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7 Tage hat die Woche. Einer davon ist Dienstag

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 16.07.2026, 14:46

Es war ein ganz normaler Dienstag, und für den sechsjährigen Leo fühlte sich die Welt riesengroß und ein bisschen langweilig an. Er saß auf den Stufen vor dem Haus und malte mit Kreide Kringel auf den Gehweg. Am liebsten hätte er ein Fahrrad gehabt. Alle Kinder in der Straße flitzten schon auf zwei Rädern herum. Aber Leos Mama hatte gesagt: „Im Moment müssen wir ein bisschen sparen, Leo. Vielleicht zum Geburtstag im Herbst.“ Bis zum Herbst dauerte es gefühlt noch ein ganzes Leben.
Plötzlich hörte Leo ein seltsames Geräusch. Klong-klong-rrrrt.
Er blickte auf. Vom Ende der Straße kam Herr Krause geschlendert. Herr Krause war der älteste Mann im Viertel, hatte einen weißen Schnurrbart und räumte leidenschaftlich gerne seinen Schuppen auf. Und genau das tat er offenbar gerade, denn er schob ein Gefährt vor sich her.
Leo vergaß die Kreide und sperrte den Mund auf. Es war ein Fahrrad. Ein echtes, kleines Fahrrad! Es war knallrot, hatte einen glänzenden Lenker und einen kleinen, schwarzen Korb vorne dran. Es sah ein bisschen verstaubt aus, aber die Reifen waren prall mit Luft gefüllt.
Herr Krause blieb direkt vor Leos Einfahrt stehen, wischte sich den Stirn mit einem großen Taschentuch ab und seufzte. „Guten Tag, junger Mann“, sagte er.
„Hallo, Herr Krause“, piepste Leo und konnte den Blick nicht von dem roten Blitz abwenden.
„Sag mal, Leo“, Herr Krause kratzte sich am Kinn. „Du bist doch jetzt sechs, oder?“
Leo nickte stolz und streckte sechs Finger in die Höhe. „Schon seit zwei Monaten!“
„Perfekt“, sagte Herr Krause und lächelte, sodass die Falten um seine Augen ganz freundlich wurden. „Weißt du, ich habe eben meinen Schuppen ausgemistet. Mein Enkelsohn Jan ist viel zu schnell groß geworden. Dieses treue Rad steht hier nur im Weg und fängt Spinnweben. Ich dachte mir, bevor es traurig wird und einrostet, frage ich mal den besten Kreidemaler der Straße: Brauchst du zufällig ein Rennpferd auf zwei Rädern?“
Leo vergaß fast das Atmen. „Für... für mich?“
„Wenn du es haben willst. Geschenkt. Es braucht nur jemanden, der es mal ordentlich durch die Pfützen jagt.“
In diesem Moment ging die Haustür auf und Leos Mama kam heraus, weil sie Herrn Krauses Stimme gehört hatte. Leo sprang auf. „Mama! Schau mal! Herr Krause schenkt mir ein Fahrrad! Einfach so!“
Mama schaute überrascht, dann sah sie Herrn Krause an, der breit grinste. „Es ist absolut fahrtauglich, Frau Schmidt“, sagte der alte Nachbar. „Ich habe eben noch die Kette geölt und die Bremsen getestet. Es wartet nur auf einen neuen Kapitän.“
Mama sah Leos riesige, leuchtende Augen. Sie musste lachen. „Na, bei so einem Angebot können wir wohl nicht Nein sagen. Vielen, vielen Dank, Herr Krause!“
Leo durfte das Rad sofort am Lenker nehmen. Es fühlte sich großartig an. Der rote Lack glänzte in der Nachmittagssonne. Mama holte direkt Leos blauen Helm aus dem Flur. Herr Krause half noch dabei, den Sattel genau auf Leos Größe einzustellen.
„Und nun: Gute Fahrt, Leo!“, rief Herr Krause und winkte, während er sich auf den Rückweg zu seinem Schuppen machte.
Leo setzte den Helm auf, hielt den Lenker fest und schob den Fuß auf das Pedal. Mama hielt ihn hinten am Sattel ein bisschen fest. Als Leo lostrat, spürte er den Wind im Gesicht. Er hatte ein eigenes Fahrrad. Ganz unverhofft, an einem völlig normalen Dienstag, der plötzlich zum besten Tag des Jahres geworden war.

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