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Ganzhingabe

Von ehemaliges Mitglied Mittwoch 02.09.2020, 05:50

Wer sich Maria hingibt, wird von ihr überreich beschenkt

Der hl.Ludwig Maria Grignion von Montfort empfiehlt in seinem so genannten »Goldenen Buch« die Ganzhingabe an Jesus über Maria. Ganzhingabe bedeutet, dass man sich nicht nur unter den Schutz Mariens stellt, sondern sich selber mit all seinen Werken, mit seinem Besitz, mit allen seinen Verdiensten, auch den zukünftigen, voll und ganz Maria übergibt und ihr sozusagen die vollkommene Verfügungsgewalt überlässt in dem Vertrauen, dass sie ja alles auf die beste Weise einsetzen und durch ihre Liebe veredelt vor Gott bringen kann.
Nach 33tägiger Vorbereitung, die aus bestimmten Gebeten und religiösen Übungen besteht, soll man nach Möglichkeit an einem Marienfest diese Ganzhingabe vollziehen.
Als meine Vorbereitungszeit beendet war, suchte ich nach dem nächsten Marienfest. Es war gerade das Fest der sieben Schmerzen Mariens in der Fastenzeit. So vollzog ich schließlich an diesem Tag meine Ganzhingabe.

Es war eineinhalb Jahre später. Die großen Ferien waren wieder zu Ende. Ich hatte gerade in den einzelnen Schulklassen meine Religionsstunden festgelegt und den Kindern gesagt: „Also nächste Woche wollen wir neu beginnen", da fand ich, daheim angekommen, einen Brief vom Ordinariat liegen. Ein Brief vom Ordinariat an einen Kaplan gerichtet, bedeutet immer etwas Besonderes. Ich öffnete deshalb hastig und mit etwas Herzklopfen den braunen Umschlag: „Ab 15. September versetzt!" Ich war momentan wie aus allen Wolken gefallen. In der Pfarrei hatte ich mich wohl gefühlt und nicht im Geringsten mit einer Versetzung gerechnet. Da kam mir plötzlich der Gedanke, auf den ich sonst noch nie gekommen war: „Wenn der 15. September ein Marienfest ist, dann hat sicher Maria die Hand im Spiele." - Ich schaute im Kalender nach und siehe da, der 15. September ist wirklich ein Marientag und sogar das Fest der sieben Schmerzen Mariens, das zweimal gefeiert wird, es ist ja auch das Fest meiner Ganzhingabe.
Als ich das festgestellt hatte, war ich eigentlich sofort beruhigt und wusste, diese Versetzung ist sicher gut, ja ich darf sie sogar als besonderes Entgegenkommen Mariens betrachten.
Und das hat sich auch voll und ganz bestätigt. Ich habe dann in dieser neuen Pfarrei so viel dankbare Liebe seitens der Gemeinde gefunden und eine so harmonische und großzügige Zusammenarbeit mit meinen Vorgesetzten, wie ich es kaum für möglich gehalten hatte. Ich bin fest davon überzeugt, daß Maria mir die für mich so günstige Kaplanstelle der Diözese ausgesucht hat.

Einige Jahre später. Es war wieder das Fest der sieben Schmerzen Mariens, der schmerzhafte Freitag, und ich stellte fest: „Heute sind es gerade 5 Jahre, dass ich die Weihe vollzogen habe." Da wagte ich den Gedanken: „Muttergottes, wenn es dich damals gefreut hat, dass ich mich Dir geschenkt habe, dann könntest Du mir eigentlich heute auch irgend eine besondere Freude bereiten." — Nun, der Tag verging ohne besondere Ereignisse. Am Abend erhielt ich noch einen Besuch. Als er sich verabschiedete, drückte er mir einen Briefumschlag in die Hand und sagte: „Da habe ich noch etwas für Sie, aber machen Sie es erst nachher auf.
Ganz erstaunt bedankte ich mich. Als ich allein war, öffnete ich schließlich den Umschlag und fand zu meiner großen Überraschung darin 360.— DM enthalten zur freien Verfügung für meine Anliegen. Noch nie hatte ich in meiner Kaplanzeit unerwartet auf einmal soviel Geld erhalten, als am 5. Jahrestag meiner Ganzhingabe.

5 Jahre nach meiner oben beschriebenen Versetzung:
Wieder einmal steht eine Versetzung bevor. Vom Ordinariat wurde mir angeboten, am Stadtrand von München eine Kuratie zu errichten. Nach den großen Ferien, zum Schulbeginn, sollte ich dann dort in der Mutterpfarrei beginnen; das hieß also Versetzung zum 1. September, wie aus dem amtlichen Schreiben hervorging, das ich im Laufe der Ferien erhielt.

„Diesmal ist es also kein Marientag", dachte ich mir im Stillen und fast ein wenig traurig. Aber es kam dann doch anders: Mein Stadtpfarrer meinte, ich solle mich doch von der Gemeinde richtig verabschieden, wenn die Leute aus dem Urlaub zurück sind und deshalb am 8. September die Abschiedspredigt halten. So kam es dann, dass ich am darauf folgenden Sonntag, am 15. September, der neuen Gemeinde vorgestellt wurde und also wieder das Fest der sieben Schmerzen Mariens am Beginn eines neuen Lebensabschnittes stand. Und nach all dem, was ich bis jetzt erleben durfte und wie sich alles entfaltete, bin ich überzeugt, dass gerade mein neuer Wirkungskreis wieder so richtig von Maria ausgesucht war.


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