Wie erkennt man Gefahr?
Von
speedygonzalez
Dienstag 29.10.2024, 10:50
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speedygonzalez
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Der Vorfall befand sich in den 70er Jahern
Im Südosten Venezeulas beginnt auf der Südseite des Orinoco eine Steppe "Gran Sabana" genannt. Der Boden dort ist derart ausgelaugt und taugt nicht einmal zur Viehwirtschaft. Nach Westen hin schließt sich ein Bergland an, bedeckt vom Urwald, der sich bis hin zum Amazonasbecken erstreckt. Die hier entspringenden Flüsse, die sich von dort nach Norden zum Orinoco fließen, sind der Canayma, der Cuchivero, der Ara und der Caroní.
Am Oberlauf des Cuchivero wird Gold gefunden und am Rio Caroní in der Selva, wie hier der Regenwald auch genannt wird, Richtung Brasilien, oder wie es hier immer heiß, am oberen Orinoco, liegen Diamantenfelder, die in privater Regie ausgebeutet werden können.
Das sind alles verdammt arme Habenichtse, so lange sie nichts gefunden ha-ben. Ab dann, wenn sie etwas gefunden haben und keine Sicherheit, welcher Art auch immer im Rücken haben, leben sie sehr sehr gefährlich. Wie gefähr-lich kann man im zweiten Buch „Banco“ von Henry Charrier, dem Autor von „Papillon“ nachlesen und auch im 2. und 3. Buch der Trilogie von Alberto Vasquez-Figueroa „Yaiza“ und „Maradentro“ nachlesen.
Auch ohne Kenntnis dieser Bücher, die ich erst später kennenlernte, hörte man so manches von diesen Camps. Aber die Schilderung von Land und Leuten in diesen Büchern ist echt, so habe ich sie erlebt.
Eines Mittags, als ich alles geschäftliche erledigt und genug Zeit hatte, war ich schon früh am Flughafen von Ciudad Bolivar und wartete draußen auf meine Maschine. Dieses „draußen“ ist so zu verstehen, dass das Flugfeld mal eben durch etwas wie ein platt getrampeltes Vorgärtchen und ein kleines Mäuerchen von der Abfertigung getrennt war. Kam eine Maschine, rollte sie in der Nähe der Abfertigung aus, der Polizist der Guardia Civil, sorgte dafür, dass die Aus-steigenden erst draußen waren, bevor die anderen an Bord gingen, während das Gepäck aus-und eingeladen wurde.
Unsere Maschine hatte noch Zeit, zuerst sollte eine andere kommen. Wie - was? Ja, eine aus „den Camps“. Aha.
Also wartete ich und wollte müßig den Anblick genießen. Es kam eine DC3 langsam mit gedrosselten Motoren hereingeschaukelt und rollte 40m vor dem Gebäude aus.
Zufällig sah ich zu dem Polizist hinüber, wie er mit einer ganz unauffälligen lässigen Bewegung die Sicherungsschlaufe von seinem Colt aufmachte.
Auf einmal brannte die Luft. Irgendwie sah er plötzlich gespannt aus und von der Plauderei der anderen Zuschauer hörte man nichts mehr. Niemand regte sich mehr. Die Tür an dem Flieger schwang auf, ein abgerissener Typ erschien im Eingang, schaute aufmerksam erst nach rechts und links und kam dann langsam die Treppe herunter auf uns zu, eine Hand in der Tasche, die andere pendelnd über seinem tiefhängenden Revolver und verschwand im Eingang, gefolgt von 5 oder 6 weiteren Typen.
Der Polizist machte seinen Colt wieder fest, ein Aufatmen ging durch die Zu-schauer und alles war wieder friedlich.
So deutlich, wie da, habe ich nie wieder Gefahr gespürt.