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Ein weltberühmtes Marienwunder

Von ehemaliges Mitglied Montag 24.05.2021, 11:13


Zu Saragossa befindet sich, nahe der Basilika „Unserer Lieben Frau del Pilar", eine Straße, genannt „Galle del Milagro", als Andenken an ein einzig schönes Marienwunder, worüber 20 lkonografien und reichhaltige Dokumente bestehen als Folge der entsprechenden kanonischen Untersuchungen. Es handelt sich hier um ein amputiertes Bein, das nach Jahren, auf die Fürbitte Marias, durch Engelshand neu aufgepfropft, neues Leben gewann, eine klare Antwort der Mutter Gottes an all die Ungläubigen, die behaupten: „Man hat noch nie eine echte und wahre Wundertat gesehen, z. B. ein abgeschnittenes Bein, das zu neuem Leben wieder erstand."

Das oben erwähnte Wunder belehrt uns jedoch eines Besseren. Miguel Juan Pellieer, so heißt der glückliche Auserwählte, der diese Wundertat Mariens am eignen Körper erlebte. Es war um das Jahr 1636, als sich dieser Siebzehnjährige entschied, das Landgut seiner Eltern zu verlassen und nach Casteelon-de-la- Planta (Valencia) zu wandern, um bei seinem Oheim Jaime Polasen Arbeit zu finden. Mitte 1637 hatte er das Unglück, unter die Räder eines schwer beladenen Fuhrwerkes zu kommen und das rechte Bein zu brechen. — Sofort brachte man ihn in das Spital von „Casteelon-de-la-Planta" und später in das Krankenhaus von Saragossa, um Linderung und Heilung zu finden; denn das Bein schmerzte ihn sehr und eiterte beständig. Da aber keine Besserung eintrat, musste man ihm Ende Oktober 1637 das betreffende Glied amputieren. Der Arzt, H. Professor Diego Millaruelo, kannte kein anderes Mittel mehr, um ihm das Leben zu retten, und so entschloss er sich zu dieser Beinabnahme. Das amputierte Bein wurde von seinem ersten Assistenten Juan Lorenzo Gareia und in Gegenwart mehrerer Zeugen auf dem Hospitalfriedhof beerdigt.
Nach einigen Monaten war die Beinwunde soweit hergestellt, dass der arme Invalide auf Krücken das Spital verlassen durfte. Da er jedoch mittellos und auf sich allein angewiesen war, beschloss er, in Saragossa zu bleiben. Hier konnte er täglich zu Unserer Lieben Frau del Pilar wallfahren, die er so sehr verehrte, und hier konnte er auch bettelnd sein Brot verdienen. Man nannte ihn bald: der hinkende Bettler Unserer Lieben Frau del Pilar.
Jeden Morgen sah man ihn bei der wundertätigen Madonna, wo er innig betete, und seine Wunde mit dem Öl der ewigen Lampe bestrich. Eine dürftige Ruhestätte diente ihm als Nachtquartier in dem Hause eines mitleidigen Menschen, H. Domingo Martin. Dort entdeckten ihn später zwei Priester und einige Bekannte aus seiner Heimat. Sie überredeten ihn, wieder nach Hause zu fahren, und zwar auf einem Maulesel, den sie ihm zur Verfügung stellten. Betend und stets Maria seine Leiden aufopfernd fuhr er dann heimwärts über Fluentas de Ebro, Quinto und Samber de Calando. Es war im Jahre 1640. Die Seinen empfingen ihn mit großer Freude. Um ihnen jedoch nicht zur Last zu sein, fuhr der arme Invalide jeden Tag bettelnd hinaus und brachte abends genügend Proviant mit nach Hause. Sein Hauptziel war aber stets die Madonna del Pilar, deren Bild er überall aufsuchte, wo er dann stundenlang verweilte. Am 26. März des gleichen Jahres kehrte er tief ermüdet von seiner Bettelreise nach Hause zurück. Ganz erschöpft nahm er gegen 10 Uhr abends sein hölzernes Bein ab und legte sich mit Hilfe seiner Mutter auf ein improvisiertes Bett. (Ein einquartierter Soldat hatte das seinige belegt.) Nachdem er sein Abendgebet verrichtet und Maria mit einer Sonderbitte angefleht hatte, schlief er endlich todmüde ein. — Da jedoch die Mutter etwas unruhig war wegen ihres so ganz erschöpften Sohnes, ging sie noch um 11 Uhr schauen, ob der Mantel des Vaters, den man ihm als Decke gegeben hatte, ihn gut einhülle. Da bemerkte sie zu ihrem größten Schrecken, dass zwei Füße sichtbar waren. Voller Angst und im Glauben, ein Soldat habe sich dort versteckt, rief sie ihren Mann herbei. Dieser suchte die aufschreiende Mutter zu beruhigen, hob ganz bestürzt den „Deckmantel" empor und suchte den Sohn zu wecken, was ihm erst nach vieler Mühe gelang. Er konnte ihm aber nur langsam beibringen, dass er wieder zwei Beine hätte. Auf die verschiedenen Fragen antwortete der Sohn nur, er habe am Abend ganz innig Maria um die Gnade seiner Heilung angefleht und sei dann eingeschlafen. Während der Nacht habe er eine Art Schauung gehabt. Er sei in der Gnadenkapelle von Unserer Lieben Frau von del Pilar von Saragossa gewesen und habe den Beinstumpf mit dem wunderbaren Öl der Marienlampe eingerieben.
(Der Geschichtsschreiber Petrus Newrath, der das Wunder untersuchte, fügte noch hinzu: „Der Vater hat sofort ausgerufen: 0 mein Sohn, danke dem lieben Gott und Maria, denn die Himmelsmutter hat dir dein Bein wieder geschenkt'.")
Das großartige Wunder verbreitete sich sofort von Mund zu Mund. Alles eilte herbei, um die Wundertat Marias anzuschauen. Prozessionsweise gingen sie dann mit dem noch hinkenden Miguel Juan Pellieer zur Kirche, um dort Gott und Maria für diese Gnade zu danken. Der Geheilte hatte nach drei Jahren sein altes Bein, mit allerlei Wundmalen früherer Zeiten und dem neuen rötlichen Kreis des Zusammenheilen, wieder erlangt. Die perfekte Gehfähigkeit kehrte jedoch erst nach und nach zurück. Eine kleine Zeitspanne war notwendig, bis er nach allerlei Übungen wieder wie früher gehen und laufen konnte. Es war jedoch wunderbar, wie das geheilte Bein in allen Stücken dem amputierten glich, das drei Jahre lang in der Totengruft gelegen hatte.
Alle Ärzte, die es früher gesehen hatten, erkannten in ihm das frühere abgeschnittene Bein mit den gleichen Narben und Farben. 24 Zeugen meldeten sich zur Bejahung des wunderbaren Geschehens. Der Bischof Msgr. Apaolaza ordnete eine kanonische Untersuchung an, die bis April 1641 tagte. Sämtliche Ärzte äußerten dort ihre diesbezügliche Meinung. Der Erzbischof von Saragossa bestätigte das Ganze und proklamierte am 27. April 1641 die Echtheit des Wunders. Der Kardinal Retz und der Arzt Roger taten ein Gleiches. In den Archiven von Saragossa findet man sämtliche diesbezügliche Dokumente, die als Kopie in der Dorfkirche von Calanda aufbewahrt werden.

