Ein ganz normaler Ehemann ..15. Teil 4
Von
comanchemoon
Montag 25.11.2024, 10:53
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comanchemoon
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Heinrich Wetter erzählt aus seinem Familienleben
Fortsetzung Rambo
Rambo wuchs schnell und nach vier Wochen hatten wir ihn sauber. Den blauen Teppich, für den ich viel Geld bezahlt hatte konnten wir wegschmeißen. Den Schrank bekam Rosa nach Anwendung verschiedener Putzmittel endlich mit normalem Essig wieder hin.
Beim Einkauf von Essig erhielten wir zukünftig Rabatt.
Nachdem das Pinkeln im Haus sich erledigt hatte, brauchte Hund neue Beschäftigung. Schuhe wiesen neuerdings immer wieder seltsame Stanzmuster auf und es machte die Sache auch nicht leichter vom Tierarzt den Hinweis zu bekommen, dass Hunde Aasfresser seien. Manchmal waren einzelne Sandalen oder Pumps von Mona Marie unangenehm nass beim Anziehen. Schnürsenkel fehlten grundsätzlich, und wir bekamen auch hierfür Rabatt, weil wir sie dutzendweise kauften. Letztendlich dressierte uns Rambo dazu, Schuhe nicht mehr herumliegen zu lassen sondern sie auf oder in die dafür vorgesehenen Schränke zu stellen.
Teppichbrücken gewöhnten wir uns ab, da Rambo sich diese mit Vorliebe – wie ein –Terrier eine Ratte – um die Schlappohren schleuderte (die ihm, in diesem Stadium des Welpendaseins übrigens beim Fressen und Saufen noch in den Napf hingen). Anschließend zerrte er sie – die echten von Oma geschenkten Perser und Afghanen – nach draußen. Am liebsten, wenn es regnete. Manchmal versuchte er auch, eines der guten Stücke in hektischer Betriebsamkeit einzugraben. Die Löcher waren bombastisch und nicht selten machte einer unserer Nachbarn uns darauf aufmerksam, dass sich wieder einmal seltsame Dinge hinter unserem Haus abspielten. Tim und ich sahen uns dann genötigt, die Löcher unter Rambos interessierten Blicken wieder zuzuschaufeln.
Eines Morgens, ich wollte gerade zur Arbeit, suchte ich meine Brille. Ich war sowieso nicht in bester Stimmung, da Rambo bereits seine erdverkrustete Schnauze an meinem frischen Hemd abgewischt hatte. Ich fragte mich gereizt nach was er wieder gebuddelt haben mochte und forderte Frau und Sohn verzweifelt auf, mit nach der Brille zu suchen. Hatte ich sie gestern Abend nicht auf den Couchtisch gelegt? Aber da war sie nicht mehr. Mona Marie und Tim suchten schließlich sogar im Garten, weil in mir ein leiser Verdacht diesbezüglich aufkeimte. Ich entdeckte endlich erfreut einen Gegenstand in einer Ecke des Wohnzimmers auf dem Fußboden: „Hier ist wenigstens meine alte Brille!“
Ich hob sie auf und betrachtete sie in tiefer Fassungslosigkeit. „Das ist meine neue!“, stotterte ich und reichte sie anklagend Mona Marie. Die nahm sie mit spitzen Fingern, um festzustellen, dass sie unbrauchbar geworden war.
Vor erst vierzehn Tagen hatte ich einen Tausender für diese Brille auf den Tisch des Optikers gelegt. Am liebsten hätte ich laut gebrüllt und vor Wut getobt, brachte aber nur ein hilfloses Gurgeln zustande und machte mich erneut auf den Weg zum Optiker.
Der freute sich und erkundigte sich mit gierig blitzenden Augen nach dem Alter des Hundes. Ich bekam einen Rabatt, zukünftig eine Karte zu jedem meiner Geburtstage und der Hund zu diesen Tagen einen Kauknochen in der Größe XXL.
Wir gewöhnten uns langsam daran, dass Rambo offenbar eine luxuriöse Anschaffung war. Er fraß Geldscheine, aber nur Hunderter und Fünfziger, die Zwanziger und Zehner ließ er liegen. Auf die Neuanschaffung von Geldscheinen bekam ich übrigens keinen Rabatt.
