Aber-leider-solo – Weshalb-so-oft-allein? (2)
Von
tastifix
Mittwoch 29.01.2025, 18:44
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tastifix
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Aber-leider-solo sah sich ja als eine für die Welt unverzichtbare Persönlichkeit an. Was er nicht ahnte, war, dass es in seiner Stadt noch einen zweiten klugen Mann gab. Nicht ganz so snobistisch eingestellt, nicht ganz so überheblich, nicht ganz so rabiat wie er. Doch Weshalb-so-oft-allein war benfalls selbstbewusst, ehrgeizig und der eigenen Charakterisierung nach ähnlich gescheit. Auch er verteilte Ratschläge in taktischer Rhetorik und hatte deswegen gleichfalls viele Fans. Dessen Taktik war ein etwas vornehmer. Genauso wie Aber-leider-solo sehnte auch er sich nach Urlaub. Fühlte ebenfalls die Kräfte schwinden. Wie unser immens kluger Freund aus dem entgegen gesetzten Teil der Stadt versank auch er nicht etwa in Depressionen dieser ungerechten Ferienregelung wegen. Dafür war er ebenfalls zu gescheit. Auch er wusste sich zu helfen und bestand wie der ihm gänzlich unbekannte Kollege nun hartnäckig auf seinen Urlaub.
Zufällig wählte auch er die Flucht aus der Stadt, die Wanderung zum Fluss. Freute sich auf die Ruhe der Vororte. Jedoch erwarteten ihn ähnlich fiese Überraschungen, die ihn zwangen, den Gedanken an Urlaub erstmal zu vergessen, stattdessen die lästige Denkarbeit wieder. aufzunehmen. Auch ihm boten die Vororte keine Entspannung. Vor ihm lagen sich zwei kleine Mädchen in den Haaren. Sie standen, was den Sprachgebrauch angeht, den kleinen Jungen kaum nach.
„Gib mir sofort meine Puppe wieder her!“ heulte das eine.„Wie gemein Du bist. Wie kannst Du meine Lizzie an den Haaren ziehen? Du Hexe!“
Ebenso wie vordem der Junge1 war auch das Gegenüber jener kleinen Heulsuse des Meckerns mächtig und bewies es dann:
„Mensch, ist doch bloß ´ne Puppe. Wie dämlich Du bist! Lauf doch jetzt zu Mami wie ein kleines Baby, bähh-bääh!“
Daraufhin riss die kleine Puppenmutter ihr Kind verzweifelt an sich und rannte laut brüllend davon. Um sich bei ihrer Mama Trost zu holen. Weshalb-so-oft-allein hatte traurig zugehört. Traurig darüber, dass seine Ratschläge solcherlei Wirkung zeigten. Energisch kehrte er der Stätte jenes Streits den Rücken zu und wanderte voran. Doch gleichfalls hatte er festzustellen, dass Gassen öfters zu breiteren Straßen mmit viel Lärm führen. So erreichte er eine Straßenkreuzung: Krach von allen Seiten und äußerst geschäftiges Treiben. Seufzend hatte er einzusehen, dass der Großstadttrubel mit verdoppelter Kraft seine Nerven strapazierte.
Leider klappte auch er nicht rechtzeitig seine Ohren zu. Bei dem, was er anhören musste, schlackerten ihm die selben beträchtlich. Nicht nur Kinder verstanden es anscheinend, sich mit Hilfe rhetorischer Mittel runter zu putzen. Nein, auch weit ältere Mädchen, die einer dann weitaus ausgefeilterer Sprüche kundig waren. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite ging es hoch her. Zwei junge Frauen waren mit den Fahrrädern zusammen gestoßen, unsanft vielleicht aus Träumen gerissen worden und dementsprechend sauer: „Aufpassen geht wohl nicht, wie? Doofe Kuh!“, höhnte Frau1 wütend und wollte weiterfahren. Doch die Andere versperrte ihr den Weg, ließ die „doofe Kuh“ nicht auf sich sitzen:
„Du hast sie wohl nicht mehr alle, wie? Haste mal was von Vorfahrt gehört, Du Schlampe?“
Doch ihr Gegenüber beeindruckte dies nur wenig:
„Du hast soviel Grips wie ´ne Hauswand, Du bescheuertes Stück!“
So, das hatte gesessen. Frau1 schlotterten sichtlich die Beine, sie erbleichte und wusste keine passende Erwiderung. Sie stieg wieder aufs Fahrrad und verschwand. Deprimiert hatte unser Held2 dieses Wortgefecht verfolgt. Und dazu hatte seine Ratschläge in Sachen rhetorischer Taktik beigetragen? Auch sein Gewissen gab keine Ruhe:
„Das ist der Erfolg Deines Treibens. Das geht auf dein Konto!“
„Nein, oh nein!“ stammelte Weshalb-iso-oft-allein. „Das wollte ich nicht. Davon hatte ich keine Ahnung. Das werde ich ändern!“
Ausgesprochen bedrückt wanderte er zum Fluss. Je näher er kam, umso mehr freute er sich denn doch auf den ruhigen Spaziergang entlang des Wassers. Dort würde er endlich Ruhe finden. Stille war sein Urlaub. Ohne von einander zu ahnen, wanderten unsere beiden Helden zum Fluss. Beide in trübe Überlegungen versunken. Aber-leider-solo gar nicht mehr überheblich, sondern ausgesprochen geknickt. Weshalb-so-oft-allein sehr traurig. Am Flussufer verhielten sie beide. Standen per Zufall nebeneinander und sahen dem vorüber sprudelnden Wasser zu. Genossen die Ruhe, die Stille. Mit einem prüfenden Blick zum Nachbarn erkannte Aber-leider-solo:
„Der wirkt auch nicht fröhlicher als ich!“
Mit einem ebenfalls forschenden Blick zu dem Anderen sah Weshalb-so-oft-allein:
„Der ist genauso traurig wie ich!“
Beide stutzten, lächelten einander an. Begannen ein Gespräch, vertrauten sich diese ihre Gedanken an. Das „Als“ und das „Wie“ wurden Freunde.
Es kommt nur auf die Perspektive an!