Unter den 24 Gemälden, die das wunderbare Ereignis bildlich darstellen, befindet sich eines, das die Engel zeigt, wie sie das abgeschnittene Bein aus dem Grab erheben und es wieder an den Oberschenkel des Invaliden aufpfropfen. Ein weiteres Gemälde von dem Pellieer zeigt uns, wie der König Philipp IV. in seinem Schloss zu Madrid, in Gegenwart aller Hofherren und Hofdamen, das geheilte Bein Miguels kniefällig betrachtet und die Wunde küsst.
Denkt man ernstlich nach über das Geschehen, so muss man gestehen: hier sind drei Wunder zu verzeichnen:
1. Die Konservierung des amputierten, unverwesten Beines,
2. dessen Wiederbelebung, und
3. das Aufpfropfen desselben an den Beinstumpf.
Maria hatte großzügig und allseitig geholfen. Ihr sei Ruhm und Dank in Ewigkeit!
D. Schon, O.S.B.
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Ein Schreiben des Erzbischofs von Saragossa
El Arzobispo de ZaragozaS 2503/61
Sehr geehrter Herr!
In Beantwortung ihres Briefes vom 21. August teile ich Ihnen gerne und mit Befriedigung mit, dass der in der Zeitschrift „Benediktus-Bote" veröffentlichte Artikel über das Wunder von Calanda mit großer Genauigkeit die Umstände beschreibt, unter denen es sich zutrug, wie aus den Orginalprozessakten erhellt, die im Archiv des Metropolitankapitels von Saragossa aufbewahrt werden.
Ausführliche Information und kritische Begutachtung zu dem genannten Wunder können Sie in dem Buch von Abbe De- roo „L'homme a la Jambe coupee" finden, das 1960 veröffentlicht wurde (Bibliotheque Ecclesia — Elbraine Artherne Fayard — 18 Rue du Saint — Gothard — Paris XIV), das auch ins Spa- nische übersetzt wurde.
Mit aufrichtigem Segenswunsch gezeichnet Casimier... (unleserlich) Saragossa, den 30. August 1961

Aus dem „ Benediktus-Boten " 1960/62

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