Nachdem wir kurz danach nun auch noch Bücher, darunter „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ und Rupert Sheldrakes „Morphogenetische Felder“ zerkaut vorfanden, gewöhnten wir uns an, nichts mehr auf dem Couchtisch liegen zu lassen.
Übrigens kamen die Löcher in unseren Socken nicht vom Alter dieser Strümpfe.
Den nächsten Preisnachlass bekamen wir für Telefonkabel. Rambo rückte eine Woche lang regelmäßig das Schränkchen beiseite, hinter dem das Kabel deponiert war und bearbeitete es dann mit seinen spitzen Zähnen. Ob es schmeckte, hat er uns nie gesagt. Ich musste jedoch in dieser besagten Woche täglich in der Elektroabteilung des nächsten Supermarktes Nachschub für Telefonkabel kaufen und die Verkäuferin sah mich von Mal zu Mal seltsamer an und schien eine Reihe kritischer Bemerkungen herunterzuschlucken. Schließlich sah ich mich genötigt etwas zu unternehmen und baute aus Holz einen Kabeltunnel.
Rambos interessierte Augen verfolgten die Bastelei und – nachdem er auf mir herumgeklettert war, weil ich auf dem Fußboden saß und so ungefähr seine Sitzhöhe eingenommen hatte – grinste er mich frech an und zerknackte die Konstruktion mit seinen weißen Zähnen.
Eine Zeitlang ging es nun drunter und drüber mit unserem Telefon, er malträtierte noch zwei Umbauten, dann wandte er sich anderen Beschäftigungen zu.
Geradezu in Ekstase versetzten ihn Wäschestücke. Gewaschene, aber auch ungewaschene. Wo immer er Wäsche erwischte, schleppte er sie durch die Gegend. An einem folgenschweren Freitag erwischte er eine Unterhose von mir. Beste weiße Baumwollqualität, Feinripp und natürlich ungewaschen. Mit flatternden Ohren und der Peinlichkeit im Maul quirlte er über die Straße und legte dieses Prunkstück einem kleinen Mädchen mit fröhlichem: „Wäff, wäff!“, vor die Füße. Die Kleine war reizend anzusehen. Blonde lange Haare umrahmten ein rundes Gesichtchen, aus dem große blaue Augen neugierig auf das Corpus delikti blickten. Ich keuchte wie eine Dampfwalze heran und wollte gerade mit einem Hechtsprung retten, was zu retten war, als das Mädchen sich mit entzückendem Lächeln bückte und mit spitzen Fingern das von der Erde aufnahm, was man sonst dezent verborgen trägt. Die Mutter dieser Kleinen war nun ebenfalls eingetroffen, neugierig, was der Auflauf sollte. Das Lächeln des Kindes wirkte nun ausgesprochen hinterhältig auf mich, als es sich zur Mutter drehte und sagte: „Sieh mal, was der Onkel verloren hat!“
Die nun folgende Situation ähnelte Slapsticks aus einer Vorabend Sitcom und den unartikulierten Lauten konnte man Wortfetzen wie „Polizei“, „Entschuldigung“, „Hundebaby“, „seltsame Vorlieben“ und „Nein, ich bin kein Triebtäter entnehmen“.
Die Situation eskalierte schließlich, als Mona Marie, angelockt von dem Krach ebenfalls über die Straße kam und von der anderen Seite die Dorfzeitung Alma Schmidtbauer auftauchte. „Ah, die Familie Wetter!“ Sie schnalzte mit der Zunge und ihre spitze Nase wurde womöglich noch spitzer. „Was ist denn hier los, gibt es Schwierigkeiten?“ Das Wort Schwierigkeiten ließ sie genüsslich über ihre Lippen rollen.
„Sittenstrolch!“, keuchte die Mutter des grässlichen Kindes. Sie hatte Augen und Mund weit aufgerissen und entblößte dabei Zahnfleisch, das bedrohlicher wirkte als Haifischzähne.
Fortsetzung folgt