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Summer in the City

Von billyblue Freitag 18.10.2024, 21:43 – geändert Freitag 18.10.2024, 21:53

Es war ein heißer Sommertag. Schon seit Wochen schwebte eine Hitzeglocke über dem Land. Strahlendblauer Himmel von keinem Wölkchen getrübt und darüber die gleißende Sonne, die ihre Strahlen unbarmherzig auf das ausgedörrte Land sengte. Das satte Grün des Frühlings hatte schon lange einem braunen Ton des Grases weichen müssen. Kevin saß unter dem übergroßen Sonnenschirm auf seiner Terrasse, schaute den vorbeieilenden Menschen zu. Einen Vorteil hatte die Hitze, alle waren spärlich bekleidet. Die Frauen in superkurzen Shorts, früher hätte man die Hotpants genannt, die Männer in kurzen Hosen oder Bermudashorts. Während Kevin sich an den meisten weiblichen Passanten in ihren sexy Outfits noch erfreuen konnte, war er bei den Männern doch etwas zweigeteilt. Stachelige Waden in weißen Socken und Sandalen, wobei in diesen Sommer Weiße wieder modern sein sollten, waren nicht unbedingt sein Geschmack. Jeder muss halt wissen, was er gerne hat und da wollte er niemand reinreden. Vielleicht waren diese ihm ähnlich, das anzuziehen was IHM gefällt und nicht was irgendwelche Modepäpste für angesagt halten.
Kevin hatte ein paar Shorts, abgeschnittene Jeans, und sonst nichts an. Es war heiß, außerdem war er allein, niemand konnte ihn sehen. Er hatte ein großes Glas kastriertes Hefeweizen vor sich, Alkohol wäre jetzt nicht unbedingt die Erste Wahl. Er schaute sich seinen Garten an, der ihm völlig leer vorkam. Alle Bäume gestutzt, die Büsche bis auf minimale Reste zurückgeschnitten, die Beet Ränder sauber freigeschnitten. Ein trostloser Anblick nach dem die Gärtner „großreinemachen“ veranstaltet hatten. Jetzt konnte er den grauen Zaun in all seiner Hässlichkeit sehen. Er musste unbedingt gestrichen werden. Das wollte er zwar schon seit Jahren, da aber alles zugewuchert war, war es dadurch nicht möglich gewesen, die Innenseite zu bearbeiten. Die Gärtner wollten schon lange kommen, doch Handwerkertermine zu bekommen ist so eine Sache für sich. Erst war es zu nass, dann Betriebsferien, immer weiter wurde das Kommen hinausgeschoben.
Jetzt hatte er keine Ausrede mehr, auf zur Tat, bevor es vielleicht zu regnen anfängt oder dann eventuell zu kalt werden drohte. Also los. Farbe hatte er sich schon genügend besorgt. Als er mit einem Bekannten darüber gesprochen hatte, empfahl ihm dieser seinen Bruder. Dieser hätte ganz tolle in seiner Garage, die alles deckt und gleichzeitig imprägniert. Kevin hätte dann für sehr lange Zeit Ruhe. Ok, Der Bruder kam und brachte 3 Kanister mit. Kevin kam es zwar komisch vor, dass dort ein Aufdruck Liqui Moly Top Tec 5W-40 4100 zu sehen war. Die zähe Flüssigkeit war jedoch nicht gelb, sondern tief schwarz. Es konnte also kein Motorenöl sein. Wer gibt auch schon so was Teures umsonst ab und verbraucht es nicht selbst. Die Behälter waren wahrscheinlich übrig gewesen. Kevin sah sich sein zukünftiges Betätigungsfeld an. Er hatte ein Eckgrundstück, was er schon mehrmals verflucht hatte. Die Anliegerbeiträge und sonstigen Abgaben, wie Straßenreinigung usw., waren immer höher als die, die seiner Nachbarn. Der endlose Zaun war fast zu viel für sein Gemüt. Sollte er sich das in seinem Alter noch antun? Wie lange wird die Prozedur dauern. Erst die eine und dann die andere Seite, oder gleichzeitig und sich über die Bretter beugen? Das sind schon schwierige Entscheidungen, die eigentlich eine längere Zeit des Nachdenkens bedürfen. Er wollte schon verzagen, aber dann gab er sich einen Ruck, bis zum Herbst sollte die Arbeit getan sein. Er tauchte den Pinsel ein und los ging es. Es war nicht zu viel versprochen worden. Die Farbe wurde vom Holzzaun förmlich aufgesogen. Wahrscheinlich hatte er wirklich lange Zeit Ruhe bis zum nächsten Arbeitsanfall.
Das Streichen Arbeit war ziemlich eintönig. Zum Glück war er nach einem Armbruch in der Schule beidhändig geworden und konnte ao den Pinsel immer mit der Hand führen, die ausgeruht war. Nur der Rücken ließ sich auf diese Weise nicht überlisten. Die ungewohnte Tätigkeit aktivierte sämtliche, schon seit Jahren nicht mehr genutzen Muskeln seines geschundenen Leibes. Ein Schwarm von Spatzen ließ sich auf dem nahen Baum nieder. Es sah aus, als ob sie ihn auslachen würden. Nach einer Weile wurde es ihnen zu langweilig und sie flogen weiter. Die Hitze machte ihn irgendwie schläfrig. Als er dann hinter dem Haus beim Nachbarn ankam, fiel ihm wieder der letzte Anstrich ein. Der Nachbar, ein gottesfürchtiger Mensch, erklärte ihm beim Gespräch über den Zaun, dass das doch Sonntagsarbeit sei. Komisch, war doch die Gartenarbeit ein Hobby von mir, und Gott hat bestimmt nichts dagegen. Der Nachbar war Lockführer und dem Zug war es egal ob es Werk- oder Feiertag war. In Kevins Augen, war das doch eher Sonntagsarbeit. Der Nachbar wusste darauf nichts mehr zu antworten. Solche Erinnerungen kommen einfach, wenn man so eine stumpfsinnige Arbeit wie einen Zaun streicht. Noch zehn Meter und die Arbeit wäre getan. Dieses halbe Stunde kam Kevin wie eine Ewigkeit vor, aber schließlich wurde er fertig, rechtzeitig vor dem Wintereinbruch.
Kevin räumte seine Utensilien ein und hoffte, dass er jetzt lange, lange Zeit Ruhe vor der nächsten Aktion habe.

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