DIESER GERUCH UND DIESER GESCHMACK
Von
egalis
Freitag 29.11.2024, 12:59
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egalis
Freitag 29.11.2024, 12:59
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aus dem Plattdeutschen//©Elke Bontjer-Dobertin
Gediegen ist das. Da hast du auf einmal einen Geruch in der Nase oder probierst etwas, und deine Zunge sagt dir: Dieser Geruch oder jener Geschmack ist ganz alt. Den kennst du doch. Aber woher? Und auf einmal fällt dir das ein:
Bei unserem Kaufmann gab es ein Dösjen Käse als Probe. Zu Hause musste erst die Nase herhalten und die sagt mir schon im Voraus: Hast du schon mal gekannt. Ein büschen Käse auf einen Löffel, und meine Zunge redet das gleiche Lied. Jetzt habe ich es auch, das ist doch…
Ich sehe mich als kleines Schulmädchen in der Schule sitzen. Dünne, lange Zöpfe hängen mir über die Schultern. Die Schleife habe ich längst in den Tornister geknuddelt. Die Schürze ist schon lange nicht mehr sauber. Zweites Schuljahr ist es. Sieh, da sitzt ja auch Renate, meine liebste Freundin. Mit der soll ich nicht umgehen. Ihre Familie sind Flüchtlinge, wohnen bei uns im Haus. Renate kennt Wörter, die habe ich sonst noch nie gehört. Meine Eltern waren entgeistert, als ich damit nach Hause kam. Ich fand das prima. Renate war ebenso unbedacht wie ich. Wie gern saßen wir im höchsten Birnbaum!
Noch ein Häppjen Käse.
Ach du liebe Zeit, jetzt sehe ich auch „Tante Klinkenberg“, unsere Lehrerin. Wir sollten "Fräulein" Klinkenberg und "Sie" zu ihr sagen. Aber das wollte nicht in unsere kleinen Köpfe. Und jetzt denke ich an Reiner. Keiner wollte was mit ihm zu tun haben. Er hatte einen verkrüppelten Arm und lief schief. Das kam von einer Kinderlähmung. Aber sein Kopf war heile geblieben. Er konnte rechnen, wie sonst keiner. Und wenn er durfte, half er gern. Bei mir durfte er das immer. Ich hatte mit Zahlen nicht viel im Sinn.
Und jetzt muss ich kurz nachdenken, wie das weiterging…
Noch ein Happen Käse....
Ich bin noch im zweiten Schuljahr. Und dann war da der eine, der mir hoch im Kopfe saß. Der Junge mit dunkelbraunen Augen und schwarzem Haar. Bei einem Ausflug sollten wir zu zweien laufen, und er hatte mich an der Hand gefasst.
Das war für mich so… so… hach, das war sooo schön! Aber das Glück hat nicht lange angehalten. Seine Kameraden lachten ihn aus, weil er mit einem Mädchen ging. Das hat ihn sehr geärgert, und er ließ mich stehen. Daran habe ich wohl lange gekaut.
Von der Zeit an habe ich keinen Jungen mit schwarzem Haar und braunen Augen mehr angesehen. Das hat angehalten, bis ich erwachsen war. Da kam der Eine in mein Leben, und der hatte helles Haar und sowas von blaue Augen…
Wieso mir das alles beim Käse probieren einfällt? Wir hatten in der Schule was zu essen bekommen. Das war damals so. Ein Brötjen und ein Eckjen Käse. Der Käse schmeckte gerade so wie diese Probe von unserem Kaufmann.
Mit so einer kleinen Probe bist du plötzlich auf Gedankenreise und besinnst dich auf Sachen, die schon lange im Erinnerungsbuch stehen.
Es gab auch noch was anderes zu essen. Dafür mussten wir von zu Hause ein Gefäß mitbringen. Auf den Schulhof waren große Fässer geliefert worden. Erbsensuppe war darin.
Wir standen in Reihen davor und ließen uns was in unsere Pötte geben. Das nahm ich mit nach Haus. Sehr lecker war ebenso die Schokoladensuppe, die ich auch mitnahm, wenn es sie gab.
Zu der Zeit hatte ich einen kleinen Bruder. Wenn er seine Milch haben musste, hat Ma die Milch mit dem Pulver angerührt. Hatten wir die Schokoladensuppe auf dem Teller, streute Ma einige Löffel von dem Milchpulver darüber.
Oh, wie gern ich das mochte! Bis heute.
Schokoladenpudding ohne das Pulver? Das geht nicht. Erst damit wird der Genuss perfekt. Und auf Eis ist das auch sehr lecker…
Erstaunlich, was alles in so einer Käseprobe steckt!