Maria in Alcazar
Von ehemaliges Mitglied Freitag 02.10.2020, 09:01
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Die Geschichte eines großen Vertrauens.
Im Juli 1936 entzündete sich nach dem Meuchelmord des Nationalisten Calvo Satelos das Feuer der Revolution. Die Kriegsfurie raste durch ganz Spanien. Der Süden und Westen gerieten in die Hände der Roten. Toledo, südlich von Madrid, fiel. Nur der Alcazar hielt stand. Letzterer war eine Militär-Akademie, eine Offiziersschule. In dieser kleinen Festung blieben nur 75 Falangisten zurück, während ihre Kameraden in den Ferien weilten. Zu ihnen gesellte sich die Zivilgarde in Stärke von 750 Mann mit ihren Familien, so dass die Garnison 1100 Mann und 800 Frauen und Kinder zählte. Über dem Alcazar hissten sie die Nationalfahne. Sie bildeten eine kleine Insel im unermesslichen roten Ozean; ihre Lage war höchst kritisch. Jeden Morgen rief der Kommandant der Roten den Colonel Moscardo an: „Wollt ihr Euch ergeben?" — „Niemals", war die Antwort.
Siegesbewusst meldete Ende Juli Radio Madrid: JO 000 Mann rücken vor, um den Alcazar zu besetzen." Man hatte wohl nicht überlegt, dass die 1100 Belagerten Soldaten Mariens waren. Colonel Moscardo und zahlreiche Kadetten nannten sich Mitglieder der Marianischen Kongregation. Diese jungen Leute im Alter zwischen 18-20 Jahren setzten den Alcazar in Verteidigungszustand. Der Bischof von Carthagena, Msgr. Diaz., erklärte in Rom: „Ich wundere mich nicht, daß die Kadetten von Toledo solch große Proben von Mut und Heroismus gegeben haben, waren sie doch Ritter Unserer Lieben Frau, die den Satan besiegt hat..." — Menschlich gesehen war die Garnison von Alcazar erledigt. Alle Verteidiger stützten ihr Vertrauen auf die himmlische Jungfrau. Im Krankenhaus fand man eine alte Statue Mariens. Mit großer Feierlichkeit erfolgte ihre Thronerhebung. Von diesem Zeitpunkt an galt Maria als die große „Capitana", in deren Händen die Verteidigung des Alcazar lag. Ein Fliegerhauptmann organisierte den ewigen Rosenkranz vor der Statue. Jede Viertelstunde begann ein Rosenkranz mit anschließendem Gesang-. „Rette uns, Jungfrau Maria" usw...
Zweimal täglich versammelte sich die Garnison vor dem Bilde zur Verrichtung des Rosenkranzgebetes.
Die Mutter Gottes stellte ihre Verehrer auf eine harte Probe. Angesichts des unaufhörlichen Grollens der Geschütze sowie des Granaten- und Bombenhagels zogen sich die 1900 Personen in unterirdische Gänge zurück. Keine Luft, kein Licht, keine Nachrichten! Und doch vermochte nichts ihr Vertrauen auf die Madonna zu erschüttern in diesen 71 Tagen schrecklichen Da- seins. Nach 32 Tagen ein Lächeln vom Himmel! Ein Flugzeug bringt eine Botschaft aus der Hand Francos. Er schwor, sie zu befreien. Die Begeisterung der Belagerten kannte keine Grenzen mehr. Es wurden Rufe laut: „Es lebe unsere Jungfrau! Es lebe die Unbefleckte! Sie wird uns erretten. Später berichtete Colo-nel Moscardo u. a.: „Weinend und singend begaben sich alle zur Statue der Jungfrau Maria. Ich begleitete sie mit unserer Fahne, nahm tief gerührt die Mutter in meine Arme, und tränen vergießend flehte ich zu ihr: „Mutter, rette uns! Du verlässt jene nicht, die ihr Vertrauen auf dich setzen!"
