Madonna della Guardia
Von ehemaliges Mitglied Samstag 20.06.2020, 08:43
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Von der Madonna della Guardia und zwei Lausbuben.
Giannis und Francos Eltern wohnten in einem der ärmsten und schmutzigsten Hafenvierteln von Genua.
Der Vater ist Hafenarbeiter und seine Liebe gehört dem Alkohol. Die Mutter ist eine kranke Frau, die tagsüber zum Waschen geht und so das Geld zum Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder verdient; der Vater bringt ja nur selten ein paar Lire mit heim.
Meistens lässt er sein Geld in einer der stinkenden Hafenkneipen. Gianni und Franco selbst strolchen tagsüber durch die Straßen Genuas und erleichtern hie und da einmal den Stand einer Obstverkäuferin.
Sonst aber sind sie zwei gute Kerle und rechte Lausbuben. Auch Gianni und Franco freuen sich auf das Kommende der großen Prozessionen der „Madonna della Guardia", die sie selbst mit ihren ganzen Bubenherzen lieb haben und der sie doch auch so gerne wenigstens einige kleine Kerzen vor ihrem Fenster anbrennen möchten. Woher sollten sie aber das Geld nehmen? Der Vater bringt ja keine Lire mit heim, die wenigen Lire der Mutter reichen kaum zum Essen! Noch dazu war die Mutter schon seit einer Woche krank und hat nichts mehr verdient. Mit hängendem Kopf und grübelnder Stirn schlendern die zwei durch die Straßen des Hafenviertels, ohne einen Rat zu finden. „Die Mutter muss doch gesund werden!", denkt in einem fort Gianni, und der jüngere Franco murmelte nur manchmal unverständliche Brocken von Schande gegenüber der Mutter Gottes und ähnliche Dinge...
Plötzlich kommt dem Gianni ein Gedanke: „Menschenskind, Franco, wir gehen einfach arbeiten! Die Madonna kommt erst übermorgen! Bis dahin können wir uns noch einige Lire verdienen und davon Kerzen kaufen!"
Am nächsten Morgen kommen zwei Menschen nicht mehr aus dem Staunen heraus: Die Mutter der beiden Lausbuben traut ihren Ohren nicht, als Gianni und Franco schon vor sieben Uhr aus den Betten sausen und eine halbe Stunde später bereits zur Tür hinaus verschwunden sind. „Was sie wohl heute wieder für Streiche aushecken mögen?" — Der andere aber ist ein Kohlenhändler welcher in der Stadt seinen Lagerplatz hat. Wie da die beiden zu ihm kommen, ist er ganz überrascht, dass solche Lausbuben bei ihm arbeiten wollen. Noch mehr aber wundert er sich, als er den beiden ein wenig später bei der Arbeit zuschaut. So fleißige Arbeiter hatte er schon lange nicht mehr gehabt, und am liebsten hätte er sie gar nicht mehr losgelassen, als Gianni und Franco am Abend nach ihrem Lohn fragen.
100 Lire hat ihnen der Kohlenhändler gegeben, und damit machen sie sich stolz auf den Heimweg. Freilich war es ein karger Lohn — 100 Lire sind ungefähr 50 Pfennige!, — aber die Freude über das erste selbstverdiente Geld strahlt trotzdem von ihren Gesichtern. Außerdem würden sie sich wenigstens drei bis vier kleine Kerzen davon kaufen können, und für eine so arme Familie, wie sie daheim sind, wird es schon genügen. So bemerkten sie auch kaum den armen Bettler, der ihnen seine offene Hand entgegenstreckte. Und doch: Franco kann auf dem Heimweg den armen Bettler nicht vergessen, bis er schließlich mit seinem Bruder darüber spricht: „Sollen wir nicht lieber unsere Lire dem armen Mann dort an der Straße schenken?
Würde es der Madonna nicht eine viel größere Freude machen, wenn wir unsere Lire dem Bettler schenken, der vielleicht schon lange arbeitslos ist und hungrige Kinder daheim hat?" — Gianni würde ja lieber an seinem Fenster daheim Kerzen stehen sehen, aber wie der Franco immer wieder damit anfängt, kann er auch nicht mehr anders: „Vielleicht freut sich die Madonna doch mehr..."
Im Dauerlauf rennen sie zurück, drücken dem verdutzt schauenden Bettler ihre mühsam erarbeiteten Lire in die Hand, sausen wieder die Straße hinunter, und pfeifend kommen sie an ihr Haus. Da aber bleibt ihnen fast der Atem stehen, und Franco muss sich Tränen aus dem Gesicht wischen. Gianni aber reibt sich die Augen aus, zupft sich am Ohr und kann es kaum glauben, dass das Wirklichkeit ist und er nicht träumt: An ihren Fenstern stehen große Kerzen, und das Haus ist hell erleuchtet.
Noch manchen Freudenschluchzer müssen die beiden erst hinunterschlucken, bis sie sich wieder ganz gefasst haben. Dann aber stürmen sie ins Haus und fallen ihren Eltern voll Freude um den Hals. — —
Kurz vor 12 Uhr hatte ihr Vater eine Besorgung in der Stadt machen müssen und dabei seine beiden Buben auf dem Kohlenplatz entdeckt, er musste nicht lange raten, bis er den Grund ihres Arbeitseifers erkannt hatte.
Zuerst schämte er sich vor seinen Buben, ging aber am Nachmittag zu seinem Chef, ließ sich einen Vorschuss geben und kaufte hiervon 20 Kerzen. Und als er noch seiner Frau daheim versprochen hatte, nie mehr zu trinken und ihr von den tüchtigen „Lausbuben" erzählt hatte, da konnte sich auch die Mutter nicht mehr halten und stand von ihrem Krankenbett auf, um das Haus festlich zu putzen.
Gianni und Franco sind seit diesem Tag oft am Morgen in der Frühmesse der kleinen Hafenkapelle zu finden.
Fulvio Grimaldi
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P.S. Feierabend hat viele Mitglieder.
Einige davon werden diese meine Beiträge lesen und einige werden Freude daran haben.
Für Diese sind die Beiträge gedacht.
Die üblichen bösen Kommentare sind nicht lesenswert.