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GLAUBE LIEBE HOFFEN

Von egalis Freitag 14.08.2026, 14:12

Heute werden sie getraut, ihre Freunde. Sie und ihr Mann dürfen Trauzeugen sein und beide fühlen sie sich auf besondere Weise dadurch mit ihren Freunden verbunden und geehrt.
Jetzt kann sie auch wieder einmal hören, was sie schon vor Jahren selbst vor dem Traualtar gesagt bekommen hatten. Von wegen Glaube, Liebe und Hoffen. Ihre Gedanken gehen zurück durch die Zeit, die sie mit ihrem Elmar erlebt hat. So lange ist sie schon mit ihrem Mann zusammen! Denkt er wohl auch zurück, wie das war mit ihnen beiden? Sie sieht ihn von der Seite an. Er schaut so versunken vor sich hin. In seinen Augen blinkt es. Er stellt sich immer so hart, dabei hat er doch so einen weichen Kern, denkt sie. Das hat sie in all den Jahren herausgefunden. Und in all den Jahren hat er ein dickeres Fell bekommen. Sie denn nicht?
Was ist denn mit dem Glauben an den Mann an ihrer Seite? Glaubt sie noch, dass er ihr vertraut; ist ihr eigenes Vertrauen zu ihrem Mann noch so groß wie früher? Da hat sich doch sicher einiges abgeschliffen. -
'Er erzählt mir zu wenig´, denkt Trees. Dass sie die einzige Frau ist, mit der er das Bett teilt, das glaubt sie sicher und das Gegenteil will sie auch gar nicht erst wissen. Der Schmerz wäre zu groß.
Elmar lässt sie oft allein in dem großen Haus. Er vertraut ihr das ganze Anwesen an. Das ist doch wohl was? Aber ist das genug? Was macht er, wenn er nicht da ist. Wo ist er, bei wem ist er? Er ist so oft unterwegs. Bloß nicht fragen. – Sie bekommt doch keine Antwort. Also vertraut sie ihm lieber. Zweifel bleibt.
Liebe – ja, die fühlt sie noch für ihn und meint, dass das bei ihm auch noch so ist. Aber so ganz ohne Zweifel ist Trees auch hier nicht. Soll hinter seinem Poltern all seine Liebe und sein Besorgtsein stecken? Warum sagt er nicht mal wieder: Ich liebe dich. Schön, dass es dich gibt? Liebe zeigen, das fällt ihm schwer, auch die Liebe von ihr anzunehmen. Schimpfen und Wettern, das kommt ihm leichter von den Lippen. Warum nicht mal ein freundliches Wort? Das war doch vor der Hochzeit und zum Anfang ihrer Ehe ganz anders.
Wie schön war es, wenn er „mein Liebes“ zu ihr sagte. Es kribbelt ihr noch über den Rücken, wenn sie daran denkt. Und wenn er sie dann mit seinen blauen Augen ansah... Ein Seufzer entringt sich ihr.
Und der große Rosenstrauß zum letzten Hochzeitstag? Wie sie sich darüber gefreut hatte! War das nun seine Liebe oder hat er vor den anderen beweisen wollen, was er kann? Zweifel bleibt. Sie will nicht daran denken, will sich freuen, dass er dran gedacht hat. Sie hat ihn lieb. Nach all den Jahren liebt sie ihn immer noch. So, wie sie es vor dem Traualtar gelobt hat. Und sie weiß, dass das auch so bei ihr bleibt.
Ihr kommt das dritte von den drei Worten in den Kopf: Hoffen.
Das ist eine sehr wichtige Sache, denkt sie. Ohne Hoffen geht überhaupt nichts mehr. Gibt es auch Streit zwischen ihnen – das Hoffen auf die Zeit, wo sie wieder einer Meinung sind, läuft mit. Das Hoffen lässt sie Tag für Tag überstehen. Das Leben geht immer weiter.
Was sagt der Pastor gerade: Was der Herrgott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. Welch großes Wort. Weiß der Herrgott, was er tut, ist das alles richtig? Trees will es hoffen. Wirst du wohl alt mit deinem Mann, soll wohl alles gut gehen? Hoffen, immer wieder hoffen. –
Bei dem ganzen Nachdenken hat sie fast verpasst, dass die Freunde in guten wie in schlechten Zeiten zueinanderstehen wollen.

(c)Elke Bontjer-Dobertin

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