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Torfstechen, eine Familienarbeit....

Von Bekassine 20.09.2026, 15:30 – geändert 20.09.2026, 19:32

(Fotos: eigene)
Oma, Opa, Mutter, Vater und die Kinder waren dabei.

Ca. 1910-1972
In dieser Zeit waren viele Leute auf Torf zum Heizen angewiesen. Wer selbst keine Vennparzelle hatte, der pachtete sich eine Parzelle entweder von der Gemeinde oder von jemand anderes zum Torfstechen. Das Venn war damals sehr groß, so dass genügend Moor zum Torfstechen da war. Ja, die Gewinnung von Torf erforderte viel Arbeit. Zwischen Säen und Mähen, wie man sagte, das war die Zeit um Pfingsten herum, wo auch die Kinder Ferien hatten ("Torfferien"), dann wurde Torf gestochen. Eine kräftige Mannsperson musste den Torf stechen. Er gebrauchte dazu einen langen, spitzen Spaten ("Torfspoan"). Der Stiel hatte die normale Größe wie an einem gewöhnlichen Spaten.
Schon frühmorgens ging es dann mit Pferd und Wagen los zum Venn. Wir mussten zunächst für den ganzen Tag das Essen mitnehmen, denn der Weg war sehr weit, so dass, um zu Hause zu essen, und auch Essen zu bringen keine Zeit übrig war. Es gab Butterbrote und kalten Buchweizen-Pfannekuchen. Für den Pfannekuchen gab es auch noch Butter mit, auch für jeden ein paar gekochte Eier. Alles wurde in einen großen Korb gepackt. Als Getränke wurden mitgenommen gekochte Milch und Kaffee. Die Milch kam in eine "Dübbe", ein emailliertes rundes Gefäß mit Deckel. Der Kaffee kam in Blechbüchsen, die oben spitz zuliefen; dann kam ein guter Verschluss darauf, so ungefähr wie bei einer Bierflasche. Man konnte die "Koffiebüßken", wie wir in plattdeutsch sagten, auch an einem Band über der Schulter tragen.
Für die Kinder gab es selbstgemachten Apfelmost zu trinken.

Ja, das Schleppen mit dem Essen war schon eine Mühsal, alles musste zu Fuß abgemacht werden. Am ersten Tag mussten wir auch die Geräte wie Torfspaten, Tarfgrepe und Schuppe noch mitschleppen. Für die anderen Tage wurden die Geräte abends im Venn gelassen, denn Stehlen stand damals noch nicht so auf der Tagesliste. Waren wir an Ort und Stelle angelangt, so ging die Arbeit los. Essen und Trinken wurden unter einer Birke in den Schatten gestellt.
Der Vater und die Familie machten nun den Torf frei. Obenauf wurde eine Handbreit tiefe Schicht mit der Schuppe heruntergestochen. Er hatte eine Stelle von etlichen Metern freigemacht. Obenauf saß der weiße Torf, wie ihn die Leute nannten, er war aber braun. Es war ein leichter Torf.
Unten tiefer saß der schwarze Torf, der beste. Er konnte, wenn er trocken war, mitunter nicht zerschlagen werden. Der weiße Torf war hauptsächlich geeignet zum Anmachen von Herd und Herdfeuer. Nun wurde mit dem Torfspaten in einer Breite von 25-30 cm einige Meter durchstochen der Länge nach, dann abermals quer durchstochen in Breite van 10-15 cm, und immer so tief wie der Torfspaten lang war. Dieser fertige Streifen wurde Soden genannt. Jetzt wurde der Torf einzeln mit dem Spaten ausgehoben. Er hatte nun eine ziegelförmige Form. Es wurden jedesmal zwei Soden der Länge nach an den Rand der Torfkuhle ge¬setzt. Dieser Torf musste nun abgetragen werden auf eine andere freie Stelle. Das Torfabtragen wurde mit einer Torfgrepe gemacht.

Als wir älter wurden, 13 bis 14 Jahre, musste ein Kind es alleine schaffen. Ja es war für alle, die im Venn arbeiteten, eine schwere Arbeit, weil alles doch eine nasse, schwere Masse war.

Der Torf wurde reihenweise hingelegt, aber immer nur zwei Soden aufeinander. So ging es den ganzen Tag durch. Es ging fast immer im Trab. Ja, man musste doch mit dem Torfstecher standhalten, das heißt, er musste reine Bahn haben, sonst wusste er ja nicht, wo er den Torf hinlegen sollte. Wenn es Zeit zum Essen war, wurde eine kleine Pause gemacht. Im Mittag hatten wir eine Stunde frei. Wir kamen dann wohl für eine kurze Plauderei mit unseren Nachbarn zusammen. Wir Kinder besuchten uns gegenseitig. Um vier Uhr war Kaffeepause. Gegen acht Uhr wurde Schluss gemacht. Dann traten wir müde den Heimweg an. Es waren ja auch wohl so durchschnittlich 3000 Soden gestochen worden. So ging es wohl acht bis vierzehn Tage weiter, überhaupt bei den Leuten, die nun ganz auf Torf angewiesen waren.
Nach ein paar Wochen musste der Torf umgesetzt werden. Dann kam der unterste Torf nach oben. Wenn er nun gut angetrocknet war, kam der Torf kreuzweise übereinander, aber jedesmal nur zwei Torfsoden. Man nannte dies "Krüsstucken". Später, noch vor der Heuernte, wurde er an kleine runde spitze Haufen gepackt, in der Größe eines kleinen Bierfasses. Man nannte sie "Tunnen". So ca. 20 Soden wurden hohl aneinandergelegt, dass der Wind gut hindurch konnte. Es verging wieder eine längere Zeit, bis er gut angetrocknet war; dann kam er in "Ringe". Das waren tonnenförmige Haufen, unten im Durchmesser ein bis anderthalb Meter, dasselbe in der Höhe. Der Torf wurde aber jetzt fest aufgepackt, weil er schon ungefähr trocken war. Er blieb jetzt so lange stehen, bis er heimgeholt wurde, und das geschah Ende September bis Anfang Oktober. Ja man konnte selbst im Winter noch Torf holen, denn wenn er in Ringen stand, dann konnte er Wind und Wetter trotzen.
Heimgeholt wurde der Torf mit dem großen Kastenwagen. Das war auch noch eine ganze Arbeit. Man konnte nicht immer mit Pferd und Wagen direkt bis an den Torf kommen, denn im Venn gab es noch keine festen Wege. Man konnte so leicht absinken. Daher musste man öfters wohl 100 Meter zum Wagen den Torf tragen. Das geschah mit großen Weidenkörben, die extra dafür gemacht waren. Wenn nun der Wagen hoch voll war, so wurde obenauf der Torf dachförmig fest aneinander gepackt. Man durfte doch keinen Torf verlieren. Der Wagen sah fast aus wie ein Planwagen. Jeder Wagen fasste gut 2000 Soden. Zuhause mussten wir Kinder den Torf hinten in der Scheune abwerfen. Nach außen hin kam wieder eine feste Kante, aufgepackt wie eine Mauer. Das besorgte meistens der Vater.

Ich bin Jahrgang 1948. So war ich noch einige Jahre dabei.
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