Altöttinger Fußwallfahrt
Von ehemaliges Mitglied Montag 07.09.2020, 03:49
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Seit einigen Jahren besteht in München ein schöner Brauch. Angeregt durch die Legion Mariens wallfahrten alljährlich einige Hundert Münchner zu dem bekannten Gnadenort Altötting. Betend und singend ziehen sie den fast 100 km langen Weg hin zum Heiligtum. Jahr um Jahr mehrt sich die Zahl derer, die der himmlischen Mutter ihre Sorgen und Nöte anvertrauen, aber auch derer, die ihre Freude und ihren Dank in Ihre mütterlichen Hände legen. Wohl kaum einer verlässt den Gnadenort, ohne gestärkt oder getröstet den Heimweg anzutreten.
Man kann mit Recht sagen: auch eine Fußwallfahrt ist Nachfolge Christi. Als Jesus 12 Jahre alt war, durfte er mit seinen Eltern die Reise von Nazareth nach Jerusalem machen. Von dieser Zeit an ist er jährlich mit den Pilgern gezogen — eine ähnliche Wegstrecke wie von München nach Altötting. Da wir Jesus doch immer ähnlicher werden wollen, ist es nur zu begrüßen, wenn möglichst viele Menschen den rechten Geist und die Freude einer Wallfahrt erkennen würden. Es wird der Ewigkeit vorbehalten sein, zu erfahren, wie viel Segen und Gnade bereits auf unser bayerisches Land herabgefleht wurde. Aber auch jetzt schon wird manchmal in besonderer Weise das Gnadenwalten Gottes und Mariens sichtbar. Das mögen einige kleine Begebenheiten aufzeigen:
Maria hilft immer, in jeglicher Not!
Die Hauptgruppe der Fußwallfahrer legt den Weg immer in zweieinhalb Tagen zurück und muss deshalb zweimal übernachten. Da wir nicht für alle Pilger Privatquartiere erhalten konnten, mussten wir für 200 bis 300 Luftmatratzenlager in den zwei Übernachtungsorten sorgen. Ich hatte es in diesem Jahr wieder übernommen, die entsprechende Anzahl Luftmatratzen zu beschaffen. Im letzten Jahr hatte ich sie gegen ganz geringe Leihgebühr vom Kreisjugendring erhalten. Das wollte ich auch dieses Jahr versuchen, erhielt jedoch eine Absage. Für größere Jugendveranstaltungen wurde dort der ganze Vorrat benötigt. Es war gerade im Jahr des Eucharistischen Weltkongresses. So kam ich auf den Gedanken, beim Kongressbüro anzufragen, ob wir nicht dort das Gewünschte erhalten könnten. Durch einen guten Bekannten, der in diesem Büro tätig war, ließ ich meine Anliegen dem verantwortlichen Leiter vortragen. Nach längerem Warten erfuhr ich schließlich, daß es nicht möglich sei.
Es waren nur mehr wenige Tage bis zum Beginn der Wallfahrt. Die Zeit drängte und andere Möglichkeiten mussten ausgeschöpft werden. Ich fragte in den größten Münchener Sportgeschäften, ob die notwendige Anzahl von Matratzen dort zu erhalten sei. In einem Geschäft konnte ich 40 Stück, in einem anderen 50 Stück und in einem dritten auch etwa 50 Stück bekommen - jedoch gegen eine Leihgebühr von insgesamt etwa DM 400.-
Schließlich kam der letzte Tag der Vorbereitung. Es war der 31. Mai, das Fest Maria Königin. Was sollte ich tun? Der Betrag der Leihgebühr war für unseren Zweck entschieden zu hoch. Ich machte darum noch einmal den Versuch, die Matratzen über das Kongressbüro zu erhalten. Mein Bekannter sollte unser Anliegen noch einmal vortragen.
Inzwischen ging ich in die Kirche, kniete mich vor das Bild Mariens: „Muttergottes, Du weißt, dass wir die Luftmatratzen für die Wallfahrt zu Deinem Gnadenort brauchen. Wenn wir sie vom Kongressbüro erhalten, müssen wir DM 400,- Leihgebühr bezahlen. (Voriges Jahr hatten wir nur DM 25,- bezahlen müssen.) Du bist doch die Königin des Himmels und der Erde. Heute feiern wir dieses, Dein Fest. Wir wenden uns vertrauensvoll an Dich. Du kannst die Gesinnung des entsprechenden Herrn im Kongressbüro ändern, dass er uns doch noch unsere Bitte erfüllt. Um 14 Uhr fahre ich in die Stadt zu den Geschäften, um für das teure Geld die 250 Matratzen zusammen zu bringen. Ich vertraue darauf, dass Du alles erreichen kannst. Ich bitte Dich, hilf uns doch!" So ähnlich hatte ich gebetet und verließ darauf die Kirche. Es war schon Mittag vorüber, kurz vor 14 Uhr. Ich wollte gerade das Haus verlassen, um in die Stadt zu fahren. Da war es mir, als hörte ich das Telefon. Ich kehrte noch einmal um — und siehe da — es war ein Anruf vom Kongressbüro. Ich solle dort noch einmal vorbeikommen. Es bestände Aussicht, die Luftmatratzen doch noch zu erhalten.
