Dem unbekannten Gott (Fr. Nietzsche 1844 – 1900)
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Feierabend-Mitglied
Donnerstag 27.08.2026, 11:28
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Noch einmal, eh ich weiterziehe
und meine Blicke vorwärts sende,
heb ich vereinsamt meine Hände
zu Dir empor, zu dem ich fliehe,
dem ich in tiefster Herzenstiefe
Altäre feierlich geweiht, dass allezeit
mich deine Stimme wieder riefe.
Darauf erglüht tief eingeschrieben
das Wort: Dem unbekannten Gotte.
Sein bin ich, ob ich in der Frevler Rotte
auch bis zur Stunde bin geblieben:
sein bin ich - und ich fühl die Schlingen,
die mich im Kampf darniederzieh’n.
Und, mag ich flieh’n,
mich doch zu seinem Dienste zwingen.
Ich will Dich kennen, Unbekannter,
du tief in meine Seele Greifender,
mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender,
du Unfassbarer, mir Verwandter!
Ich will Dich kennen, selbst Dir dienen.
Dieses Gedicht verfaßte Nietzsche, dem man nur allzu gern nachsagt dass er Gott für tot erklärt hat. Dieses immer wieder vorgebrachte Zitat „Gott ist tot“ wurde aus dem Zusammenhang seiner Abfassung „Der tolle Mensch“ herausgerissen. Ich gebe einmal einen Auszug aus diesem Werk ein:
Der tolle Mensch. – Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der am hellen Vormittage eine Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: „Ich suche Gott! Ich suche Gott!“ – Da dort gerade viele von denen zusammenstanden, welche nicht an Gott glaubten, so erregte er ein großes Gelächter. Ist er denn verloren gegangen? sagte der eine. Hat er sich verlaufen wie ein Kind? sagte der andere. Oder hält er sich versteckt? Fürchtet er sich vor uns? Ist er zu Schiff gegangen? ausgewandert? – so schrien und lachten sie durcheinander.
Fortsetzung unter:
www.zeno.org/ ... /125.+Der+tolle+Mensch