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ÜBERN FJORD ÜBERN DAMM Teil 2

Von egalis Freitag 18.07.2025, 19:19

An dieser Insel ist Fosslandsosen ein Anhängsel und von der Insel kommt man über einen Damm auf die Mini-Insel, wo sich die Anglerpension befindet.
von Teil 1

Ich wohne nicht auf der kleinen Insel, sondern auf dem anderen Ende vom Damm, bzw. Anfang, je nachdem, von welcher Seite man kommt, im „Haus übern Damm“ und das gehört zu einem ehemaligen Gehöft.
Hier sitze ich jetzt am Küchentisch vorm Fenster und schaue zwischendurch immer wieder auf den Fjord, ca. 30 m vom Haus weg. Gerade ist Ebbe.
Im Hintergrund dunsten die Berge, meist schroffe Felsen mit magerem Bewuchs. In der Mitte unseres Fjordteils ragt ein flacher Felsen aus dem Wasser. Es gibt wohl reichliche Untiefen hier. Die Angler müssen ganz schön aufpassen.
Die ersten Nächte habe ich fast nicht geschlafen, Immer wieder musste ich aus dem Fenster sehen. Es war um Mitternacht noch so hell, dass ich zum Schreiben oder Lesen kein Licht brauchte. Inzwischen ist es dämmerig um die Zeit. Alle Momente veränderte der Himmel seine Farbe. Wenn der Himmel durch die Berglücken seine Himmelsfarbe gießt und die sich im stillen Wasser widerspiegelt, glaubt man sich am Anfang der Schöpfung. Es ist schlicht überwältigend. Ich habe noch nie einen orangefarbenen Himmel und einen ebensolchen Widerschein auf dem Wasser gesehen!
Die untergehende Sonne taucht das Felsmassiv hinterm Haus in eine rosarote Masse. Es ist der helle Wahnsinn!
Ein Blühen ist das hier! Das eingangs erwähnte Altermannhaus ist umwuchert mit Mädesüß und Goldfelberich und dunkelrosa Weidenröschen. Kannste Dir das vorstellen?
Bei jedem Schritt durch die Wiesen duftet es anders. Und was hier alles auf kleinstem Raum blüht! Ich bin jeden Tag neu entzückt.
Vor ein paar Tagen machte ich einen Spaziergang an der Straße entlang. Der Graben an der Bergseite ist Kleinstmoor! Haste so was schon erlebt? Bleichmoos und 1000 andere Moose, die wie grüner Pelz alles überziehen, was da im Weg des Wachstums liegt oder steht. (Grün, nichts als Grün)
Moorpflanzen wie Wollgras, Sonnentau, Knabenkraut – das schmalblättrige, blasslilane. Moorlilien, Moosbeere, Fieberklee, Unbekanntes – die Vielfalt ist unbeschreiblich. Ich stieg dann links einen Waldweg hinan. Rechts von mir über einen flachen Graben hinweg, niedriger Torfwald. Anders kann ich ihn nicht beschreiben – der Boden anmoorig. Links ein tiefes, steiniges Bachbett, mit rieselplätscherndem Wasser. Wieder und wieder seltsam geformte, gebleichte Wurzelknorren, bizarre astige Stämme, mal bemoost, mal ganz bleich. Steine mit seltsamen Formen, mit Moospelz überzogen. Mir war, als begegnete ich den Trollen, und ich hörte sie lachen, als ich ihnen zurief, dass ich sie entdeckt hätte. Und ich fühlte mich wohl in dieser Gesellschaft! Auch gestern haben sie sich gezeigt, die kleinen Geister. Sie wisperten mir zu, dass sie sich mir zeigen würden, weil ich in der Haardt (mit Friedrichs Hilfe) den Elwedritschen begegnet sei. Und die wären entfernt verwandt.
Oh – hier liegt Stoff für Geschichten!
Jetzt muss ich nur noch aufpassen, dass ich die Elfen nicht übersehe, die es ja garantiert auch irgendwo gibt.

