An einen Tag im November 1960
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Feierabend-Mitglied
Donnerstag 02.10.2025, 16:09
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Erinnerungen zu einer gelungenen Flucht aus der ehemaligen DDR in die BRD.
Aber doch gab es eine Familie mit einem Mädchen in meinem Alter, das andere Kind ein Junge, mit denen wir befreundet waren, die es ganz ganz anders traf...
Es ist schon so lange her... eben Kindheitserinnerungen!
Meine Eltern, die eine Gärtnerei in Forst/Lausitz besaßen, weihten mich damals in ihre Fluchtvorbereitungen ein. Damals war ich acht Jahre alt und hatte einen einjährigen Bruder.
Die andere Familie, mit denen wir zusammen fliehen wollten, waren Inhaber eines Geschäftes in Forst (mit meinen Kinderaugen: unermesslich reich) und besaßen einen LKW, also einen viel größeren Wagen als meine Eltern.
Zu abendlichen Gesellschaftsspielen, nach Geschäftsschluss, bei denen die Flucht besprochen wurde, traf man sich.
Eine nervöse Spannung lag in der Luft, und nicht nur weil es kurz vor der Adventszeit war, denn überall auf dem Markt, in Geschäften, überall wo man sich traf, brodelte die Gerüchteküche. Es wurde getratscht, spioniert, denunziert und konspiriert.
Einige Tage vor unserer Flucht fuhren Mutter und Vater nochmals zu dem befreundeten Ehepaar, um ihnen mitzuteilen, dass es am Freitagmorgen losginge, denn meine Eltern fanden, besser könnten die Termine nicht liegen, um ihnen die Fluch zu erleichtern.
Meine Eltern waren sehr besorgt, als ihnen erklärt wurde, dass die befreundete Familie in ein bis spätestens zwei Tagen nachkämen, also erst am Samstag, spätestens am Sonntag, denn sie hätten noch was man mitnehmen wolle, im LKW eingepackt, wie zum Beispiel div. Teppiche, Besteck usw.
So verblieben sie miteinander, dass die befreundete Familie in ein bis spätestens zwei Tagen nachkäme.
Meine Eltern, mein Bruder und ich begannen unsere Flucht an einem Freitagmorgen im November 1960, die uns auch glücklich gelang.
Ungefähr zwei Jahre später, als wir ein festes Zuhause in der BRD gefunden hatten, erfuhren wir über Umwege, was aus der befreundeten Familie geworden war.
Ihre Flucht war entdeckt worden.
Alles was sie an Hab und Gut besaßen, wurde beschlagnahmt, sie wurden enteignet.
Sie selbst wurden unter erschreckenden Bedingungen jahrelang inhaftiert. Beide Kinder wurden den Eltern weggenommen, sie kamen in ein Kinderheim und unter anderem Namen wurden sie zur Adoption freigegeben.
Von da ab verlieren sich ihre Spuren...