Beim Stöbern durch alte Papiere fand ich dieses Gedicht von meinem Vater an mich aus dem Kriegsjahr 1941. Ich weiss, es ist nicht nobelpreiswürdig, aber es drückt so viel Liebe eines Vaters zu seinem Kind aus. Jedes Mal, wenn ich es nach längerer Zeit wieder lese, muss ich weinen und daran denken, dass es heute auch wieder viele Väter auf der Welt gibt, die in den Krieg ziehen mussten und immer noch müssen und die sicher auch grosses Heimweh und Sehnsucht nach ihrer Familie haben.
O meine süsse kleine Heide,
was hab ich doch für grosse Freude
an dir, mein blondgelocktes Kind,
wie du oft unverhofft und flink
mich zupftest kräftig an den Ohren
und jauchztest, wenn ich schrie vor Schmerz,
wenn meine Brill´ hast auserkoren
und tapfer sie herunterzerrst,
wenn du vom Liegen nicht entzücket
dein´ Popo in die Höhe drücktest,
oder auf deines Vaters Brust
gestrampelt hast nach Herzenslust
mit deinen kleinen, flinken Füssen
als Trost, wenn du hast warten müssen
auf den so heiß ersehnten Schoppen
(der, dem du den Namen „Nenn“ gegeben),
und ich mit ihm dich wollte foppen,
da fingst gleich schrecklich an zu toben
(in dem Punkt kann ich dich nicht loben),
so dass ich mich nicht lang besann,
ihn dir zu geben gleich begann,
um deinen grossen Durst zu stillen.
Doch war der Schoppen endlich leer,
dann musste schnell man mit dem Schnuller
dein Mäulchen stopfen hinterher,
sonst hättest du getobt noch mehr.
Und wenn gelöschet war dein Durscht,
dann war dir alles wieder wurscht.
Du spieltest wieder froh und heiter
mit deinem lieben Papa weiter,
als wenn gar nichts gewesen wär.
Ans Schlafen wolltest du nicht denken,
dies war ein weiteres Malheur.
Doch konnt ich dir´s nicht übel nehmen
aus diesem guten 'Grund heraus,
denkst halt, das nütze ich jetzt aus,
solang mein Vati ist zu Haus,
muss er sich halt dazu bequemen
und mit mir spielen, wie mir´s passt.
So ist´s, weil mich als Tochter hast.
Nun, da ich wieder fort von dir,
will gar arg die Sehnsucht hier
und auch das Heimweh sondergleichen
nach meiner Heide nicht mehr weichen.
Denk oft an dich, du kleine Maus,
wie gerne wär ich doch zu Haus
bei dir und Mama noch geblieben,
doch hat mich meine Pflicht getrieben
zurück zur Front in weiter Ferne.
Ich denk heut schon wieder gerne
daran, was wohl das nächste Mal
ich aussteh´n muss, mir ist´s egal.
Vielleicht lässt sich´s bald wieder machen,
dass ich mit dir kann wieder lachen.
Nun wünsch ich dir noch, Heidelein,
Gesundheit, Glück und Sonnenschein!
Beim Stöbern durch alte Papiere fand ich dieses Gedicht von meinem Vater an mich aus dem Kriegsjahr 1941. Ich weiss, es ist nicht nobelpreiswürdig, aber es drückt so viel Liebe eines Vaters zu seinem Kind aus. Jedes Mal, wenn ich es nach längerer Zeit wieder lese, muss ich weinen und daran denken, dass es heute auch wieder viele Väter auf der Welt gibt, die in den Krieg ziehen mussten und immer noch müssen und die sicher auch grosses Heimweh und Sehnsucht nach ihrer Familie haben.
O meine süsse kleine Heide,
was hab ich doch für grosse Freude
an dir, mein blondgelocktes Kind,
wie du oft unverhofft und flink
mich zupftest kräftig an den Ohren
und jauchztest, wenn ich schrie vor Schmerz,
wenn meine Brill´ hast auserkoren
und tapfer sie herunterzerrst,
wenn du vom Liegen nicht entzücket
dein´ Popo in die Höhe drücktest,
oder auf deines Vaters Brust
gestrampelt hast nach Herzenslust
mit deinen kleinen, flinken Füssen
als Trost, wenn du hast warten müssen
auf den so heiß ersehnten Schoppen
(der, dem du den Namen „Nenn“ gegeben),
und ich mit ihm dich wollte foppen,
da fingst gleich schrecklich an zu toben
(in dem Punkt kann ich dich nicht loben),
so dass ich mich nicht lang besann,
ihn dir zu geben gleich begann,
um deinen grossen Durst zu stillen.
Doch war der Schoppen endlich leer,
dann musste schnell man mit dem Schnuller
dein Mäulchen stopfen hinterher,
sonst hättest du getobt noch mehr.
Und wenn gelöschet war dein Durscht,
dann war dir alles wieder wurscht.
Du spieltest wieder froh und heiter
mit deinem lieben Papa weiter,
als wenn gar nichts gewesen wär.
Ans Schlafen wolltest du nicht denken,
dies war ein weiteres Malheur.
Doch konnt ich dir´s nicht übel nehmen
aus diesem guten 'Grund heraus,
denkst halt, das nütze ich jetzt aus,
solang mein Vati ist zu Haus,
muss er sich halt dazu bequemen
und mit mir spielen, wie mir´s passt.
So ist´s, weil mich als Tochter hast.
Nun, da ich wieder fort von dir,
will gar arg die Sehnsucht hier
und auch das Heimweh sondergleichen
nach meiner Heide nicht mehr weichen.
Denk oft an dich, du kleine Maus,
wie gerne wär ich doch zu Haus
bei dir und Mama noch geblieben,
doch hat mich meine Pflicht getrieben
zurück zur Front in weiter Ferne.
Ich denk heut schon wieder gerne
daran, was wohl das nächste Mal
ich aussteh´n muss, mir ist´s egal.
Vielleicht lässt sich´s bald wieder machen,
dass ich mit dir kann wieder lachen.
Nun wünsch ich dir noch, Heidelein,
Gesundheit, Glück und Sonnenschein!
Dein Vater.
Am Schwarzen Meere, den 7. Oktober 1941.