Die „Lockspeise" der Seelen
Von ehemaliges Mitglied 11.10.2020, 08:28
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Matthias Schuhnesch, ein Mann mit religionsfeindlichen Ideen, findet eines Tages beim Ordnen seiner Papiere das schöne Buch von Heinrich Lassere „Unsere Liebe Frau von Lourdes". Er blättert es durch und beginnt zu lesen, zuerst mit einem gewissen Widerwillen, dann mit Interesse und schließlich voller Begeisterung. Zu guter Letzt liest er kniend den Bericht von den Wundern der Madonna zu Ende und fleht zu Maria: „Du hast schon so viele bekehrt, bekehre auch mich!"
Nach dieser Lektüre erfasste ihn eine unbezähmbare Abneigung gegen sein Amt als Bahnhofsvorsteher. Er nahm seinen Abschied und reiste Ende Oktober 1874 nach Marseille. Dort blieb er zunächst untätig und lebte nur dem Vergnügen. An eine Bekehrung dachte er nicht mehr.
Am 2. Januar 1875 schlug ihn der Besitzer des Hotels, in dem er wohnte, als Kandidaten für die Freimaurerloge vor. Matthias sollte einige rage später aufgenommen werden. Zur Belohnung wurde ihm eine Stelle als Amtsvorstand in einer Agentur der Transports Maritimes versprochen. Tags darauf stieß er beim Frühstück in einem Cafe zufällig auf eine Zeitung, in der von Kapuzinern die Rede war. Er hatte nie zuvor von diesen Mönchen gehört.
Da mahnte ihn eine innere Stimme: „Wenn du dich bekehren willst, musst du zu ihnen gehen."
Am nächsten Tag begegnete er einem alten Klosterbruder mit geschultertem Bettelsack, der barfüßig und barhäuptig dahinzog. Das ist ja ein Kapuziner, dachte er. Er folgte ihm bis zur Klosterpforte, läutete und bat um Aufnahme als Novize.
Eine rasche Berufung! Das war der erste Gedanke des Provinzials, dem der Postulant seine Papiere überreichte. Er sagte nämlich klipp und klar zu ihm: „Es fällt mir schwer, Sie nicht für einen Betrüger zu halten. Kann man denn mit einundzwanzig Jahren schon Stationsvorsteher sein? Die Papiere sind falsch!"
Der so Angesprochene entgegnete freimütig: „Wenn Sie mich heute zurückweisen, so mögen Sie wissen, dass ich morgen Abend in der Loge aufgenommen werden soll".
Nun erst schilderte ihm der Pater das Leben der Kapuziner, versah ihn mit einem Brief an den Pater Novizenmeister in Aix-en-Provence und überließ ihm die Entscheidung, nach Gutdünken weiterzustudieren, um Priester zu werden. „Allerdings", fügte er klug hinzu, „nach dem freien Leben, das Sie in der Welt geführt haben, wird die Abgeschiedenheit der Zelle vielleicht Ihre Berufung gefährden. Ich rate Ihnen daher, Laienbruder zu werden".
Der Vorschlag wurde angenommen. Als Bruder Zyprian genügte er allen Anforderungen des einjährigen Noviziats, was ihm ziemlich schwer fiel. Nach der Profess kam er in das Kloster von Besancon, dann, während der Verfolgung durch Ferry, nach Steyl (Holland) und schließlich nach Lyon. Von dort aus ging er 1885 freiwillig in die Mission nach Aden, dann zu den Seychellen-Inseln und zuletzt nach Berbers (Somaliland). Als er nach seiner Bekehrung gefragt wurde, welche religiösen Übungen er seit seiner Kindheit beibehalten habe, antwortete Zyprian: „Ich hatte bereits alles aufgegeben, vernachlässigt und vergessen. Nur eine geistliche Übung hatte den Schiffbruch meines Glaubens überlebt: die Gewohnheit, täglich drei Ave Maria zu beten. Dazu hatte ich mich bei meiner ersten heiligen Kommunion auf Grund eines Versprechens, das ich meiner Mutter gegeben hatte, verpflichtet. Diese drei Ave Maria zu beten, versäumte ich nie. Ich tat es aber nur meiner verstorbenen Mutter zuliebe, nicht etwa aus einem letzten, kümmerlichen Glaubensbewusstsein heraus, Gott weiß, von welchem Lebenswandel ich mich befreien musste. Und es ist mir gelungen".
Nach der Offenbarung des himmlischen Vaters an die heilige Katharina von Siena (Zwiegespräch mit der göttlichen Vorsehung, Kap. 139) ist Maria eine von der Güte Gottes „ausgelegte Lockspeise", um die Seelen zu "fangen".
Aus dem Buch "Die schönsten Mariengeschichten"
von Stadtpfarrer Karl Maria Harrer, München
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Anmerkung: Auch hier im Forum wäre eine "Lockspeise" vonnöten!