Kartoffelernte in der Nachkriegszeit
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Feierabend-Mitglied
Montag 10.11.2025, 12:23
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Wenn im Herbst, wie gerade jetzt, die Nebelschwadean frühmorgens über die Wiesen kriechen, dann denke ich immer wieder an die Kartoffelernte 1946. Es hat sich viel geändert seit damals, aber Kartoffeln über einem Feuer geröstet oder auf dem modernen Grill, schmecken immer noch fast jedem.
„Ob es noch erlaubt und üblich ist, Kartoffelfeuer zu machen, das weiß ich nicht. Ich kann mich aber noch daran erinnern, dass wir als Kinder (Kinderarbeit hin oder her) frühmorgens mit dem Bauern, bei dem wir als Flüchtlinge einquartiert waren, auf den Kartoffelacker mussten. Wir sangen allen Ernstes: „Im Frühtau, zu Berge wir ziehn, fallera“, ein Lied das man damals in der Schule lernte. Frühtau lag noch auf dem Kartoffelkraut und auf dem Gras der Feldwege. Das mochte ich gar nicht, die Erde war meist matschig und klebte an den Schuhen (Gummistiefel für Kinder gab es nicht); Wattierte Jacken gab es kurz nach dem Krieg auch nicht, ein Strickjäckchen musste genügen. Jeder weiß, dass feuchte Kälte ohne weiteres durch Gestricktes kriecht. Ich fand es sehr ungemütlich. Aber jede Hand wurde gebraucht. Die Erwachsenen hackten um das Kraut der Pflanze herum und zogen dann energisch am Kraut, hoben das lange Gebilde in die Höhe und schüttelten die daran hängenden Kartoffeln heftig ab. Die schweren, großen Exemplare fielen als erste zwischen die Ackerfurchen. und dann sammelte ich müde, durchgefroren und schlecht gelaunt möglichst große Kartoffeln in Körbe, die dann in Jute-Säcke umgefüllt wurden.
Endlich gegen Mittag wurde das Kartoffelkraut aufgeschichtet, angezündet und wir Kinder durften dann Kartoffeln an einen biegsamen jungen Ast stecken und diesen in das Feuer halten. Wenn die Kartoffelschale dann kohlschwarz war und knisterte, dann war das Innere weich. Nie waren Kartoffeln köstlicher als nach der Arbeit auf dem Feld. Es gab weder Butter noch Sahne oder sonst irgendetwas dazu, damals jedenfalls. Und niemand hat sich Gedanken gemacht über die schwarzen Finger, die wir von dem Ruß auf der Kartoffelschale bekamen. Das Feuer hatte uns erwärmt und die Kartoffeln unsere Lebensgeister erweckt und machten die Mühe des Erntens wieder wett.
Elira