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Ein ganz normaler Ehemann ...4.

Von comanchemoon Mittwoch 23.10.2024, 17:24

Heinrich Wetter erzählt:

Damals in Kindertagen …

Rudolf ist mein allerbester Freund und Tims Patenonkel.

Ich kannte ihn seit meiner Kindergartenzeit. Am Tag unserer ersten Begegnung zog ich ihm mit einer Schaufel freundschaftlich einen blutigen Scheitel, schnurgerade, wie ein Bahnhofsgleis. Anschließend wunderte ich mich, dass auf sein Geschrei hin Tante Brigitte – zu jener Zeit waren alle Kindergartenerzieherinnen aus unerfindlichen Gründen Tanten – schimpfend und zeternd angerannt kam. Meine Mutter musste mich sofort abholen und ein weiterer Besuch des Hortes hatte sich für mich erledigt.

Rudolf und ich wurden aber in der Schule trotzdem Freunde. Seiner Großmutter, die im Ort allgemein „der Feldwebel“ genannt wurde, missfiel das sehr. Ich hatte bei ihr den Ruf eines Rüpels und sie pflegte mich immer grimmig mit der Physiognomie einer besonders hässlichen Bulldogge, anzusehen. Das hielt mich davon ab, allzu oft Rudolf zu Hause zu besuchen. Er lebte mit seinen Eltern auf dem Bauernhof seiner Großeltern, und ich kam nie ungesehen an Großmutter Jürgens vorbei.

Eines Tages passierte es dann. Rudolf und ich waren auf die hohe Mauer geklettert, die das Grundstück umsäumte, als Großvater Jürgens vom sonntäglichen Frühschoppen zu lustig und zu spät nach Hause kam. Als er seinen Hof betrat, stellte sich ihm seine Tochter in den Weg, wohl in der guten Absicht, ihn zu warnen. Er wischte jedoch heiter ihre feigen Einwände beiseite, um durch die Tür ins Haus zu gelangen. Schließlich hatte er sich nach dem anstrengenden Morgen ein Nickerchen verdient. Kaum hatte er jedoch seinen Fuß auf die Schwelle gesetzt, stürzte ihm seine Gemahlin entgegen. In unmissverständlicher Absicht schwang sie mit der rechten Hand eine schwere gusseiserne Bratpfanne. Jäh ernüchtert, drehte er sich unverzüglich um und rannte los, weil er verständlicherweise der lebensbedrohlichen Attacke entgehen wollte. Sie hinterher, wobei sie ihre Tochter aus dem Weg stieß, die daraufhin die fünf Stufen zur Eingangstür hinunterstürzte.

Unglücklicherweise schickten sich die Kontrahenten an, durch die Gasse zu spurten, in der sich unsere Mauer befand. Die Gasse war eng, Bäuerin Jürgens schwang hurtig und erbost ihre Pfanne wie einen Dreschflegel und erwischte ihren Enkel am Fuß. Vor Schreck trat er mit dem anderen Fuß zu, der streitlustigen Dame auf den Kopf. Sie war ebenso erschrocken wie er und ließ ihre Waffe fallen, die auf ihrem linken großen Zeh landete. Wütend und empört kreischte sie auf und sah mit ihren nach allen Seiten abstehenden Haaren aus, wie eine leibhaftige Medusa. Sie griff nach oben und erwischte mit Krallenhänden Rudolfs Bein. Um nicht zu fallen, hielt er sich an mir fest. Seine Großmutter aber ließ nicht nach und zog und zerrte. Und so passierte schließlich was passieren musste, Rudolf plumpste auf Frau Jürgens und ich auf ihn.

Anschließend hatte die Bäuerin einen gequetschten Zeh und einen verstauchten Arm. Rudolfs Mutter ein gebrochenes Bein und er selber eine Gehirnerschütterung. Bauer Jürgens schlief fünf Wochen lang auswärts, mir ging es gut, aber ich durfte mich ein Jahr lang nicht bei Rudolf sehen lassen weil ich Gefahr lief, von einer weiblichen Bulldogge gebissen zu werden.

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