Ich wäre arbeitslos geworden. . .
Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 18.02.2021, 16:57
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Praktisch hätte ich ab 1. April auf der Straße gelegen und wäre arbeitslos geworden, wenn die Gottesmutter sich nicht wieder einmal in besonderer Weise verherrlicht hätte. Im Augenblick der größten Not hat sie auf stürmisches Bitten und Beten hin gezeigt, dass sie noch da ist und für uns sorgt.
Vor etwa vier Wochen erhielt ich die Kündigung. Man hatte eine jüngere und billigere Kraft gefunden, die am Ort des Arbeitsplatzes wohnt. Ich bin in den letzten 1 1/2 Jahren täglich hundert Kilometer gefahren. Die 2 1/2 stündige Mittagspause wollte ich nicht in D. bleiben, somit fuhr ich zweimal am Tage zur Arbeitsstätte. Gesundheitlich war ich völlig heruntergekommen, so dass eigentlich nichts Schlimmeres kommen konnte, als ausgerechnet jetzt, da alle Kinder herangewachsen sind und nun die größten Kosten entstehen, arbeitslos zu werden.
Der Kündigung voraus ging noch, dass ich am 30. April letzten Jahres auf der Rückfahrt von unserem Heiligtum an der Stadtgrenze in F. mit meinem Wagen einen Unfall hatte, der uns DM 1 500,- kostete.
Vor Weihnachten erlitt ich schließlich mit meinem Wagen Totalschaden; ich hatte gerade ein neues Auto gekauft — natürlich zum größten Teil auf Bankkredit — und dann kam die Kündigung hinzu. Wir waren ziemlich am Ende. In den vergangenen vier Wochen hatte ich Anzeigen aufgegeben und auf Anzeigen geschrieben. In der Zeit wurde in der ganzen Familie gebetet. So ist die Gottesmutter noch nie von uns bestürmt worden. Es verging kaum ein Tag, an dem nicht wenigstens einer aus der Familie dem hl. Opfer beiwohnte. Schließlich bin ich dann zu Familie X. gefahren, die die nächsten bekannten Familien — auch die Schwestern in Schönstatt — auf unsere Sorge aufmerksam machte. Als erster Silberstreifen am Horizont zeigte sich ein Angebot einer Firma aus D. Weiter bot ein großes Maklerbüro eine selbständige Agentur hier im Raum an — eine vage Angelegenheit, von der niemand sagen kann, was dabei herauskommt. Die Zeit drängte nun immer mehr, dass irgendetwas geschehen müsste. Am vergangenen Freitagabend fuhr ich nochmals zu X. Wir kamen zu dem Entschluss, die Stelle in D. mit einem verhältnismäßig niedrigen Gehalt und einem enormen Unkostenapparat anzunehmen. Ich wollte die Zusage zu dieser Stelle am Samstagnachmittag schreiben.
Nun hatte ich am vergangenen Montag in unserer Zeitung die Todesanzeige eines Firmeninhabers gelesen, den ich sehr gut kannte, und für den ich während meiner früheren Tätigkeit nebenbei viel gearbeitet hatte. Am Samstagmorgen kam mir beim hl. Opfer der Gedanke — du könntest eigentlich bei dieser Firma nachfragen, ob sie dich nicht gebrauchen kann. Der Betrieb liegt etwa fünf Kilometer von unserem Haus entfernt. Ich bin dann dorthin gefahren und traf auch den jungen Firmeninhaber an. Ohne viel Umschweife brachte ich meine Frage vor. Zu seinem Gehaltsangebot konnte ich nur Ja sagen.
Aber der junge Mann wollte sich noch besinnen: er würde mich im Laufe des Spätnachmittags anrufen und mir endgültig Bescheid geben, da er am anderen Tag in Urlaub fahre. Ich habe bis 17.30 Uhr gewartet, aber ein Anruf kam nicht. Mit unserem älteren Sohn fuhr ich dann nach F. zu unserem Kapellchen. Wir beteten gemeinsam den Rosenkranz. Am Samstagabend hatten wir Familiengruppe. Als wir zurückkamen, sagte unser Sohn, Herr Y. habe gegen 20.30 Uhr angerufen, es ginge alles in Ordnung, morgen früh gegen 11 Uhr sollte ich bei der Firma sein. Ich fuhr dorthin. Herr Y. holte aus dem Schreibtisch vorgedruckte Vertragsformulare, gab mir zwei mit der Erklärung, sie auszufüllen. Das war im Nu geschehen. Wir unterschrieben beide. Als ich zuhause ankam, war ich noch ganz benommen. Wir haben zuerst einmal der Gottesmutter für die offensichtliche Hilfe gedankt. Dann habe ich bekannte Familien angerufen, um sie an unserer Freude teilhaben zu lassen. Wie ehrlich diese Mitfreude war, war offensichtlich zu spüren. So haben sich die Dinge in der letzten Stunde fast überschlagen. Die Gottesmutter hat gezeigt, dass sie wirklich unsere »Brotmutter« ist.
Aus dem Buch "Die schönsten Mariengeschichten"
von Stadtpfarrer Karl Maria Harrer, München