Noch was zur Fauna. Unlängst zählte ich 21 Reiher, die, wie an einer Schnur aufgereiht (jetzt weiß ich endlich, wieso Reiher Reiher heißen!) im Watt an der Wasserlinie standen. Sie flogen nacheinander auf, als ich übern Damm ging. Sogar Kiebitze flitzen übers Watt. Unzählige andere Wasservögel ebenso. Seeschwalben mit ihrem eleganten Flug – ich weiß nicht, wie viele Sorten Möwen.
Am ersten Tag entdeckte ich ein Nest mit vier Eiern. Später waren die Eier angepickt und zerbrochen. Ein paar Schritte weiter entdeckten wir gestern ein Nest mit vier Küken. Bestens getarnt durch ihren getupften Flaum. Als ich sie fotografieren wollte, schoss ein Elternteil auf mich zu. Mit der geschleuderten Fototasche konnte ich mir das Tier vom Leibe halten und trat den Rückzug an.
Ein Austernfischerpaar hat zwischen Vorgartenblumen gebrütet und führte das Küken um die Villa spazieren. Ein paar Tage vermissten wir sie. Ich entdeckte die Familie dann im Watt. Heute saß ein junger Fuchs hinter dem Küken her. Vielleicht habe ich den Roten rechtzeitig vertrieben. Vor ein paar Tagen hatte ich morgens, kurz nach 6:°° Uhr schon was zu lachen. Auf dem Weg zur Arbeit schaute ich mehr auf der linken Wattseite den Vögeln zu und hörte rechts von mir ein Jippen. Da nahmen zwei Jungfüchse Reißaus und beschwerten sich, immer wieder zu mir sehend, lautstark über meine Störung. Die Fähe sah ich Tage vorher.
Von meinem einen Zimmerfenster kann ich zum nahen Wald (ca. 100 m) sehen. Davor ist eine Wiese, die sich bis ans Haus erstreckt. Jeden Morgen und Abend tritt ein Rudel Hirschkühe mit Kälbern raus. Fast jeden Tag kam ein Kälbchen dazu. Inzwischen ist das Rudel auf fast zwanzig Tiere angewachsen. Eines Abends sicherten sie zu einer Seite. Nach einer Weile schnürte ein großer Fuchs mit weißer Schwanzspitze an ihnen vorbei, in Richtung Gehöft
Zum Hühnerklau?
Die norwegischen Häuser sehen recht malerisch aus mit ihren bunten Farben. Und sie sind nicht so dicht aufeinander wie bei uns. Manche Gehöfte stehen einsam inmitten ihrer Ländereien. Auf der Insel ist neben Fischfang die Landwirtschaft Erwerbszweig. Industrie bzw. Gewerbe gibt es erst wieder in Namsos. Das dortige Krankenhaus beschäftigt 700 Menschen! Namsos selbst hat 12.000 Einwohner. Ansonsten ist das Land wenig besiedelt.
Ganz Norwegen zählt mal gerade vier Millionen Einwohner! Aber teuer ist es, hier zu leben! Ich habe schon ein kleines Vermögen für Schokolade ausgegeben. Zwar gehört die nicht gerade zu den Grundnahrungsmitteln, schmeckt aber ungeheuer gut. Zweihundert Gramm kosten ca. 5 DM.
Ein Kilo Lachs rund 40 DM.
Eine Postkarte 2 DM, Porto – egal ob Brief oder Karte, Aus- oder Inland, 1,50 DM.
Nun, kaufen muss ich kaum etwas. Ich kriege satt zu essen und zu trinken.
Soffi kocht sehr gut. Und die Soßen vom Chef sind spitze. Wir lachen viel. Heute war es besonders vergnüglich. Der Chef erzählte uns, dass er Karatemeister ist. Er führte uns dann einen Handstand auf dem Stuhl vor. Wolfram ist Jahrgang 1946. Er hat sich hier ein kleines Imperium aufgebaut. Bekannt ist er wie ein bunter Hund. Auto fährt er wie-biste-nich-gescheit – da kommt ja doch keiner, ist seine Devise. In der Tat ist der Autoverkehr sehr dürftig.

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