Beethoven und Goethe
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Feierabend-Mitglied
14.09.2025, 11:28
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Als Goethe und Beethoven während eines Kurspaziergangs auf Schritt und Tritt gegrüßt wurden, habe der Dichter nicht ohne Eitelkeit bemerkt, ein solcher Bekanntheitsgrad sei ihm doch ein wenig lästig, worauf Beethoven lakonisch erwidert habe: „Excellenz möge sich nicht aufregen, das gilt vielleicht mir.“
Goethe berichtet seinem Freund, dem Berliner Komponisten Carl Friedrich Zelter, am 2. September:
„Beethoven habe ich in Töplitz kennen gelernt. Sein Talent hat mich in Erstaunen gesetzt; allein er ist leider eine ganz ungebändigte Persönlichkeit, die zwar gar nicht unrecht hat, wenn sie die Welt detestabel findet, aber sie dadurch freilich weder für sich noch für andere genußreicher macht. Sehr zu entschuldigen ist er hingegen und sehr zu bedauern, da ihn sein Gehör verläßt, das vielleicht dem musikalischen Teil seines Wesens weniger als dem geselligen schadet. Er, der ohnehin lakonischer Natur ist, wird es nun doppelt durch diesen Mangel.“
Seinem Leipziger Verleger Härtel schreibt Beethoven zunächst noch freudig dass Goethe ihm vage versprochen habe für ihn „etwas zu schreiben“, dann aber informiert er Härtel schon am 9. August aus Franzensbrunn (wo es so kalt sei, „daß man schreiben könnte am 9ten November 1812“):
„Göthe behagt die Hofluft zu sehr – mehr als es einem Dichter ziemt. Es ist nicht vielmehr über die Lächerlichkeiten der Virtuosen hier zu reden, wenn Dichter, die als die ersten Lehrer der Nation angesehn seyn sollten, über diesem Schimmer alles andere vergessen können.“
Für Beethoven waren alle Menschen gleich, er verachtete die devote Verehrung, die der adeligen Gesellschaft entgegengebracht worden ist und verstand nicht, dass ein Genie wie Goethe sich vor diesen verneigte. Der Überlieferung nach soll er dem Fürsten Lichnowsky einmal gesagt haben, dass es Fürsten immer schon gegeben habe, aber einen Beethoven gäbe es nur einmal! Das nennt man Selbstbewusstsein!
Es ist für uns heute unverständlich, dass die Musik Beethovens bei Goethe keinen Widerhall gefunden hat. Da trafen zwei Genies des Jahrhunderts aufeinander und blieben sich doch fremd.
Hier die Ouvertüre zu Goethes Trauerspiel „Egmont“
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