arthur Schmidtke mit Argwohn bemerkte. Er entwendete sie ihm aufs gröbste und aß sie einfach auf. Als er nach Hause kam rief seine Frau zuerst die Polizei, dann den diensthabenden Arzt im nächsten Ort an, weil ihr Ehemann blaue Lippen und eine blaue Zunge hatte. Trotz seines Protestes wurde er ins Krankenhaus gebracht. Als er dort tobte und schwor, nie wieder Ortsgeschichte zu essen, gab man ihm eine Beruhigungsspritze und sperrte ihn kurzerhand in die Geschlossene. Dort blieb er eine Woche. Als seine Frau ihn abholte und er wieder zu Hause war, bestand er täglich darauf, ein bestimmtes Quantum von kleinen rosa und hellblauen Pillen zu sich zu nehmen.

Um 22:15 tönte aus unserer Küche laute Rock’n Roll Musik. Das konnten die im Keller nicht auf sich sitzen lassen und der Vorsitzende der Fleischerinnung stimmte: „Oh du schöner Westerwald!“ an.

Um 22:30 wechselte man in der Küche zu stampfenden Rhythmen irischer Folklore über.

Um 22:45 hatte der zweite Vorsitzende des Turnvereins genug und wollte nach Hause stolpern. Unterwegs erwischte er irgendwo eine falsche Tür und öffnete den Gänsestall eines Nachbarn.

Um 23 Uhr war aus der Küche immer noch irische Folklore zu hören und der Kapitän eines Binnenschiffes, das im nahen Hafen lag, verabschiedete sich. Auf der Straße wollte er einem dringenden Bedürfnis nachgehen, als plötzlich eine freilaufende Gans sein bestes Stück attackierte. Zwei späte Spaziergänger, alarmiert durch sein Geschrei, riefen die Polizei an, die wiederum die Ambulanz benachrichtigte, und er wurde in die nächste Klinik gebracht. Hier diagnostizierte man eine bedrohlich nahe Alkoholvergiftung. Als er dann anfing von einem großen weißen Vogel zu sprechen, sah man das als Beweis für Delirium Tremens an und er wurde in die Geschlossene verfrachtet, wo er einem Schweinezüchter Gesellschaft leistete.

Um 23:15 verließ Opa Zimmermann drei Straßen weiter sein Haus, um mit seinem Dackel Oskar noch einmal Gassi zu gehen.

Um 23:20 dröhnten aus der Küche ACDC.

Um 23:30 wollte Annetraud, völlig unbeeindruckt von den alkoholisierten Männern, letzte Hand an ihre Dekoration im Nebenraum legen.

Um 23:35 wurde Bauer Wimsdorf aufmerksam auf Annetraud und umarmte sie mit dem sicheren Griff eines Mannes, der gewohnt ist, mit schwerem, landwirtschaftlichem Gerät umzugehen. Dabei klatschte er ihr auf den Hintern wie er es bei seinen Kühen zu tun pflegte und handelte sich prompt eine Ohrfeige ein.

Beleidigt verließ er die Gesellschaft und stieg auf seinen Trecker, den er vor der Tür geparkt hatte. Er startete den Boliden und fuhr los, als er Opa Zimmermann und Oskar bemerkte, die gerade gemütlich die Straße passierten. Da Bauer Wimsdorf noch nicht müde war, wollte er ein Schwätzchen halten. Er streckte seinen Kopf zum Fenster hinaus und vergaß, dass er den Fuß auf dem Gaspedal hatte, folglich rammte er die nächste Laterne. Die knickte um wie ein gefällter Baum und sprühte dabei Funken wie tausend Wunderkerzen. Offenbar wurden dabei irgendwelche anderen elektrischen Leitungen verletzt, um 23:45 war der Ort komplett ohne Strom und um 23:50 hatten die letzten Gäste das Haus verlassen. Die Polizei fand nur noch verdunkeltes Dorf wie zu Kriegszeiten vor.

Fortsetzung mit der Konfirmation folgt

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