Fatuma
Von ehemaliges Mitglied Mittwoch 10.06.2020, 08:28
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Fatuma war ein kleines afrikanisches Mädchen. Es war wie ihre Eltern und die meisten Einwohner des Dorfes noch islamitisch-heidnisch. Doch ging sie mit ein paar anderen Kindern in die Schule der nahen Missionsstation Luagala. Fatuma, auch Fatima, ist ein beliebter Mädchenname bei den Islamiten; denn die Tochter Mohammeds hieß so. Obwohl nun Fatuma erst 5 Jahre alt war, lauschte sie gerne den Erzählungen des Missionars beim Religionsunterricht.
Eines Tages traf ich sie vor dem Missionskirchlein. „Was willst du hier, Fatuma?", fragte ich sie. „Baba, ich möchte gern die Mama wa Mungo, die Mutter Gottes sehen", gab sie zur Antwort. „Ja, geh nur hinein in die Kirche!" „Ich darf nicht hineingehen, Baba, meine Eltern haben es mir streng verboten. Aber ich möchte doch so gerne die große Mama sehen!" „Nun, wenn du nicht hineingehen darfst, so trage ich dich eben hinein." Die Statue auf dem Altar war eine Nachahmung des schwarzen Gnadenbildes von Altötting.Während sie mit großen Augen das Gnadenbild der Himmelsmutter betrachtete, erzählte ich ihr, wie die Mama wa Mungo alle Menschen so gern hat und sie in den Himmel führen will. „Auch dich, Fatuma," so schloss ich; „du sollst sie aber immer recht lieb haben."
Einige Tage später hörte ich, dass Fatuma krank sei.Ich suchte sie in ihrer ärmlichen Lehmhütte auf. Da ich ihren Zustand für sehr bedenklich hielt; — sie litt an einer gefährlichen Tropenkrankheit, die schnell Herz und Nieren zerstört — so gab ich den Eltern den Rat, die Kranke in das große Missionshospital in Ndanda zu bringen. Schwester Thekla, die bewährte Missionsärztin, nahm sich ihrer mit aller Sorgfalt an und gewann sie bald recht lieb. Fatuma bat, sie möchte ihr von der Mama Mawonga erzählen. Die Schwester tat es und unterrichtete sie auch in den Hauptwahrheiten des Glaubens. Die aufmerksame Hörerin bat schließlich um die Taufe. Diese wurde ihr auch gespendet, da ihre Krankheit als unheilbar erkannt wurde. Die islamitischen Eltern, die von der Taufe nichts wissen durften, nahmen das todkranke Kind wieder nach Hause. Wie ich davon hörte, besuchte ich es. Es zeigte große Freude. Unter dem Vorwande, Trinkwasser zu holen, schickte sie ihre Mutter für einige Augenblicke aus der Hütte und erzählte mir dann strahlenden Auges, „Baba, ich bin getauft; ich heiße Maria, wie die Mutter Gottes. Ich freue mich, bald zu ihr in den Himmel zu kommen."
Am nächsten Tag, es war der 15. August, das Fest der Himmelfahrt Mariens, ging gegen 3 Uhr nachmittags die Totentrommel. „Die kleine Fatuma ist gestorben", hieß es. Ich ging darauf zu ihrer trauernden Mutter und sprach ihr mein Beileid aus. „Baba," sagte diese, „das Sterben meiner Fatuma war so sonderbar.
Ich hatte sie auf meinem Schoße liegen, da schaute sie in eine Ecke des Daches und sagte: „Mutter schau, was ist das für ein heller Stern?" „Das ist doch kein Stern, es ist ja heller Tag; du siehst nur eine Lücke im Strohdach." „Doch Mama, es ist ein Stern! Und er wird immer größer und heller! Das ist ja Mama Thekla! Oh nein, das ist ja die . . ." Dabei wurde ihr Antlitz ganz froh und leuchtend. Dann rief sie noch: Mama, ich komme", ließ den Kopf sinken und war tot. Baba, ich kann mir das alles nicht erklären", schloss die Mutter ihren Bericht.
Ich selber bin davon überzeugt, dass die Mutter Gottes ihren kleinen Liebling, der von der Taufe den Namen ihres größten Wallfahrtsortes und dann ihren eigenen Namen trug, in das himmlische Paradies heimgeholt hat. Oft habe ich die Verstorbene in Notlagen angerufen und es ist mir Hilfe zuteil geworden. Ihrer Fürbitte schreibe ich es auch zu, dass am folgenden Weihnachtsfeste gegen 800 Kinder zum Gottesdienst in die Kirche kamen, während vorher islamitische Eltern nur ganz selten eines ihrer Kinder dorthin gehen ließen.
P. Winfried Schneiderhahn OSB, Ndanda (Ostafrika)