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Maria hat bezahlt

Von ehemaliges Mitglied Montag 15.06.2020, 06:57

Meine erste Pilgerfahrt nach Lourdes

Im Allgemeinen werden Priester im Alter von 24 Jahren geweiht. Ich wurde ebenfalls mit 24 geweiht, aber noch weitere fünf Jahre auf Universitäten geschickt. Fünf Jahre nach meiner Priesterweihe studierte ich Philosophie an der Universität Löwen in Belgien. Ich wollte das fünfte Jubiläum meiner Priesterweihe in Lourdes feiern. Lourdes ist fast allen, nicht nur den Gläubigen, bekannt. Ich hatte genug Geld, um nach Lourdes zu fahren, aber nicht genug, um dort zu wohnen. Ich bat nun meinen Bruder, der an der Universität Löwen Medizin studierte, um etwas Geld. Er war ebenfalls ein typischer Universitätsstudent und hatte daher keines. Ich dachte: „Nun, wenn ich genug Glauben habe, nach Lourdes zu fahren, um dort mein fünftes Priesterjubiläum zu feiern, ist es an der Jungfrau Maria, mich über Wasser zu halten."
Ich fuhr nach Lourdes und kam mit leeren Taschen an. Dann überlegte ich, wenn schon die Heilige Jungfrau meine Hotelrechnung bezahlte, könnte sie genau so eine kleine wie eine große bezahlen. Ich ging also zum besten Hotel in Lourdes. Es war vierte Kategorie für unsere Begriffe, aber es war das beste Hotel in Lourdes. Am fünften Tag bekam ich meine Rechnung. Ich hatte Vorstellungen von Gendarmen und Gefängnissen, aber ich schob es hinaus, denn die Novene rief zu neun Tagen Gebet. Am Morgen des neunten Tages ging ich zum Reliquienschrein hinunter. Nichts geschah. Am neunten Mittag geschah nichts. Am neunten Abend geschah nichts. Dann wurde es ernst. Ich beschloss, der Jungfrau Maria noch eine Chance zu geben. Ich besuchte den Schrein an jenem Abend um ungefähr halb elf Uhr. Als ich den Rosenkranz betete, tippte mir ein stämmiger Mann auf die Schulter.
"Sind Sie ein amerikanischer Priester? Sprechen Sie französisch? Kennen Sie Paris?"
Nun, ich bin aus New York.
"Dies sind mein Sohn, meine Tochter und meine Frau." Wir gingen zusammen zum Hotel zurück. „Wir möchten, dass Sie morgen mit uns nach Paris kommen und für uns französisch sprechen". Er sagte: „Haben Sie schon Ihre Hotelrechnung bezahlt?" Das war die interessanteste Frage, die ich jemals in meinem Leben gehört habe. Ich konnte ihn bewegen, die Rechnung zu begleichen. Wir fuhren nach Paris, blieben eine Woche dort und dann sagt er: „Ich werde Ihnen meine Adresse von New York geben. Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich sie auf den unteren Teil des Schecks schreibe?" — „Nicht im geringsten", sagte ich. Ich kam nach Löwen mit mehr zurück, als ich abgefahren war. Wir sind seitdem noch zweimal nach Lourdes gepilgert, um der Madonna dafür zu danken, dass sie uns zusammen gebracht hat. Die Moral dieser Geschichte ist nicht, ins größte Hotel zu gehen und von der Jungfrau Maria zu erwarten, dass sie die Rechnung bezahlt. Vielmehr zeigt sie uns, dass sich die Himmelsmutter bei ihrem Göttlichen Sohn für hartnäckige und fordernde Kinder einsetzt.

Aus: Fulton J. Sheen, Entscheidung für Gott

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