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Ein ganz normaler Ehemann ..8.

Von comanchemoon Montag 28.10.2024, 13:25

Heinrich Wetter erzählt aus seinem Leben:

Eine Seefahrt ist nicht lustig

Eine meiner im Nachhinein unerquicklichen Ideen war eine Fahrt nach Helgoland. Eigentlich sollte es eine lustige Seefahrt mit einem gemütlichen Aufenthalt auf der Insel werden. Der Tag fing schon heiter an, damit meine ich nicht das Wetter. Es war kalt und sehr windig. Das Schiff schlingerte und schaukelte auf gischtsprühenden Wellen und mir wurde übel.

Mona Marie und Carla ging es aber ausgesprochen gut. Beide wollten unbedingt auf dem Kahn frühstücken. Im Esssaal beherrschte eine stickige Luft das Geschehen und das Stampfen der Maschinen, das man hier ganz deutlich spürte, gab mir den Rest.

Mir kamen verdächtige, pelzige Luftblasen im Hals hoch. Das veranlasste mich, die beiden an ihrem Tisch allein sitzen zu lassen und ich ging an Deck. Kaum hatte ich es betreten, wunderte ich mich, dass die Leute vor mir sich plötzlich duckten. Anstatt es ihnen gleichzutun reckte ich mich höher, weil ich neugierig war. Und dann kam sie – die Welle. Dunkelgrau, mit weißer Krone schwappte sie über die Reling, über die gebückten Leiber, schien kurz zu überlegen und erwischte mich dann mit voller Breitseite von oben bis unten. Meine Haare, mein bester schwarzer Anzug, den ich aus unerfindlichen Gründen zu einem solchen Ausflug trug, meine Schuhe, alles tropfte von dem Salzwasser. Wenn ich daran denke, durchlaufe ich heute nochmals die gesamte Skala der Pein.

Und auch, wenn Mona Marie meinte, daran war Carla unschuldig, so ging der Tag ja noch weiter.

Die Schiffe legten nicht direkt an der Insel Helgoland an und die Passagiere mussten in kleinere Boote umsteigen. Diese Prozedur war im Allgemeinen jeden Reiseteilnehmer bekannt. Nicht jedoch Carla. Sie hatte Stöckelschuhe mit zehn Zentimeter hohen Absätzen an und kam in dem kleinen Boot, in dem man nur stehen und nicht sitzen konnte, und das natürlich bei dem Wetter auf den Wellen hin- und herschaukelte, plötzlich ins Schwanken. Vor und zurück und nach rechts und nach links. Sie fand ihre Balance nicht wieder, ruderte mit den Armen in der Luft und kippte schließlich nach endlosen Sekunden über den Bootsrand ins Meer. Aber nicht allein. Sie versuchte, sich am Nebenmann festzuhalten. Der ließ sich völlig überrascht mitreißen, wobei er wiederum sich an seinem Nachbarn festzuhalten versuchte.

Letztendlich war es wie bei Dominoday, nur nicht so elegant. Das ganze Boot kenterte schließlich und wir fielen alle ins Wasser. Bis auf den letzten Mann.

Die Rettung verlief in dramatischer Aufregung und keiner konnte mehr sagen, wie das nun eigentlich passiert war. Mona Marie, Carla und ich schwiegen verstockt, immerhin waren wir durch das Ereignis traumatisiert. Anschließend war ich drei Wochen lang erkältet, Mona Marie bekam eine Nierenentzündung, nur Carla ging’s erstaunlich gut.

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