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Rosenkranz mit rückwirkender Kraft

Von ehemaliges Mitglied 20.09.2020, 09:42


Kardinal Hayes von New York berichtete in einer Predigt: Vor einigen Jahren kehrte Mr. Thomson zur katholischen Kirche zurück. Seine Bekehrung war aufrichtig. Ein großes Leid bedrückte ihn jedoch seit seiner Rückkehr zum Glauben: Er hat sich zur Zeit seiner Abkehr vom Glauben geweigert, seine Kinder taufen zu lassen. Eine Tochter war ohne Taufe gestorben. Diese Schuld lag nun wie ein Alpdruck beständig auf seiner Seele. Eines Tages fragte er mich in seiner äußersten Betrübnis:
„Was könnte ich für meine Tochter tun?" Ich erwiderte ihm: „Beten Sie für Ihr Kind!"
„Aber wie kann ihr denn mein Gebet nützen, wenn es ohne Taufe gestorben ist?", fragte er weiter. „Beten Sie trotzdem, und empfehlen Sie Ihr Kind in die Hände Gottes!"
„Wenn es aber kein Rettungsmittel mehr gibt — was kann selbst Gott dann noch tun?
„Wissen Sie nicht, dass es für Gott keine Vergangenheit und keine Zukunft gibt!", tröstete ich ihn. „Kann also meine Tochter doch noch gerettet werden, wenn ich jetzt nachträglich für sie bete?"

Ich erkläre den Fall so", erwiderte ich, „dass Gott, dem alle Dinge gegenwärtig sind und Ihr nachträgliches Gebet vorausgesehen hat, durch dieses Gebet Ihr Kind auf irgend eine Weise gerettet hat. Dazu fehlen Gott keineswegs Mittel und Wege, wenn sie auch uns Menschen verborgen sind."

Getröstet ging Mr. Thomson und bestürmte von nun an den Himmel mit Gebeten für sein Kind. Bis zum Tode wollte er in dieser Meinung täglich den Rosenkranz beten.
Ich hatte diesen Vorfall schon vergessen, als nach langer Zeit der gute Mann wieder zu mir kam und außer sich vor Freude sagte: „Eminenz, mein Gebet ist wirklich erhört worden! Gott hat mein Kind gerettet, es ist im Himmel!"

Ich glaubte, der Arme habe den Verstand verloren; doch er begann zu erzählen: „Gestern besuchte mich Betsy, unser früheres Dienstmädchen, das wir viele Jahre, bis kurz vor dem Tode meiner Tochter hatten.
Als sie im Laufe des Gespräches erfuhr, dass ich katholisch geworden bin, war sie voll Freude und rief aus: ,Wie gut ist Gott! So viele Jahre betete ich um Ihre Bekehrung, und nun durfte ich sie erleben!' " Wir sprachen noch über manche Dinge, unter anderem natürlich auch über den großen Kummer wegen meiner verstorbenen Tochter.
„Welche Tochter?", fragte sie. „Myrthle, die Sie so gern hatten?" "Wer sagt, dass Myrthle ohne Taufe gestorben sei?" „Aber es ist nur zu wahr; ich habe ja die Taufe bis zum letzten Augenblick verhindert!" „Ja, ja", sagte die gute Irländerin, „und glauben Sie, dass alle Ihre Verbote etwas genützt haben? Ich habe mich nicht darum gekümmert und es taufen lassen bevor es starb! Es war am Abend des Festes Maria Himmelfahrt gewesen. Ich ließ sie auf den Namen Maria' taufen."
Vor Freude ganz außer Fassung rief ich: „Wie ist das möglich?" „So möglich, gewiss und wahr, als ich hier stehe", beteuerte Betsy. „Und wenn Sie es nicht glauben, dann gehen Sie ins Pfarrhaus; dort kann man Ihnen den Taufschein der kleinen Maria geben."

Mein Freund, Mr. Thomson, zog die Urkunde aus der Tasche und zeigte mir voll tiefer Rührung den Taufschein, den ihm der Pfarrer auf seine Bitte ausgestellt hatte.
Mr. Thomsons Gebet hatte also doch „rückwirkende Kraft" gehabt.

Aus „Maria" - Verlag Bargezzi, Bern


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