Der Reiz des Neuen, oder ein neuer Baum Teil 3
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Feierabend-Mitglied
Freitag 12.10.2018, 09:09 – geändert Dienstag 13.07.2021, 09:28
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So ist der Lauf der Dinge. Vom ersten Augenblick an, an dem man sich etwas Neues zulegt, fängt es an zu altern. Der Reiz des Neuen verblasst langsam und das einst Neue gehört irgendwann zum alten Eisen.
Ich will meinen Tieren keine menschlichen Züge andichten, sie nicht vermenschlichen. Konnte aber feststellen, dass nicht nur bei mir nach geraumer Zeit der Reiz des Neuen nachlässt, sondern auch bei meinen Miezen.
Vor einiger Zeit brauchten meine Katzen einen neuen Kratzbaum. Von dem Moment an, als der Kratzbaum in alle Einzelteile zerlegt hier per Post ankam und ich ihn auspackte, umgarnten mich meine Katzen und steckten in allen Teilen ihre neugierigen Nasen.
Halfen mir beim Aufbau, indem sie mit den abgezählten Schrauben spielten, sie sich Teile reservierten und regelrecht belagerten. Wuselten mir zwischen den Beinen herum und sprangen auf zwei mühsam von mir gehaltenen Teile, die ich gerade zusammenschrauben wollte und testeten diese dann auf Standfestigkeit
Irgenwann war dann auch das geschafft. Dem fertig aufgestellten Kratzbaum wurde dann auch prompt eine Bauabnahme von Jemima unterzogen. Nur gut, dass ich sie hatte, denn Jemima zeigte mir deutlich, dass die obere Plattform, von mir verdreht, angebracht worden war und somit bei Belastung, der Kratzbaum aus dem Gleichgewicht gekommen wäre.
Nachdem ich dies in Ordnung gebracht hatte, sah ich nichts mehr von meinen Katzen, außer das, was man auch auf dem obigen Foto sieht.
Ich war abgeschrieben und wusste nicht ob ich mich freuen oder traurig sein sollte.
Nur morgens und abends scharwenzelten Baghira, Jemima und Lilith um mich herum, dann wenn es Fressen gab. Danach verschwanden sie schnurstracks in ihrem Kratzbaum.
Sie kamen nicht mehr, wenn ich nach hause kam. Saßen nicht mehr bei mir, während ich am Schreibtisch saß und schrieb. Sahen nicht mehr neugierig zu, wenn ich ihre Toiletten reinigte.
Verwaist saß ich abends vor dem Fernseher, auch mein Bett teilte sie mit mir nicht mehr, ich hatte es für mich ganz alleine. Wobei ich feststellte, dass ich eigentlich ein ziemlich großes Bett besaß und die Nächte in der letzten Zeit ziemlich kalt wurden. Auch das Einschlafen gestaltete sich für mich schwierig, denn mir fehlte das mehrstimmige Schnurren.
Beinahe vier Wochen waren vergangen, dass der neue Kratzbaum aufgestellt worden war, und siehe da, erst kam Jemima zum Schmusen, während ich fernsah und Nachts zu mir ins Bett. Irgenwann folgte auch die kleine Lilith, die doch eigentlich immer fror in ihrem kurzen Fell, und gestern folgte dann meine Diva Baghira.
Ganz ehrlich, ich genieße es wieder, dass die Katzenhaare mich im Gesicht kitzeln, überall auf meiner Kleidung und Möbeln zu sehen sind, eine der Katzen immer genau wissen will, was ich gerade koche, ich mein Sofa abends zur Fernsehzeit verdeidigen muss, auch mein Bett wieder geschrumpft ist und da die Nächte nun kälter werden, ich verrückt wäre, den nächtlichen zwölfbeinigen Backofen auszustellen.
©Monika Koch