Ein kleiner Freund, ein größerer und dann ... ?g
Von
tastifix
31.07.2022, 12:40 – geändert Samstag 13.08.2022, 11:17
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tastifix
31.07.2022, 12:40 – geändert Samstag 13.08.2022, 11:17
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Es begann so harmlos und wurde soo peinlich ...
Als ich 15 jahre alt war, machten meine Eltern mit mir Urlaub auf einem Gutshof. Dort trabte, trippelte, kroch und flog alles herum, was mein Herz begehrte und ich wählte fix meine Lieblingstiere aus. Die Pferde auf der Weide standen mir nah, doch noch mehr faszinierte mich die übermütig vor dem Gutshaus tobende Dalmatiner-Meute. 21 Hunde, die wohl den Gutsherrn auf die Jagd begleiteten. Ich war hellauf begeistert. Angst vor Hunden und Pferden kannte ich nicht.
Die 21 Tiere stürmten auf mich zu und warfen mich fast um vor Freude. Ich genoss es. Einer der Hunde gefiel mir besonders gut. Er war nicht schön, hatte aber umwerfend viel Charme. Zwischen uns funkte es gewaltig und in den nachfolgenden Tagen wich Othello mir nicht mehr von der Seite. Wir gingen spazieren, er lief bei Fuß. Blieb ich stehen, lehnte er sich zärtlich gegen mein Bein. Setzte ich mich, legte er mir den Kopf aufs Knie und sah mich unverwandt an. Seine innige Zuneigung rührte mich tief. Zwischen uns brauchte es weder Worte noch Bellen.
Auch mit einem der Pferde freundete ich mich an. Alibaba war ein Anglo-Araber und ziemlich temperamentvoll. Auf dem Gutshof wurde Reitunterricht gegeben. Hartnäckig bestürmte ich meine Eltern so lange, bis ich mitmachen durfte. Bevor es soweit war, verteilte ich jeden Morgen im Pferdestall Streicheleinheiten. Alibaba begrüßte mich stets mit lautem Wiehern, ich betrat seine Box und wir schmusten. Er pustete mir warme Luft in den Nacken und versetzte mir einen liebevollen Stups mit dem Maul.
´Ìch werd´ Alibaba reiten!`
Nach den ersten zwei Unterrichtsstunden war dem klar, dass ich Anfängerin war, also das Glück auf seinem Rücken noch völlig von seiner Willkür abhing. Wir übten eine Volte. Nach wenigen Minuten fand mein Freund dies arg langweilig und suchte nach einer fixen Methode, mich in die unteren Gefilde zu befördern. Er wollte über seine Weide flitzen und nicht Zirkuspferd spielen. Urplötzlich machte er einen kleinen Hopser, ich flog in hohem Bogen in die piekenden Sägespäne, in denen ich völlig perplex liegen blieb. Alibaba hatte sein Ziel erreicht. Aber so tief dort unten tat ich ihm anscheinend doch ein bisschen leid. Regungslos stand er neben mir, als ob er drauf bedacht gewesen wäre, mich ja nicht aus Versehen zu treten. Aus den schönen Augen traf mich ein schelmischer Blick.
„Na warte!", rappelte ich mich auf und kletterte ächzend zurück in den Sattel.
Hiermit hatte er nicht gerechnet und bockte ein zweites Mal. Aus Erfahrung lernt man.
„Denkste!", raunte ich ihm ins gespitzte Pferdeohr.
Blitzschnell zog ich die Zügel straff. Ein kurzes Aufmucken, dann gab er klein bei. Stolz dirigierte ihn linksherum, dann rechtsherum, trieb ihn an zum Trab und sogar zum Galopp. Er gehorchte auf den geringsten Schenkeldruck. Ich hatte gewonnen.
