Die Gottesmutter — Hilfe der Sterbenden
Von ehemaliges Mitglied Dienstag 07.07.2020, 06:59
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Karl zählte fünfzehn Jahre. Er war ein Wirtssohn aus Turin und wohnte ganz in der Nähe des Oratoriums.
Während Don Bosco sich auf Reisen befand, wurde Karl krank. Der Arzt machte die niedergeschlagenen Eltern aufmerksam: „Es ist Zeit, an die Sterbesakramente zu denken!"
„Ich möchte Don Bosco! Holt mir Don Bosco!", bat der Junge. Aber Don Bosco war abwesend. So kam ein Kaplan aus der Pfarrkirche und brachte dem Kranken die Sterbesakramente. Der Bub blieb jedoch noch immer sehr unruhig und verlangte ununterbrochen, auch in seinem schweren Todeskampf nach dem Heiligen. Inzwischen kehrte dieser ins Oratorium zurück und man übermittelte ihm sogleich die Bitte Karls.
Eiligst begab er sich dorthin. An der Haustür empfing ihn ein Diener: „O mein Gott! Ihr kommt zu spät. Vor sechs Stunden ist Karl gestorben."
Der Priester wurde ins Sterbezimmer geführt. Die Mutter und die Tante des Knaben knieten dort betend und weinend. Am Kopfende des Bettes brannte die Sterbekerze inmitten vieler Blumen. Don Bosco ging auf den leblosen Körper zu und segnete ihn. Dann rief er in gebieterischem Ton: „Karl, steh auf!"
Durch den Leichnam ging ein Zittern, er richtete sich auf, die Augen öffneten sich und erkannten den Priester. „O, Don Bosco!" Das kam wie ein Schrei von den Lippen Karls.
„Don Bosco, wenn ihr wüßtet, wie ich nach Euch gerufen habe! Das ist der liebe Gott selbst, der Euch hierher geführt hat.0 wie gut das ist!"
„Sprich Karl! Sag mir, was du auf dem Herzen hast, jetzt bin ich ganz für dich da." Karl gestand: „Bei meiner letzten Beichte habe ich eine schwere Sünde verschwiegen, die ich einige Wochen vorher begangen habe. Und denken Sie sich, was ich geträumt habe: Ich stand am Rande eines großen Abgrundes, der ganz mit Feuer angefüllt war. Da waren schreckliche Leute, die wollten mich in den Abgrund stoßen. Aber eine wunderschöne Dame kam und schützte mich. Sie nahm mich bei der Hand und sagte: „Lasst ihn, er ist noch nicht gerichtet!" Und in diesem Augenblick haben Sie mich aufgeweckt. Jetzt möchte ich gerne beichten!"
Auf einen Wink des Priesters verließ Mutter und Tante schreckensbleich das Zimmer. Nach Beendigung der Beichte durften sie mit den übrigen Angehörigen wieder hereinkommen. Karl rief ihnen freudestrahlend zu: „Don Bosco hat mich vor der Hölle bewahrt!"
Noch zwei Stunden unterhielt er sich mit seinen Lieben. Sein Leib und seine Glieder aber fühlten sich kalt wie Marmor an. Dann stellte ihm der Heilige die Frage: „Was jetzt, mein lieber Karl? Du bist wieder ein Freund Gottes geworden. Was willst du nun tun? Willst du bei uns bleiben oder zu Gott gehen?" „Ich will zu Gott", kam ohne zögern die Antwort. „Also gut, dann auf Wiedersehen, mein Sohn! Auf Wiedersehen im Himmel!" Karl legte den Kopf in die Kissen, schloss friedlich die Augen und ging heim zu Gott.
Von zwei anderen Schülern des Heiligen, die im Alter von 15 Jahren eines heiligmäßigen Todes starben, vernehmen wir, dass ihre Marienverehrung ihnen der größte Trost im Augenblick des Todes war.
Kurz bevor Michael Magon die Augen für immer schloss, fragte ihn Don Bosco: „Sag mir, Michael, was von all dem, das du in deinem Leben getan hast, beglückt dich in diesem Augenblick, wo du vor Gott hintreten wirst, am meisten?" Und Michael erwiderte ihm mit einem schon wahrhaft himmlischen Lächeln: „Die meiste Freude macht mir jetzt all das, was ich zurEhre der Gottesmutter getan habe!"
Der zweite, Dominik Savio, seliggesprochen am 5. März 1850 erschien bald nach seinem Tode unserem Don Bosco. „Dominikus, verrate mir, damit ich es an deine Freunde weitersagen kann: Was hat dir im Augenblick des Sterbens am meisten geholfen?" - „Sag ihnen, Vater, es war der Beistand der Gottesmutter!"
Aus „ Don Bosco"
Sein Leben der Jugend erzählt
M. Pelissier, Benzinger Verlag