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Das Geheimnis einer Familie

Von ehemaliges Mitglied Montag 14.09.2020, 03:46


In einem Bauernhof am Chiemsee habe ich ihn kennen gelernt. Er hatte mit seiner Bubengruppe aus München im oberen Heuschober und ich mit meinen Buben im unteren ein Heulager geschlafen.
Beim hl. Messopfer begegneten wir uns am nächsten Tag wieder und ich habe mich richtig gefreut, wie ich ihn am Werktag zur heiligen Kommunion gehen sah: Das muss ein feiner Kerl sein, dachte ich mir im Stillen. Geraume Zeit später trafen wir uns wieder. Es war beim Diözesantag der Kath. Jugend. Voll Freude begrüßten wir uns über dieses unverhoffte Wiedersehen. Dann war es das große Georgslager der Pfadfinder, das uns wieder einmal zusammenführte. Da lernte ich auch einige Brüder von ihm kennen, die ebenfalls in der Jugendführung tätig waren und allmählich wurden wir Freunde.
Ludwig erzählte mir dann auch einmal von seinen Kriegserlebnissen in Russland. Es ist ein Wunder, daß er wieder gesund heimgekommen ist. Nach einem missglückten Angriff kroch er einmal unter dem gezielten Feuer russischer Scharfschützen von Verwundeten zu Verwundeten. Kein Schuss aber traf ihn. Während er einen Kameraden verband, lag dieser plötzlich, von einem Granatwerfertreffer zerrissen, auf ihm. Ihm selber hat nicht das Geringste gefehlt. Auf dem Rückmarsch war der Rest der Kompanie eingekreist und von den Russen im Sturmangriff niedergemacht worden. An ihm sind die Russen direkt vorbeigelaufen und haben ihn nicht gesehen. Als einziger kam er mit dem Leben davon. Auch die anderen fünf Brüder waren bis auf den jüngsten im kriegsfähigen Alter und haben alle heil den Krieg überstanden. Fast alle sind heute aktiv im kath. Leben tätig als Laienapostel in der Legio Mariae oder als Leiter einer anderen kath. Gemeinschaft. Einer von ihnen hat sich nun als Spätberufener auf das Priestertum vorbereitet. Öfter hatte ich mir schon Gedanken gemacht: Da muss doch wirklich ein besonderer Segen auf dieser Familie liegen: Sechs Buben heil durch den Krieg gekommen. Fast alle waren lebendige, wahrhaft apostolische Menschen. Ein Spätberufener und alle anderen haben eine gesunde Familie gegründet mit Kindern und eigenem Haus und Heim. Noch nie bin ich solch einer sichtlich gesegneten Familie begegnet. Da erhielt ich eines Tages eine wunderbare Antwort: Ich besuchte einmal die Mutter dieser sechs Gebrüder in ihrer schlichten und einfachen Wohnung. Als wir uns ein wenig unterhalten hatten, nahm sie plötzlich eine Bild von der Wand. Es war ein älteres Marienbild in der Größe einer Postkarte. Sie zog es aus dem Rahmen und hielt es mir hin mit den Worten: „In der Hitlerzeit, da hatten wir viel durchzumachen. Mein Mann ließ die Buben nicht in die Hitlerjugend gehen. Dreimal mussten sie deshalb die Schule wechseln. Wir Eltern erhielten Vorladungen und die Buben wurden verhört und vor der Klasse als Staatsfeinde hingestellt. Als die Gefahr dann immer größer wurde, da entschlossen wir uns, die Familie unter den besonderen Schutz der Gottesmutter zu stellen. Wir hatten gehört, dass es Menschen gab, die sich mit ihrem Blut dem Teufel verschrieben haben. Dann können wir uns auch genauso gut der Muttergottes verschreiben, wie es auch der Kurfürst Maximilian von Bayer vor 300 Jahren in Altötting getan hat. Und so haben wir uns mit unserm Blut der Muttergottes geweiht." Und dann zeigte sie mir die Rückseite des Marienbildes. Da waren wirklich in bräunlich vergilbter Schrift die Namen des Vaters, der Mutter und der sechs Buben zu sehen.
Nun war es mir klar, woher der Segen gekommen ist und es ist wohl eindeutig ersichtlich, wie ernst und dankbar die Gottesmutter die Weihe dieser tapferen Familie angenommen hat.

Aus dem Buch "Die schönsten Mariengeschichten"
von Stadtpfarrer Karl Maria Harrer, München

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