Der Urlaub hielt noch eine dritte Überraschung für mich bereit. Eine Hamburger Familie traf ein. Mutter, Vater und ein 15-jähriger Sohn, H.- O. tmit Namen. Unsere Eltern verstanden sich blendend. So verbrachten er und ich viel Zeit miteinander. Ich bewunderte ihn maßlos. Er sah nett aus, hatte blitzblaue Augen, eine sehr schöne Stimme und - ein eigenes Reitpferd und das gab für mich den Ausschlag. Von Tag zu Tag fand ich ihn netter. Sobald er mich ansah, klopfte mein Herz verdächtig. Bald liefen wir Hand in Hand. Jeden Morgen brachte er mir unter dem Zimmerfenster ein Ständchen. Ich strahlte vor Stolz. Bereits unzertrennlich, unternahmen wir alles gemeinsam.
Dann kam der Tag, an dem sich unsere junge "Liebe" beweisen musste. Als wir so fröhlich auf dem Gut herum strolchten, trippelte aus einem Gebüsch eine kleine Katze auf vier weißen Samtpfoten auf uns zu, umstrich miauend unsere Beine, wollte offensichtlich schmusen und war mit nur einer kurzen Vorbeigeh-Krauleinheit nicht zufrieden. Nein, erstens so nicht und zweitens langweilte sie sich. Sie schloss sich uns an. Doch es war bereits gegen Abend und wir mussten zurück.
Tja: Erst kraulte ich, danach spielte ich und dann landete das Mini-Kätzchen auf meinem Arm. H.-O. fühlte sich wohl fast abgemeldet und lief etwas verunsichert neben mir her. Den Restweg lang hörte er ja nur noch:
„Ist die nicht süß? Guck mal die Äugelchen, die niedliche Schnute und die putzigen Pfoten usw. ... "
Der Arme!
Wir betraten die Gaststube. Unsere Eltern unterhielten sich intensiv. Ich stand dort mit H.O. an der Hand und dem schnurrenden Kätzchen auf dem Arm, strahlte und war in meiner Begeisterung nicht mehr zu bremsen. Seine und erst recht meine Eltern sollten an meinem Glück teilhaben. So posaunte ich es in Lautstärke 300 heraus, wie sehr ich mich freute:
„MUTTI, VATI, ENDLICH HABE ICH EINEN BETTGENOSSEN!"
Eigenartig, die freuten sich ja gar nicht mit mir! Stattdessen herrschte plötzlich Totenstille neben mir, am Tisch und auch in der weiteren Runde. Es wusste jetzt jeder Bescheid. Mein Verehrer starrte mich entgeistert an, meine Eltern guckten noch fassungloser und seine Eltern saßen dort mit versteinertem Gesichtsausdruck und bekamen ihre Mimik nicht unter Kontrolle. Soo eine entsetzliche Eröffnung und das vor sämtlichen Gästen des Hauses. Mein Gott, wie peinlich! Ihnen blieb allein, die Koffer zu packen und schnellstens abzureisen.
Meine Eltern überwanden den ersten Schock. Ich hatte mich unmöglich daneben benommen. Mutti wollte gerade eine wohlgesetzte Gardinenpredigt vom Stapel lassen, als ich, völlig verdutzt wegen der total unerwarteten Reaktion, noch hastig an Erklärung anhing:
„Ach, die ist so süß. Die darf heute bei mir schlafen!"
Ich schielte zu dem Jungen an meiner Hand. Dem plumpste offensichtlich ein Felsbrocken von der Seele. Ein Blick zu meinen Eltern, dann zu seinen: Sie hatten doch gerade erst zu diszipliniertem Benehmen zurück gefunden.Aber jetzt klappte den Vieren die Kinnlade runter. Sie schämten sich sichtlich in Grund und Boden, versuchten aber, es mit einem verlegenen Lächeln zu überspielen.
„ACH DU Grüne Neune! WIE HABEN WIR ABER NUR ANNEHMEN KÖNNEN, DASS ... ?"
Die Zeit heilt ja alle Wunden, auch die, die man sich selber zugefügt hat. So wurde nach einigen, ja wohl mehr als angemessenen Reue-Minuten aus dem Lächeln ein befreites Lachen, dass in einem lauten Gelächter gipfelte. Das Kätzchen verschlief eine gemütliche Nacht auf meinem Bett. Als ob nichts gewesen war, brachte mir H.-O. aam nächsten Morgen wieder ein Ständchen.