Der missglückte Bombenangriff
Von ehemaliges Mitglied Freitag 09.10.2020, 05:44
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In Saragossa wird die Statue der Gottesmutter, auf einer kleinen Säule stehend, als Nationalheiligtum verehrt: Nuestra Senora del Pilar. Im spanischen Bürgerkrieg der dreißiger Jahre hatten die Bolschewisten den Plan gefasst, die Kirche, in der sich die hochverehrte Marienstatue befindet, in Trümmer zu legen. Sie bemalten eines ihrer Flugzeuge mit den nationalen Farben, damit es ungehindert nach Saragossa fliegen und die Stadt umkreisen konnte. Das Flugzeug senkte sich bis auf wenige Meter über die Kirche, und dann geschah zum Entsetzen des gläubigen Volkes das Ungeheuerliche: Es wurden drei Bomben geworfen. Die erste sauste acht Meter von der Kirche entfernt auf den Kirchplatz, ohne zu platzen; nur fünf große Steinplatten wurden zertrümmert, und zwar so, dass die Aufschlagstelle ein großes Kreuz bildete. Die zweite Bombe durchschlug den Turm und fiel in zwei Hälften auseinander. Die dritte fiel direkt in den Chor der Kirche, aber auch sie explodierte nicht. Die Fachleute, welche die Bombe untersuchten, erklärten: „So etwas ist noch nie da gewesen; das kann kein Mensch erklären. Die Zündschnur durchgebrannt, der Apparat in Ordnung, zweiundfünfzig Kilogramm Sprengstoff und keine Zündung! Das ist ein Wunder! Menschlich gesprochen, dürfte von der Kirche kein Stein mehr auf dem andern sein."
Der Jubel des Volkes kannte keine Grenzen. Scharenweise pilgerten sie zum Gnadenaltar und überschütteten ihn mit Blumen. Am Abend versammelten sich Tausende und Abertausende zu einer großen Dank- und Sühneandacht. Die ganze Stadt war auf den Beinen. Der Erzbischof, der General der Garnison, die Behörden, alle zogen mit der gewaltigen Menge durch die Stadt und sangen Lieder zum Preis der Madonna del Pilar. Dann stieg der General in der dicht gefüllten Kirche zum Gnadenbild empor, küsste es in tiefer Ehrfurcht und sprach: „Ich ernenne hiermit die Muttergottes de/ Pilar zur obersten Inhaberin meiner Truppe. " Dabei hängte er der Marienstatue die höchste Auszeichnung um, die er verleihen konnte.
Aus dem Buch "Die schönsten Mariengeschichten"
von Stadtpfarrer Karl Maria Harrer, München