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Feindesliebe

Von Feierabend-Mitglied Montag 13.03.2023, 11:03

Alle religiösen Institutionen ächten die Menschen, die ihnen den Rücken kehren und behandeln sie oft wie Aussätzige. Exkommunikation oder Ausschluss aus der Gemeinschaft klingen für gläubige Menschen wie eine „tödliche“ Bedrohung. Dies ist ganz besonders bei den kleineren Gemeinschaften der Fall, die sich von den Großkirchen abgespalten und eigene Normen aufgestellt haben. Dabei scheinen die christlichen Pfarrer und Gemeindevorsteher Jesu Einstellung zu solchen Menschen zu ignorieren, denn er war einer völlig anderen Ansicht:

"Behandelt die Menschen so, wie ihr von ihnen behandelt werden möchtet.
Oder wollt ihr etwa noch dafür belohnt werden, dass ihr die Menschen liebt, die euch auch lieben? Das tun selbst die Leute, die von Gott nichts wissen wollen.
Ist es etwas Besonderes, denen Gutes zu tun, die auch zu euch gut sind? Das können auch Menschen, die Gott ablehnen.
Und was ist schon dabei, Leuten Geld zu leihen, von denen man genau weiß, dass sie es zurückzahlen? Dazu braucht man nichts von Gott zu wissen.
Ihr aber sollt eure Feinde lieben und den Menschen Gutes tun."
Lukas Kapitel 6.

Eure Feinde lieben? Unerhört mögen viele denken, das ist unmöglich! Oder ist diese Aussage eine Fehlübersetzung? In diesem Video wird sehr gut erklärt, wie leicht durch Auswechslung eines einzigen Buchstabens der Sinn einer Aussage völlig entstellt werden kann.


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Jesus hatte etwas anderes im Sinn, nämlich zu verdeutlichen dass man auch bösen Menschen gegenüber barmherzig sein sollte. Gleiches Handeln kann letztendlich zu weiteren Eskalationen führen und Hass und Mordgelüste auslösen. Es gibt Berichte über Menschen, die im KZ trotz widriger Behandlung Mitleid mit ihren Peinigern hatten, so z.B. Dietrich Bonhoeffer. Durch seine ethische Haltung wurde er selbst von denen respektiert, die in ihm einen Volksverräter sahen und die deswegen von weiteren unmenschlichen Folterungen abgesehen haben.

Wer sich fragt, warum ein Mensch böse geworden ist, was dazu geführt haben mag dass er sich derart brutal und rücksichtslos entwickelt hat, sieht diesen Menschen mit anderen Augen. So sind heute auch oft Gerichtsurteile für uns unverständlich, da wir „Auge um Auge“ erwarten. Kann es sein dass Anwälte und Richter mehr über diesen verurteilten Menschen erfahren und erkannt haben, dass der Angeklagte im Grunde ein Opfer der Gesellschaft, der familiären Verhältnisse und seiner anerzogenen Ideologien bzw. seines Umganges geworden ist? Kein Mensch wird als Dieb oder sogar Mörder geboren. Und genau das wollte Jesus vermitteln; bevor man einen Menschen aburteilt sollte man die Hintergründe, die zu einer Tat geführt haben, beleuchten und überdenken. In diesem Sinne ist m.E. Jesu Aussage zu verstehen.

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