Im August nahm das Feuer an Heftigkeit zu. Da glaubte man, sich ergeben zu müssen. Es fehlte an allem, sogar das Wasser ging aus. Die Mutter wurde mit Gebeten bestürmt. Da entdeckte jemand einen Behälter mit 40 000 Liter Wasser. Wie Maria sich bei anderer Gelegenheit hilfreich erwies, erzählte Colonel Romeros „Sie war es, die die Hand unserer drei Ärzte, von denen keiner Chirurg war, führte. Ohne die erforderlichen Instrumente, ohne Antiseptika, ohne Chloroform operierten sie die Kranken im Kerzenschein mit Erfolg, ohne Verluste. Die Madonna war es, die unsere Kraft aufrecht hielt. Wir, auch die Kinder, mussten uns begnügen mit wenig rotem Fleisch. Nur 80 Seelen gingen in der Schreckenszeit in den Himmel. Uns hat die Jungfrau erhalten, damit wir der Nachwelt erzählen, was man durch das Gebet zu ihr erreichen konnte..." — Für Dr. Martin, einen der drei Ärzte, war die Geschichte der Belagerung ein andauerndes Wunder der Allerheiligsten Jungfrau. Vor der Pariser Zeitung „La Croix" bezeugte er unter anderem: „Die Materialisten, die nicht an ein Wunder glauben, werden lachen und mich für naiv halten, daran liegt mir wenig. Aber sie müssen unsere höheren Wissenschaften achten, denn ohne jedwede Hilfsmittel hatten wir keinen Epidemie- oder Krankheitsfall. Sie mögen nur einmal bedenken: infektiöses Brot, Mauleselfleisch 70 Tage lang. Das wird ihnen die Augen öffnen; ihre falsche Wissenschaft werden sie vergessen und das besser verstehen, was auf Gott sich bezieht. Die Himmelsmutter werde ich nie vergessen, sie hat uns errettet.
Der Sohn Moscardos geriet unter die Roten. Diese wollten ihn in Freiheit setzen, wenn der Colonel die Verteidigung des Alcazar aufgebe, andernfalls würde der Sohn erschossen. „Vor Drohungen schrecke ich nicht zurück", erwiderte der Kommandant. Da wurde der 17jährige Moscardo erschossen. Sein letzter Ruf war: „Es lebe Christus, der König!" Nach einer erfolglosen Belagerung beschlossen die Roten, zwei Tunnels unter das Mauerwerk der Festung zu bauen. Am 18. September sollte der Alcazar in die Luft fliegen. Die Belagerten erkannten die Gefahr und wussten, dass nur ein Wunder sie retten konnte. Ihre Zuflucht zur himmlischen Mutter nehmend, beteten sie mit ausgebreiteten Armen: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns jetzt und in der Stunde unseres Todes!" Eine furchtbare Explosion dröhnte. Alle, die vor dem Bilde der Gottesmutter beteten, fielen zur Erde nieder. Ein Steinhagelbedeckte sie, aber niemand wurde verletzt. „Ein Wunder"!, schrieen alle. Die Roten hielten jetzt den Alcazar für ein immenses Grab. Sie hatten sich getäuscht. Als sie vordrangen, schlugen die wackeren Verteidiger die Milizen in die Flucht. Francos Truppen hatten sich indessen Toledo genähert. Die Roten beeilten sich, eine Dynamitladung von 6000 kg unter die Mauern der Festung zu setzen. Durch die Sprengung entstand ein Trichter von 70 Meter Tiefe und mit einem Durchmesser von 100 Meter. Die Helden von Alcazar, immer unter Führung ihrer „Capitana", schlugen die vordringenden Roten in die Flucht. Francos Truppen, die ebenfalls durch ihr Eingreifen zum Siege verhalfen, zogen am 27. September in die Festung ein.
Aus dem Buch "Die schönsten Mariengeschichten"
von Stadtpfarrer Karl Maria Harrer, München