Fütterung der Raubtiere
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Feierabend-Mitglied
Samstag 26.09.2026, 07:49 – geändert Samstag 26.09.2026, 07:50
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Katzen spielten schon immer eine große Rolle in meinem Leben – aber das ist eine andere Geschichte.
Selbst nach elf Jahren in menschlicher Gesellschaft ist Lilith noch immer überaus scheu. Jeden Tag erinnert sie mich daran, dass Hauskatzen einst Raubtiere waren, die vor rund 9000 Jahren domestiziert wurden.
Wenn ich schnellen Schrittes durch die Wohnung gehe, flieht sie vor mir in irgendeine dunkle Ecke, am liebsten unter den Spülschrank in der Küche. Ganz anders Jule, die auf einem der Kratzbäume liegenbleibt und mich nur beobachtet.
Versuche ich, Lilith zu streicheln oder gar hochzuheben, schreit sie Zeter und Mordio – das ganze Haus hört sie. Eine Fahrt zum Tierarzt wird bei ihr zur besonderen Tortur.
Trotzdem habe ich sie tief ins Herz geschlossen. Sie ist eine entzückende Katze, inzwischen zwölf Jahre alt, aber immer noch zierlich und jugendlich im Aussehen. Keine zweieinhalb Kilo schwer, dabei agil und blitzschnell. Ihre Liebesbeweise sind allerdings derb: Finger und Brillen müssen gerettet werden, denn Beißen und kräftige Kopfstöße gehören für sie zum Schmusen. Scheu ist sie, ja – aber auch sehr verschmust, wenn sie sich überwindet und zu mir kommt.
Und eifersüchtig ist sie. Wenn sie sieht, wie ausgiebig sich Jule bürsten lässt, hält sie plötzlich still und erlaubt ein, zwei Bürstenstriche. So klein wie sie ist, so eitel ist sie auch.
So – und jetzt ruft die Fütterung der Raubtiere.