Freiheit wird überschätzt
Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 23.06.2022, 09:34
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Meine Mieze ist eine spanische Straßenkatze. Zumindest war sie das in ihrem ersten Lebensjahr, bevor sie letzten Winter beschloss, mich zu adoptieren und dafür alles zu tun. Und das kam so:
Ich half einer Holländerin, die halbwilde Katzenkolonie unserer Wohnanlage an der Costa Blanca bei den Mülltonnen mit Trockenfutter zu versorgen. Aber es war nie genug für alle da, und die dicken Kater verdrängten natürlich die jungen und schüchternen Katzen. Also bin ich am Abend nochmal in den Garten mit Nassfutter für die jüngsten Fellnasen. Ich blieb aber dabei, damit es keinen Ärger mit Nachbarn gab bzgl. herumstehendes Futter. Nur wenige Miezen trauten sich heran, keine ließ sich anfangs streicheln. Aber die kleine Graue wartete nun schon immer auf mich - eine Pfote erhoben wie eine Winkekatze und laut maunzend "miep, miep".
Sie vertilgte rasch die ganze Extra-Portion, bevor die anderen Katzen kamen, und ließ sich dabei übers Köpfchen streichen, erst zögerlich, dann bald bereitwillig. Sie kannte auch schnell meine Stimme, kam aus dem Gebüsch geschossen, wenn sie mich hörte. Sie folgte mir anschließend zur Haustür, und wollte immer öfter mit hinein. Auch Nachbarn berichteten, dass sie schon mit ins Haus geflitzt sei und in den Fluren wohl jemand suchte.
Eines Tages, nach der Abendmahlzeit im Garten, flitzte sie hinter mir her ins Haus und traute sich zitternd mit mir in den Aufzug,- ich war zu verblüfft und gerührt, um sie rigoros rauszuwerfen. Der Aufzug ging auf, die Apartmenttür ging auf, husch, war sie drinnen. Sie sah sich überall um, hüpfte auf den Fernsehsessel, sah mich an und sagte schnurrend: "Hier bleibe ich, dich adoptiere ich!" Und sie wollte nie wieder raus!
Sie musste viel lernen, was man als Wohnungskatze so wissen muss, sie kannte ja nichts. Aber sie war begierig zu lernen und es alles richtig zu machen, damit sie bleiben darf. Als im März viele Regentage waren und ihre früheren Kameraden nass und hungrig unten im Garten sassen und im kalten Wind zitterten, da strahlte sie oben am Fenster pures Glück aus und schnurrte mich laut an.
Die große Freiheit eingetauscht für ein bequemes schönes Leben als Wohnungskatze! Ha! Freiheit wird überschätzt!