DAS KLEINE PFINGSTWUNDER
Von
egalis
08.06.2025, 11:14
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egalis
08.06.2025, 11:14
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An der alten friesischen Versammlungsstätte, dem Upstalsboom, ist Pfingstmontag plattdeutscher Gottesdienst unter freiem Himmel angesagt. Im Mittelalter haben sich hier im Wald die Regenten der sieben friesischen Seelande getroffen und beraten, was getan werden muss, um mitsamt dem Volk einigermaßen gut durch die Zeit zu kommen oder um Recht zu sprechen.
Büsche und riesige Bäume, allesamt im ersten frischen Grünkleid, umsäumen den Platz mit der steinernen Gedächtnispyramide. Große blühende Rhododendronbüsche lassen zarten Duft über die Lichtung strömen. Die Blüten in vielen Rottönen bilden farbenfrohe Tupfer. Grashalme wiegen sich im sanften Wind. Vielfältige Vogelstimmen wetteifern miteinander. Durch die Baumwipfel fingern sich die Sonnenstrahlen.
Bänke sind aufgestellt und warten auf ihre Besetzer. Über allem spannt sich ein ostfriesisch-blauer Himmel. Das alles verbreitet eine Stimmung, wie gemacht für Pfingsten.
Langsam füllen sich die Bänke. Die Kirchenleute haben säckeweise Sitzkissen mitgebracht, von denen man sich bedienen kann. Ich habe meinen eigenen kleinen Sitz, den ich wie einen Rucksack tragen kann. Er ist gepolstert, eine kleine Rückenlehne kann ich in Position klappen. Von der letzten Reihe aus habe ich alles schön im Blick.
Meine Sitznachbarn haben sich von den bereitgestellten Kissen bedient. Gerade als sie sich setzen wollen, bemerken sie weiter vorne Bekannte, die ihnen zuwinken. Meine Nachbarn bewegen sich dorthin und lassen die Kissen liegen.
Eine Frau kommt und nimmt sich eines davon. Zwischen uns liegt nun noch das freigewordene. In unsere Reihe kommt niemand mehr. Aber durch eine Reihe vorher schiebt sich noch ein beleibter Herr und setzt sich genau vor uns. Das heißt, er will sich setzen. Blickt sich halb nach vorn gebeugt noch einmal nach dem Platz um, den er sich ausgesucht hat, nickt zufrieden und ....
Bevor er sich ganz und gar auf den Platz plumpsen lässt, schiebe ich ihm schnell das freie Kissen unter den breiten Podex. Als wenn er sich auf einen Igel gesetzt hätte, springt der Mann wieder hoch und blickt sich erschrocken um.
„Nanu“, meint er dann höchst erstaunt und sieht erst uns und dann seine Sitznachbarn misstrauisch an, „das Kissen war doch eben noch nicht da?!“
„Nein“, sage ich, „war es nicht. Aber es ist doch Pfingsten und da passieren immer mal kleine Wunder.“
Mit fröhlichem Gemüt folgten wir dann dem plattdeutschen Gottesdienst.
Pfingsten – welch eine schöne Zeit!
©Elke Bontjer-Dobertin