Zwei Stunden später hielt ich die schriftliche Bestätigung des Büros in meinen Händen, dass ich für die Fußwallfahrt 250 neue Luftmatratzen abholen kann, ohne einen Pfennig Leihgebühr dafür bezahlen zu müssen.
Neue Existenz - durch Maria!
Der Großteil der Fußwallfahrer sind junge Menschen, aber auch einzelne ältere Leute sind immer wieder darunter zu sehen. Ein Herr mit ergrauten Haaren ist mir besonders aufgefallen. Er war bereits mehrere Male dabei. Bei einer Gebetspause ging ich zufällig neben ihm und er erzählte mir den Grund seiner alljährlichen Pilgerschaft.
Er war selbständiger Kaufmann und wurde plötzlich schwer krank. Die Krankheit dauerte viele Monate. Als er wiederhergestellt war, hatte der Geschäftsführer, dem er seinen Betrieb anvertraut hatte, diesen auf DM 3000,- Schulden herabgewirtschaftet. Er musste seinen Betrieb aufgeben und stand nun mittellos da. Mit 56 Jahren etwas Neues zu beginnen, wagte er nicht, und so suchte er eine Anstellung in einem anderen Betrieb. Aber niemand wollte ihn aufnehmen wegen seines Alters. Er war nahe daran, sich das Leben zu nehmen, denn er sah keine Möglichkeit mehr, sich eine neue Existenz zu schaffen.
Verzweifelt irrte er tagelang in der Stadt umher und die Aussichtslosigkeit seiner Lage bestärkte ihn immer mehr, einfach Schluss zu machen. In dieser Verzweiflung kam er auch in die Theatinerkirche. Beim Hinausgehen fiel sein Blick auf ein Plakat: Ein Aufruf zur Fußwallfahrt nach Altötting. „Das soll mein letzter Versuch sein" - schoss es ihm durch den Kopf. „Vielleicht kann mir die Muttergottes helfen!" Und kurz entschlossen meldete er sich zur Teilnahme an und ging mit. In seinem Herzen trug er das große Anliegen: Muttergottes, hilf du mir zu einer neuen Existenz. Und auf dem Weg zum Gnadenort reift schließlich noch das Versprechen: „Wenn du mir hilfst, Maria, dann will ich jedes Jahr mitgehen, solange ich kann." Wie groß war seine Freude, als er von seiner Reise heimkam! Es lag ein Brief im Briefkasten mit einer Vorladung des Stadtrates wegen einer eventuellen Einstellung. - Er erhielt sofort eine Anstellung bei der Stadt!
Die versprochene Wallfahrt
Ein junger Schlosser hatte in einer Münchener Fabrik einen schlimmen Unfall. Er war mit seiner Hand in eine Maschine geraten und zu allem Unglück mit dieser schwer verletzten Hand in einen Farbtopf gefallen. Er ging sofort zum Arzt, aber die Sache wurde sehr bösartig. Die Hand wurde trotz bester Behandlung nicht besser, sondern schlimmer. Eine Amputation stand bevor. Das gestand der Arzt schließlich dem Verunglückten und seiner Mutter. Das war besonders für den jungen Mann ein harter Schlag. Wie sollte er seinen Beruf wieder ausüben können? Da nahm die Mutter ihre Zuflucht zu Unserer Lieben Frau. Sie hatte einen Aufruf gelesen, „Für ein Neues München" eine Fußwallfahrt nach Altötting mitzumachen. Sie nahm diese Gelegenheit wahr, und machte ein Versprechen: „Wenn die Hand meines Sohnes erhalten bleibt, dann will ich aus Dankbarkeit mit nach Altötting gehen!"
Kurz darauf gingen sie wieder zum Arzt. Als dieser den Verband abgenommen hatte, stellte er mit Erstaunen fest, dass die Hand nun zu heilen begann. Es bestand keine Gefahr mehr.
Aus Dankbarkeit ist nicht nur die Mutter, sondern auch der so offensichtlich wunderbar geheilte Sohn und der Vater den fast 100 km langen Weg nach Altölung gegangen.
Aus dem Buch "Die schönsten Mariengeschichten"
von Stadtpfarrer Karl Maria Harrer, München