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Die Helferin der Christen

Von ehemaliges Mitglied Dienstag 22.09.2020, 10:15


Während in Europa die Reformation und ihre Folgen die Bevölkerung beunruhigten und entzweiten, benützten die Türken die günstige Gelegenheit, um in die christlichen Länder des Abendlandes einzufallen. Die Insel Cypern hatten sie schon erobert und geplündert, sie bedrohten bereits Venedig, und in ihrem Siegestaumel schwuren sie, nicht eher zu ruhen, als bis das ganze Abendland dem Halbmond unterworfen sei. Sie besaßen ein starkes Heer, eine große Flotte, unerschöpfliche Hilfsquellen und vor allem die Überzeugung, dass sie unbesiegbar seien. Die Fürsten Europas konnten sich nicht dazu aufraffen, in geschlossener Einigkeit gegen die wilden Horden aus dem Osten sich zu verteidigen. So war denen das Vordringen ziemlich leicht gemacht.

Nur einen Mann gab es in Europa, der die Gefahr mit starkem Blick erkannte und auch den Mut hatte, dem Feind entgegenzutreten. Das war Papst Pius V., der Heilige. Er rief die Fürsten Europas auf zu einem gemeinsamen Kampf gegen den Feind des Abendlandes. Aber nur das unmittelbar bedrohte Venedig und der spanische König Philipp der II. entsprachen dem Wunsche des Papstes. Die übrigen gaben ihm zu verstehen, sie könnten in der Sache nichts tun.
Aber der Papst ließ sich nicht entmutigen. Obwohl die christlichen Streitkräfte klein waren, wünschte er nicht, dass man die Flotte der Türken erwarte, sondern ihr entgegen ziehe und sie zum Kampfe zwinge. Im Mai 1571 wurde der Bund zwischen Papst, Venedig und Spanien geschlossen. Don Juan von Österreich wurde zum Oberbefehlshaber der Truppen ernannt. Papst Pius verlangte, dass man alle Leute von üblem Ruf und zuchtlose Soldaten wegschicke.
Bei der Insel Korfu wurden die christlichen Soldaten zusammengezogen. Ihre Flotte fand die türkische im Golf von Lepanto, wo sie vor Anker lag, etwa dreißig Stunden von Athen. Schon in der Frühe des folgenden Tages, am 7. Oktober 1571, stellten sich die Türken zur Schlacht. Sie jauchzten ihr entgegen; denn sie waren sicher, dass sie die weit schwächere Flotte des Papstes bald in den Grund gebohrt hätten. Rasch stellten sie ihre Schiffe in Gestalt eines Halbmondes auf, während die christliche Flotte die Gestalt eines Kreuzes annahm.
Johann von Österreich ermunterte seine Truppen zum Kampfe, die Soldaten warfen sich vor dem Kreuze nieder, auf dem Admiralschiff wurde das Banner gehisst, das vom Papst gesegnet war. Es trug das Bild der heiligen Jungfrau, darüber das Kreuz. Mit einem Freudenruf wurde es von den Soldaten begrüßt.

Die Türken zweifelten nicht an ihrem Sieg, und da sie wohl wussten, dass dieser Sieg ihnen ganz Europa in die Hände spielen würde, griffen sie mit wildem Ungestüm an. Alles war ihnen günstig. Selbst der Wind war mit ihnen. Aber die christlichen Streiter wussten auch, um was es ging und kämpften mit trotzigem Mut. Der Sieg schien sich dennoch nach der Seite der Türken zu neigen. Acht Galeeren der Venetianer waren bereits am Sinken, und dem rechten Flügel drohte die größte Gefahr.
Während dieser Zeit arbeitete der Papst, der nicht wusste, dass die Schlacht schon so bald stattfände, ruhig mit seinen Kardinälen. Aber in der Stadt hielten die Rosenkranzbruderschaften öffentliche Bittgänge. Plötzlich stand der Papst auf, öffnete ein Fenster und sah einen Augenblick zum Himmel. Dann rief er aus: „Lassen wir die Arbeit liegen und danken wir Gott für den Sieg, den er der christlichen Armee geschenkt hat."
Erstaunt folgten die Kardinäle ihm zum Petersdom. Es wurde zum Stadtgespräch, man erzählte sich von einem Wunder und schrieb es der heiligen Jungfrau zu. Man sang freudig die Lauretanische Litanei, und voll Dankbarkeit fügte der Papst ihr an diesem Tag eine neue Anrufung bei: „Maria, du Hilfe der Christen." Am gleichen Tag führte er auch das Fest des heiligen Rosenkranzes ein.
In Rom feierte man den Sieg, der in einer Entfernung von mehr als 200 Stunden errungen wurde. Es war keine Nachricht nach Rom gekommen, aber ein glänzender Sieg war errungen worden. Der Wind hatte sich plötzlich gedreht. Johann von Österreich hatte Ali, den Befehlshaber der türkischen Flotte getötet und nach zwölfstündigem Kampf hatten die Türken 30 000 Mann verloren, 200 Schiffe waren ihnen weggenommen und zerstört worden, 80 andere, die gestrandet waren, sind verbrannt und 12 000 Christensklaven sind befreit worden. Seit dem Sieg, der das Schicksal Europas so unerwartet schnell gewendet hat durch die Hilfe Marias, verehren wir diese als die Helferin der Christen.


Aus dem Buch "Die schönsten Mariengeschichten"
von Stadtpfarrer Karl Maria Harrer, München


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